Ambulanter Palliativdienst

"Wir müssen nicht die Minuten zählen"

Seit einem Jahr im Dienst der Caritas: Palliativschwester Maria Maul.

Seit einem Jahr im Dienst der Caritas: Palliativschwester Maria Maul.

Bad Godesberg. Maria Maul berichtet über ihre Erfahrungen als Palliativschwester und die Unabhängigkeit von Krankenkassen.

Vor einem Jahr trat Maria Maul als Palliativschwester beim ambulanten Palliativdienst der Bürgerstiftung Rheinviertel ihren Dienst an. Jetzt erzählte sie beim monatlichen "ABC - Das Andere Bücherei-Café" in der Frieden-Christi-Kirche von ihrer Arbeit und davon, wie sie und ihre Kollegin die Patienten und ihre Familien unterstützen und begleiten.

"Palliativ kommt vom lateinischen Wort 'pallium', und das bedeutet Mantel. Der Patient soll ummantelt und umhüllt sein", erklärte Maria Maul.

Sie und ihre Kollegin Claudia Reifenberg betreuen und unterstützen schwerst- und sterbenskranke Menschen in ihrem Wunsch, im letzten Lebensabschnitt noch viel Zeit im häuslichen Umfeld verbringen und wenn möglich auch dort sterben zu können.

"Es geht darum, auf die Wünsche der Patienten einzugehen. Nicht alles, was man noch machen könnte, ist auch das, was der Patient möchte", erklärte Maul. Zurzeit betreut sie sechs bis acht Patientinnen und Patienten.

Begleitung und Zuwendung

Dabei geht es in vielen Fällen um eine schmerztherapeutische Begleitung, gleichzeitig aber auch um menschliche Zuwendung. "Manche Patienten haben keine Schmerzen, sondern wünschen sich einfach Beistand. Dementsprechend besuche ich einige täglich, andere dagegen nur einmal in der Woche", so Maul.

Die ehemalige Kinderkrankenschwester mit Zusatzausbildungen in Palliation, Schmerztherapie und Onkologie arbeitete zuvor an der Bonner Unikinderklinik und gründete dort bereits ein Team für spezialisierte ambulante palliative Versorgung für Kinder.

Auch ihre Kollegin Claudia Reifenberg arbeitete damals schon mit Maul zusammen. "Wir haben so schon Erfahrung in der Zusammenarbeit miteinander", meinte Maria Maul.

Und das sei wichtig, denn die Kolleginnen arbeiten in einer 24-Stunden-Bereitschaft und müssen sich miteinander absprechen. Der Palliativdienst wird spendenbasiert durch die Bürgerstiftung Rheinviertel finanziert, angestellt sind beide bei der Caritas.

"Keine Arbeit, sondern Dienst  am Menschen"

"Wir arbeiten unabhängig von Krankenkassen und müssen nichts dokumentieren oder rechtfertigen", erklärte Maul, "deshalb können wir uns Zeit nehmen für die Patienten und müssen nicht die Minuten zählen." Dabei kann ein Besuch auch mal zwei Stunden dauern.

Nach ihrem ersten Jahr beim ambulanten Palliativdienst zieht Maria Maul eine bemerkenswerte Bilanz: "Man gibt viel und bekommt viel Dankbarkeit zurück. Für mich ist das keine Arbeit, sondern ein Dienst am Menschen, den man gerne macht."