Zwischen Abschied und Aufbruch

Wolfgang Picken feiert letzte Messe in Bad Godesberg

Insgesamt 17 Priester sind beim Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Wolfgang Picken (Mitte) dabei.

Insgesamt 17 Priester sind beim Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Wolfgang Picken (Mitte) dabei.

BAD GODESBERG. Rund 1500 Gläubige sind zur letzten Messe mit Pfarrer Wolfgang Picken in Bad Godesberg gekommen. Der künftige Bonner Stadtdechant hatte sich eigentlich vorgenommen, nicht zu weinen. Am Schluss jedoch flossen nicht nur bei ihm die Tränen.

Eigentlich hatte sich Pfarrer Wolfgang Picken vorgenommen, bei seinem Bad Godesberger Abschiedsgottesdienst am Sonntagnachmittag nicht zu weinen. Zum Schluss aber, als Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claudia Plener-Kalbfleisch persönliche Worte fand, als Picken Schwester Theodora Maria und den Ordensschwestern dankte und als dann große und kleine Gläubige lauthals „In unsrem Veedel“ in einer eigenen Version intonierten, flossen doch die Tränen, die er zuvor zwei Stunden zurückgehalten hatte. Und dass nicht nur bei dem designierten Bonner Stadtdechanten, sondern auch bei dem ein oder anderen Gemeindemitglied, das sich verstohlen eine Träne aus den Augenwinkeln wischte.

Dabei hatten gerade die Kinder der katholischen Kitas dafür gesorgt, dass die Anspannung und die Emotionalität von Picken abfielen. Denn als sie, begleitet von Erziehern und Eltern, vor dem „Vater unser“ in die Kirche kamen, war Picken in seinem Element. Was auch Weihbischof Ansgar Puff nicht verborgen geblieben war: „Ich bin froh, dass die Kinder eingezogen sind und es etwas quirlig wurde. Denn zuerst wirktest Du traurig, aber jetzt strahlen Deine Augen wieder.“

Abschied und Aufbruchstimmung

So lagen den ganzen Nachmittag Abschied und Aufbruchstimmung nebeneinander. Er sei stets neue, innovative Wege gegangen, sei Motivator gewesen, sagte Plener-Kalbfleisch. Nun werde man in diesem Sinne „das Erreichte fortführen“. Es werde anders werden. Aber: „Sie machen es uns ja einfach, weil sie uns geografisch den nächsten Wegzug zumuten.“ Es werde sich zeigen, dass die Grenzen zwischen Friesdorf und Dottendorf, zwischen Hochkreuz und Johanniterviertel eigentlich gar nicht existierten. So freue man sich in Bad Godesberg auf weitere Projekte und die Zusammenarbeit „mit unserem Stadtdechanten“.

„Es ist keine leichte Aufgabe, heute das letzte Mal als Euer Pfarrer zu Euch zu sprechen“, hatte Picken zuvor in seiner Predigt gesagt. Priester begleiteten Menschen häufig an Bruchstellen ihres Lebens und ermutigten sie loszulassen, mit Hoffnung nach vorne zu schauen. „Ist man selbst in der Situation, spürt man aber, wie schwer es umzusetzen ist.“ Er gehe schweren Herzens. In schweren Zeiten für die Kirche, in denen die Missbrauchsskandale nicht abrissen, in denen sie von Macht- und Finanzmissbrauch erschüttert werde, verlasse ein Pfarrer seine Gemeinde nur ungern. Er aber gehe mit dem Wissen, dass Gott unter den Gläubigen in Bad Godesberg sei. Und dass diese Präsenz eine Verbindung zwischen ihm und der Gemeinde schaffe, in der er 15 Jahre lang wirkte.

Knapp 200 Ministranten und 17 Priester begleiteten die Festmesse

Mindestens 1500 Männer und Frauen, Jungen und Mädchen füllten die Kirche – mehr als bei der Feier zum silbernen Priesterjubiläum, die im Juni an gleicher Stelle stattgefunden hatte. Knapp 200 Ministranten, 17 Priester, darunter der kommissarische Bonner Stadtdechant Bernd Kemmerling, und drei Diakone begleiteten die Festmesse, an deren Ende Picken leise durch die Sakristei verschwand. Und Puff währenddessen Wolfgang Biedaßek offiziell als Pfarrverweser vorstellte. Er wird die Geschicke der Katholischen Kirche Bad Godesberg leiten, bis ein neuer Pfarrer gefunden ist.

„Ich habe alle Achtung vor der Aufgabe. Ich weiß aber, dass ich nicht alleine bin“, sagte Biedaßek. Viele hätten ihm bereits ihre Unterstützung zugesagt. Zusammen werde man alles weiterführen, was begonnen wurde, „um dem neuen Pfarrer gemeinsam ein gutes Schiff zu übergeben“.

Sie bedauere den Weggang Pickens, sagte Friederike Sträter, Kuratoriumsvorsitzende der Bürgerstiftung Rheinviertel. Die Messe „ war sehr emotional, aber auch sehr fröhlich“, fasste sie zusammen. Sehr bewegend sei es für ihn gewesen, meinte Hanns-Christoph Eiden, Vize-Vorsitzender der Stiftung. Aber die Stimmung sei zuversichtlich gewesen. „Wir lassen ihn ziehen und machen das schon“, war Eiden überzeugt. „Aber wir unterstützen ihn auch und gucken über imaginäre Grenzen hinweg.“ Dass Picken eine Lücke hinterlassen werde, meinte Gemeindemitglied Florian Bülles. Er habe ihn und seine Frau Anna getraut, die beiden Kinder getauft. Nun aber sei es an den Gläubigen die Zukunft zu gestalten.