PTI in Bad Godesberg

"Wir WOLLEn Vielfalt" gastiert mit inklusiver Kunstwerkstatt

Voilà, ein Patchwork-Tipi. FOTO: RONALD FRIESE

Voilà, ein Patchwork-Tipi.

BAD GODESBERG. In allen Regenbogenfarben fällt das Licht durch die handgearbeiteten Wände des großen Tipi, das eine Aktionswoche lang vor dem Pädagogisch-Theologischen Institut (PTI) der Evangelischen Landeskirche steht.

Von zahllosen behinderten und nicht behinderten Menschen sind seine 1000 Teile, kleine bunte Wollquadrate, gehäkelt und gestrickt und zu diesem 3,80 Meter im Durchmesser großen Ganzen zusammengefügt worden.

Ob kunstvoll oder einfach gefertigt: Jedes Muster hat seine Berechtigung. "Das große Zelt ist Herzstück, Ausgangspunkt und Anker für unsere analogen Vernetzungen während dieser inklusiven Kunstwerkstatt, aber auch während unseres einjährigen Projekts geworden", erklärt PTI-Pfarrerin Sabine Ahrens. Drei Zelte hat man bislang gefertigt, die im Rheinland von Gemeinden und Projekten ausgeliehen werden können.

Ahrens, Dozentin für Integrative Gemeindearbeit, ist Mitinitiatorin von "Wir WOLLEn Vielfalt" der Evangelischen Kirche. Die Kunstwerkstatt "Den Faden aufnehmen" bringt 55 Aktive mit und ohne Handicap noch einmal in vier Workshops zusammen: Klaus-Dieter Nagel, Heike Reichelt und Ulli Briehn aus Essen ebenso wie Kunstpädagogin Sabine Lucke aus Düsseldorf.

Davon, dass sie nicht nur in Texturen, sondern auch in Texten, Tanz und Theater weitere inklusive Fäden gespannt haben, erzählen sie. Davon, dass ein Autist mit gestempelten Wörtern endlich einen Weg gefunden hat, sich mitzuteilen, und das in fast lyrisch schöner Sprache.

"Ich bin begeistert, wie hier Gedankenfäden gespannt werden, so dass man sich verfädelt und verstrickt", meint Kunstpädagogin Lucke im farbenfrohen Zelt. Die Impulse der Zelte würden hier auf spannende Weise umgesetzt: in soziale Kontakte, Bewegung und Berührung, erläutert Mitinitiatorin Katrin Wüst. Sie ist Behindertenpfarrerin im Kirchenkreis An Sieg und Rhein.

"Ausgehend vom eigenen Strickmuster, kann hier jeder von uns seinen Faden aufnehmen, seinen Platz im Raum finden und so Vertrauen fassen. Bei uns entsteht so etwas wie ,Woll-Schland'", fügt Wüst lachend hinzu.

Was Inklusion ganz praktisch bedeute, werde in diesem Projekt handgreiflich deutlich gemacht, kommentiert auch Pfarrer Wolf Clüver vom Kirchenkreis Gladbach-Neuss. "Hier wird Menschen Raum und Form geboten, sich künstlerisch auszudrücken, denen man das ansonsten kaum zutraut", lobt Ingrid König von der Gemeinde Meckenheim.

Dass diese Begegnungen von Menschen aus den Kirchengemeinden seit Jahren hier stattfinden können, zeige die Wertschätzung der Landeskirche für behinderte Menschen. "Aber wir wollen uns auch weiter im Bonner Haus der Begegnung treffen. Es soll nicht weggespart werden", fügt Teilnehmer Klaus-Dieter Nagel hinzu und erntet viel Applaus.

Jetzt habe das Projekt weitere Ziele: "Wir wollen zum Evangelischen Kirchentag in Stuttgart 2015", kündigt Ahrens an. Und zwar mit möglichst vielen gehäkelten und gestrickten Schmetterlingen. "Jeder kann sich mit kunterbunten Viel-Faltern beteiligen."

Info

Kontakt zum Projekt: www.wir-wollen-vielfalt.de