Früheres Hotel Miramonti

Wohnungen entstehen an der Deutschherrenstraße

BAD GODESBERG. Miramonti - "bewundere die Berge": So heißen Hotels in Bozen, Ascona oder Como. Und in Bad Godesberg. Bis in die 50er Jahre wurden in dem Herrschaftshaus an der Deutschherrenstraße Hotelgäste beherbergt. Nach einer wechselvollen Geschichte stellen sich zurzeit viele Anwohner und Passanten die Frage: Was passiert dort gerade?

Von dem Altbau, der einst auch der dortigen Bushaltestelle ihren Namen gab, zeugt nämlich nur noch ein Haufen Schutt. "Eines Morgens rückten plötzlich Bagger an und haben das Haus binnen kurzer Zeit dem Erdboden gleichgemacht", schildert ein Nachbar die Geschehnisse der vergangenen Wochen.

Bei aller Überraschung: Bei dem Abriss handelt es sich um eine geplante, rechtmäßige und weitaus weniger wundersame Aktion, als der legendäre Name der Liegenschaft zunächst nahelegen könnte. Die Räumung dient schlichtweg dem Zweck, auf dem Gelände zwischen Deutschherrenstraße und dem Sträßchen "An der Kelter" sechs Wohngebäude zu bauen. Rund 70 Menschen sollen dort bis 2014 ein neues Zuhause finden.

Basis des aktuellen Vorhabens ist ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1984. Konkret sollen entlang der Deutschherrenstraße zwei dreigeschossige Gebäude mit insgesamt 24 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe entstehen. Zwischen den beiden Häusern wird eine Lücke bleiben. "Hier hat uns das Bauordnungsamt eine Abweichung vom Bebauungsplan gewährt.

Auf diese Weise vermeiden wir einen geschlossenen Riegel zur Hauptstraße hin und lockern das Ensemble auf", erläutern die zuständigen Architekten Hanno Lagemann und Burkhard Richter ihr Modell. Zwischen den beiden Mehrfamilienhäusern soll sich auch die Einfahrt zur Tiefgarage befinden, in der 29 Stellplätze vorgesehen sind. Ein Teil der Eigentumswohnungen ist übrigens bereits verkauft.

Stehengeblieben ist bei den Abrissarbeiten lediglich die nahezu 100 Jahre alte und 22 Meter hohe Rosskastanie. Dabei wird es auch bleiben, wie die Architekten versichern - wenngleich die Baumkrone für die Bauarbeiten ein wenig gestutzt werden müsse. In den Genuss des Baumriesen werden später also auch die Bewohner der zweigeschossigen Doppelhaushälften am oberen Rand des Hanggrundstücks kommen. Entlang der Straße An der Kelter sollen zunächst zwei Doppelhäuser entstehen. Für die beiden anderen muss zunächst noch Baurecht geschaffen werden.

Alle Neubauten sollen begrünte Dächer bekommen und - dem alten Wahlspruch vom Bewundern der Berge getreu - den Blick auf das Siebengebirge auch weiterhin nicht vollends verstellen. Der schöne Ausblick dürfte dereinst auch ein Grund dafür gewesen sein, dass sich an dem Hang um 1900 eine Ausflugsgaststätte ansiedelte, die sich zunächst "Zum Großen Kurfürsten" nannte.

Wechselvoll gestaltete sich die Zeit des Zweiten Weltkriegs: mit einer Zwischennutzung durch ein Privatsanatorium und die Wehrmacht sowie mehreren Eigentümerwechseln. Als sich Bad Godesberg in den 50er Jahren zur Diplomatenstadt entwickelte, wurde das Hotel Miramonti zum bevorzugten Aufenthaltsort für Exzellenzen.

Gern und regelmäßig berichtete auch der General-Anzeiger darüber, welcher Prominente dort gerade wieder abstieg. 1958 wurde das Haus Miramonti vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz übernommen und zum allzu nüchternen Bürogebäude umgewandelt. Von der edlen Villa, wie sie etwa auf dem historischen Foto zu sehen ist, war zuletzt kaum noch etwas zu erahnen. Ein trister Zweckbau war es demnach auch, der nun zum Raub der Bagger wurde.

 "Ein Umbau zu Wohnzwecken war nahezu unmöglich", sagen die Architekten Lagemann und Richter. Wenn am Rande Muffendorfs ob der Brache nun so etwas wie Wehmut aufkommen sollte, dann dürfte das vorrangig an dem malerische Namen liegen. Aber der kann der kleinen Siedlung im Zweifelsfalle ja erhalten bleiben.