Palliativtag in der Redoute

Würdevoll leben bis zuletzt

Ursula Lehr am heimischen Schreibtisch.

16.10.2014 BAD GODESBERG. "...bis dass der Tod euch scheidet." Der Nebensatz, der heute wie schmückendes Beiwerk einer kirchlichen Trauung wirkt, hatte früher einen alltäglichen Hintergrund - früher, als manch eine Frau im Kindbett starb und der Tod auch auf andere Weise zum alltäglichen Leben der Menschen in Europa dazugehörte und beispielsweise das ganze Dorf Anteil nahm, wenn es im Ort einen Sterbefall gab.

Die Entfremdung vom Tod und die Möglichkeiten, ihr auf natürliche Weise entgegenzuwirken, sind nur einige wenige Aspekte, um die es am Mittwoch kommender Woche beim ersten Bad Godesberger Palliativ- und Hospiztag gehen wird. Das Symposion, das den ganzen Tag dauern wird, besteht aus Fachvorträgen und Gesprächsrunden, die sich der persönlichen und liebevollen Betreuung Sterbender aus unterschiedlichen Blickwinkeln nähern. Mit einer echten Rarität endet der Tag: mit einer musikalischen Darbietung des Heidelberger Gerontologen, Autors und Pianisten Andreas Kruse. Unter dem Motto "Das Sterben leben" spielt er Werke von Johann Sebastian Bach.

Organisiert wird die Veranstaltung mit dem Titel "Würdevoll leben bis zuletzt", zu der bis gestern bereits 170 Anmeldungen vorlagen, von vier Bad Godesberger und Bonner Institutionen: der Bürgerstiftung Rheinviertel, dem CBT-Wohnhaus Emmaus, dem Sankt-Vinzenzhaus und dem Caritasverband für die Stadt Bonn. Als Kuratoriumsmitglied der Bürgerstiftung stellte die frühere Bundesfamilienministerin Ursula Lehr gestern im Gespräch mit dieser Zeitung Intention und Zweck der Veranstaltung vor.

"Die Palliativbewegung hat in Deutschland lang zurückreichende Wurzeln. Entsprechend erfreulich ist es, dass sich das Thema zunehmend in der Öffentlichkeit durchsetzt", so Lehr, die neben ihrem Ministeramt durch die Bekleidung des ersten Lehrstuhls für Gerontologie in Deutschland sowie mit dem vielfach aufgelegten Buch "Psychologie des Alterns" internationale Bekanntheit erlangte. Mit Blick auf ihren Wohnort Bad Godesberg würdigt die Psychologin nicht zuletzt die Arbeit des 2005 gegründeten stationären Hospizes am Waldkrankenhaus.

Die Bürgerstiftung Rheinviertel unter Ägide von Dechant Wolfgang Picken habe von 2006 an vor allem die integrierte Hospizarbeit, also die Betreuung innerhalb von Wohnheimen, als einen neuen Schwerpunkt mit Handlungsbedarf entdeckt. Seit einigen Jahren begleiten stationäre sowie ambulante Hospizschwestern Menschen in Bad Godesberg in ihrem Sterbeprozess - also sowohl in ihrem eigenen Zuhause als auch in Senioren- und Pflegeheimen. Inzwischen engagieren sich in Deutschland mehr als 100 000 Menschen in der Hospizarbeit. (Rüdiger Franz)