Kommentar

Was noch zu retten ist

Die Amerikanische Siedlung, so wie sie einmal war, ist nicht mehr zu retten. Einkaufszentrum und Burger-Restaurant: abgerissen. Kino: abgerissen. Schwimmbad und Turnhalle: abgerissen. Das benachbarte Clubhaus: eine vernagelte Ruine.

"Klein Amerika" am Rhein war zu Hauptstadtzeiten tatsächlich eine amerikanische Kleinstadt mit kompletter Infrastruktur, sogar die Wärmeversorgung funktionierte autark. Wer jetzt "Rettet die amerikanische Siedlung" fordert, kann nur noch retten, was noch zu retten ist. Der Kindergarten, um den es in der aktuellen Diskussion hauptsächlich geht, ist eines der letzten öffentlichen Gebäude.

Man fragt sich: Warum hat die Denkmal-Debatte nicht eher eingesetzt, schon kurz vor dem Wegzug der Amerikaner? Es gab zwar schon früh vereinzelte Ideen und Initiativen, wie ein CDU-Antrag von 1997 belegt, den Amerikanischen Club als "erste Adresse für Kontakte und Treffen der zuziehenden Neubürger" zu erhalten. Eine Diskussion, die die Siedlung als Ganzes in den Blick nahm und Weichen für die Zukunft stellte, hat es nie gegeben.

Vielleicht lag das auch daran, dass die Bonner in "Klein Amerika" nur zu Gast waren. Der Stadtteil war hochgesichert und vor allem auf die amerikanischen Bewohner ausgerichtet. Zum Alltag der Einheimischen gehörte höchstens das öffentliche "American Café". Außerdem gab es nach dem Regierungsumzug wichtigere Themen, als den Erhalt eines unmodernen 50er-Jahre-Kinos. Heute wäre es nicht nur für die zugezogenen UN-Mitarbeiter schön, wenn im renovierten Theater internationale Filme liefen und es gleich nebenan die besten Burger der Stadt gäbe. Der Zug ist aber längst abgefahren.

Die heutigen Mieter und Wohnungseigentümer haben ein nachvollziehbares Interesse, dass ihnen nicht nachträglich die Grünflächen zugebaut werden. Diese Plänen scheinen zum Glück vom Tisch, sie hätten den geschlossenen Charakter der Siedlung unwiederbringlich zerstört. Die Zukunft des Kindergartens hingegen ist völlig offen.