Draitschquelle in Bad Godesberg

Von der Heilkraft des Sauerwassers

BAD GODESBERG. "Die Draitschquelle ist das wichtigste Wahrzeichen für die Entwicklung von Bad Godesberg", sagt Martin Ammermüller, Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte (VHH). Zum 225. Jahrestag ihrer Einweihung durch Kurfürst Max Franz hat der Heimatverein jetzt ein Buch über "Ferdinand Wurzer und die Gründung des Godesberger Gesundbrunnens" veröffentlicht.

Autor Georg Schwedt, selbst emeritierter Chemieprofessor, hat sich auf eine historische Spurensuche begeben, die ihn zu den Anfängen der Chemie in Bonn führten. Außerdem prüfte er Analysen und Gutachten zum Godesberger Mineralwasser aus zwei Jahrhunderten.

Der Trinkpavillon an der Brunnenallee lässt heute nur noch wenig von der Herrlichkeit erahnen, die ihn zu kurfürstlicher Zeit umgab. Kurfürst Max Franz investierte hier nicht wegen der schönen Rheinlage oder wegen der malerischen Burgruine, sondern aufgrund von wissenschaftlichen Ergebnissen. "Ohne Wurzers Publikation von 1790 gäbe es heute wohl kein Bad Godesberg", sagt Schwedt. Im Gutachten sind nämlich Zusammensetzung und Heilwirkung des Mineralwassers aus der Draitschquelle detailliert beschrieben.

Der 250. Geburtstag Ferdinand Wurzers in diesem Jahr ist zweiter Anlass für die Buchveröffentlichung. Der Chemiker ist in Bonn längst nicht so bekannt wie Friedrich August Kekulé, der 1867 das neue chemische Institut der Universität aufbaute. Pionierarbeit hat auch Wurzer geleistet, allerdings an der "Maxschen Akademie", der kurfürstlichen Hochschule. Nach elf Jahren wechselte er nach Marburg, wo er bis zur Emeritierung 35 Jahre lehrte und als dortiger Begründer des Fachs Chemie gilt.

"Wenn man Wurzers Analysen des Godesberger Mineralwassers durchgeht, entsprechen sie den wissenschaftlich anerkannten Methoden der damaligen Zeit", sagt Chemiker Schwedt. Allerdings habe Wurzer seinerzeit Wochen für seine Analysen gebraucht. "Heute können Sie die Ergebnisse in 20 Minuten mit nach Hause nehmen." Der Autor bestätigt die heilende Wirkung des Godesberger Mineralwassers. "Das Eisen ist so gelöst, dass es direkt ins Blut transportiert werden kann. Am besten trinkt man es auf nüchternem Magen", sagt Schwedt. Mit einem einfachen Text machte er bei seiner Buchvorstellung im Trinkpavillon den hohen Eisengehalt sichtbar.

Auch das Hydrogencarbonat, das bei Magenbeschwerden helfe, sei eine "gesicherte Wirkung" des Draitschbrunnens, die auch schon Wurzer beschrieben habe. Grund dafür, dass das Gutachten von 1789/90 später belächelt wurde, war, dass Ferdinand Wurzer darin auch ausführlich die Schönheit der Umgebung als "wahres Elysium" lobte und dem "Sauerwasser" eine Heilwirkung für Krankheiten bescheinigte, die nach heutigem Wissensstand nicht durch Wasser geheilt oder gelindert werden können. "Es wäre jedoch falsch, aus diesen Gründen dem Gutachten die wissenschaftliche Qualität absprechen zu wollen", so der Autor, der in seinem Buch viel chemisches Fachwissen vermittelt. Das kombiniert er reizvoll mit zahlreichen historischen Textausschnitten und Darstellungen.

"Der Heimatverein macht sich sehr verdient um das, was rund um die Draitschquelle passiert", lobte Hillevi Burmester, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin, bei der Buchvorstellung. Das bringe wieder Leben an den historischen Ort.

Das Buch "Ferdinand Wurzer und die Gründung des Godesberger Gesundbrunnens" ist für 14 Euro in der VHH-Geschäftsstelle im rückwärtigen Parkflügel des Rathauses Bad Godesberg, Zimmer 180, erhältlich. Geöffnet ist dienstags von 16 bis 18 Uhr.

FERDINAND WURZER (1765 - 1844)

Am 22. Juni 1765 wurde Ferdinand Wurzer in Brühl geboren. Sein Vater wurde später nach Bonn versetzt, wo der Sohn das Gymnasium in der Bonngasse besuchte.

Die Familie besaß ausgedehnte Ländereien und ein Landhaus in Plittersdorf (1865 abgerissen). Auf dem Gelände wurde anschließend die Villa Cahn gebaut.

Wurzer studierte Medizin und Philisophie in Heidelberg, Würzburg, Göttingen und Wien. 1788 schloss er in Bonn mit einer Doktorarbeit über Gemütskrankheit ab und eröffnete eine Arztpraxis. Er bildete sich im Fach Chemie weiter, das er für eine unerlässliche Grundlage hielt.

1793 wurde Wurzer als erster Bonner Chemieprofessor an die kurfürstliche Akademie berufen. 1804 folgte er einem Ruf an die Universität Marburg. Die Abbildung zeigt ihn auf einem Ölgemälde von 1841. Wurzer starb 1844 in Marburg.