"No-Go-Areas" in Bonn

Warnhinweise lösen lebhafte Diskussion aus

Spuren einer Nacht: In diesem Fall wurden in einer Tiefgarage in der Innenstadt zehn Autos demoliert und ausgeraubt.

22.10.2013 BAD GODESBERG. Die Einstufung mehrerer Ortsteile als so genannte No-Go-Areas durch das Bonner Steinke-Institut hat auch in Bad Godesberg Reaktionen ausgelöst.

Nach Darstellung der Sprachschule, die Deutschkurse für Ausländer anbietet und deren Warnhinweis ihren Angaben zufolge auf den Erfahrungen einer Reihe von von Schülern basiert, sollten neben mehreren Stadtteilen in Bonn und Beuel auch das Godesberger Zentrum, Pennenfeld und der Norden Lannesdorfs besser gemieden werden, weil dort mit Straftaten wie der Belästigung von Frauen, Raub und Diebstahl, Einbrüchen, Pöbeleien und Beleidigungen gerechnet werden müsse. Bei den Tätern, so das Institut, handele es sich zumeist um Ausländer und Zuwanderer.

Angesichts der Berichte über die Warnung vor Bad Godesberger Stadtteilen hat gestern Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann den Geschäftsführer der Sprachschule zu einem Gespräch eingeladen. Sie möchte ihn, so heißt es in ihrem Schreiben, "über die tatsächliche Sicherheitslage in Bad Godesberg informieren.

Sie halte Warnhinweise vor "No-Go-Areas", die an Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes erinnern, nicht für zweckdienlich, um ausländische Gäste sachgerecht und sensibel über die Gegebenheiten in unserer Stadt zu informieren, schreibt die Bürgermeisterin und ergänzt: "Zu diesen Gegebenheiten gehört auch Kriminalität, vor der wir nicht die Augen verschließen, sondern der wir mit ganz vielfältigen Maßnahmen begegnen".

Der Bonner FDP-Landtagsabgeordnete Joachim Stamp hat gestern an die Sprachschule appelliert, die "No-Go-Karte" aus dem Internet zu nehmen. Seiner Ansicht nach überwiegen die negativen Folgen dieser Karte die positiven bei weitem. Stamp: "Sicher ist es notwendig, beständig die Sicherheitslage in Bonn zu überprüfen und geeignete Maßnahmen zu ihrer Verbesserung zu ergreifen. No-Go-Areas ohne Rücksprache mit der Polizei zu definieren und auch noch zu veröffentlichen, ist jedoch völlig unseriös".

Auch unter Lesern des General-Anzeigers hat die Aktion des Steinke-Instituts lebhafte Reaktionen hervorgerufen. Während manche den Warnhinweis als "zu pauschal" und "übertrieben" bewerteten, spricht er anderen offenbar aus der Seele. "Da ich mich im ganzen Stadtgebiet Bonn bewege, ist auch für mich das Sicherheitsgefühl in den genannten Stadtteilen tatsächlich eingeschränkt", teilt eine Leserin mit.

"Mit unangenehmen Tatsachen immer unglaubwürdiger umzugehen, das ist die Ursache von anwachsendem Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit" meint ein anderer zur Reaktion der Stadtverwaltung. Die hatte sich selbst und ihrer Integrationsarbeit in diesem Kontext ein gutes Zeugnis ausgestellt und sich dabei auf die Schilderungen der Mitarbeiter der Vereinten Nationen berufen. Und auch die Bonner Polizei widersprach unter Verweis auf ihre Kriminalitätsstatistik den Thesen des Sprachinstituts entschieden.

Derweil scheint die Kluft zum subjektiven Eindruck der Bürger immer tiefer zu werden. Davon hatten zuletzt auch Umfragen des General-Anzeigers gezeugt, bei denen gerade seitens der Bürger in Bad Godesberg ein wachsendes Unsicherheitsgefühl signifikant war. Wirkung zeigen dabei auch Nachrichten von besonders skrupellosen oder brutalen Übergriffen oder persönliche Erfahrungen.

So klagte beispielsweise kürzlich die Vermieterin einer Wohnung im Godesberger Norden der Bezirksbürgermeisterin ihr Leid, wonach mehrere ihrer jungen Mieter den Belästigungen durch Migranten ausgesetzt seien. Demnach würden insbesondere die Frauen "wegen angeblich zu kurzer Röcke und wegen des Tragens von Shorts angepöbelt und angefeindet". Aus Angst vor Repressalien rufe man nicht die Polizei.

"Als Ethnologin sei sie oft im Ausland und könne mit fremden Kulturen umgehen. Was sich aber seit einiger Zeit in ihrer Straße abspiele, sei nur noch furchtbar", fasst die Vermieterin die Darstellung der Doktorandin zusammen. Ein anderes Studentenpärchen habe inzwischen aus diesem Grund gekündigt und sei woanders hingezogen. (Rüdiger Franz)