Vortrag zur Geschichte Bad Godesbergs

Von Kurfürsten und Diplomaten

Wilfried Rometsch spielt auf dem Carrilon

Wilfried Rometsch spielt auf dem Carrilon

Bad Godesberg. Lokalhisoriker Wilfried Rometsch erzählte im Trinkpavillon aus der Geschichte Bad Godesbergs. Und spielte eine "Nationalhymne".

Es ist bis heute nicht wirklich zusammengewachsen, was nach der „kommunalen Neugliederung des Großraumes Bonn“ im Jahr 1969 zusammenwachsen sollte. Daran lies der Bad Godesberger Lokalhistoriker und Autor Wilfried Rometsch am Ende seines Vortrags über die Geschichte Godesbergs im Trinkpavillon im Kurpark keinen Zweifel. Das Ergebnis, fast 50 Jahre nach der Eingemeindung: ein Stadtbezirk, der nach seiner Identität sucht. Rometsch, Autor des Werkes „Die Geschichte von Bad Godesberg“, präsentierte auf Einladung des Vereins Bürger.Bad.Godesberg sozusagen eine Kurzversion seines vor sieben Jahren erschienenen Werkes.

Mit Unterstützung historischer Fotos ging es im Zeitraffer von der Zerstörung der Godesburg – „spannend wurde es 1583, danach versank Godesberg wieder in der Bedeutungslosigkeit“ – in die Zeit des letzten Kurfürsten Max Franz Ende des 18. Jahrhunderts, „der den Grundakkord für die gesamte weitere Entwicklung Godesbergs setzte.“ Die „gezielte Fortentwicklung der Badestadt“ leitete dann Bürgermeister Anton Dengler 1888 ein, der unter anderem für die Entstehung des zweiten Villenviertels rund um die Rheinallee, eine neue Kanalisation sowie die Eingemeindung von Rüngsdorf und Plittersdorf sorgte. „Jetzt lag Godesberg am Rhein“, so Rometsch.

Bad Godesberg entwickelte sich zur Diplomatenstadt

Die Sorgen um den dringendsten Bedarf der Bürger im Ersten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit hinderten Nachfolger Josef Zander nicht daran, „die Weiterentwicklung Godesbergs anknüpfend an die Leistungen Denglers dynamisch voranzutreiben. Dengler und Zander waren ein echtes Glück für Godesberg“, meinte Rometsch. Weniger Glück hatten die Godesberger „mit dem sehr anpassungsfähigen Nazi“, Bürgermeister Heinrich Alef, der nach dem Krieg noch Karriere in der FDP machte.

Dennoch: „Godesberg entkam dem Zweiten Weltkrieg glimpflich und blieb weitgehend unzerstört.“ Durch die Wahl Bonns zur provisorischen Bundeshauptstadt entwickelte sich Bad Godesberg zur blühenden Diplomatenstadt. „Rege Bautätigkeit für die Bundesbediensteten ließ die Einwohnerzahl auf 58 000 im Jahr 1960 ansteigen – Diplomaten nicht mitgezählt.“ Doch in dieser Erfolgsgeschichte lag bereits die Tragik für den bevorstehenden Verlust der Eigenständigkeit. Dass dafür „der Hauptstadtausbau der eigentliche Grund war“, stand für Rometsch fest.

Im wahrsten Sinne des Wortes eingeläutet hatte Rometsch den Abend mit „der Godesberger Nationalhymne Uns Heimat es Bad Godesberg“ auf dem Carrilon, das zwischen Trinkpavillon und Kleinem Theater steht. Seit 32 Jahren schlägt er dort immer wieder mal auf die Tasten, „doch mittlerweile wird es Zeit für einen Nachfolger“, sagte er mit einem Lächeln im Gesicht.

Die nächste Veranstaltung im Trinkpavillon findet am Samstag, 16. September, um 9.45 Uhr statt. Zusammen mit Barbara Jiménez können Teilnehmer mehr über das Thema Yoga erfahren. Der Eintritt kostet 10 Euro Spende pro Yoga-Stunde.