„Kammerspiele“ sind Geschichte Vom Stadttheater Bad Godesberg zum Schauspielhaus

Bad Godesberg. Der Buchstabentausch über dem Eingang des Theaters ist vollzogen. Viele Passanten äußerten sich positiv. Die Umbenennung kostete der Stadt zufolge 6900 Euro.

Bad Godesberg soll sich ruhig brüsten: Für Jens Groß, den neuen Schauspieldirektor am Theater Bonn, erinnert der Name „Kammerspiele“ an einen kleinen Raum – so wie es auch im Lexikon steht.

Dabei habe die Bühne am Theaterplatz weitaus mehr zu bieten. Am Montag setzte Groß die von ihm gewünschte Umbenennung um: Der Stadtbezirk hat nun ein Schauspielhaus.

Die Bonner Firma Greiner Werbetechnik hatte bereits am Freitag die alten Leuchtbuchstaben abgehängt und bis Montag die neuen in zwei Teilen – „Schausp“ und „ielhaus“ – montiert. Viele Passanten beobachteten das. Häufig war zu hören, dass ein guter Name für das Theater gewählt worden sei.

„Wichtig war, dass wir dieselben Schriftzüge finden“, sagte Groß. So seien die Buchstaben im Stil der 50er-Jahre extra hergestellt worden. Vor drei Jahren kam Groß zum Theater Bonn, schon da habe er die Idee für den neuen Namen gehabt. Die gehe zurück auf einen Tag vor 25 Jahren, als er als Fremder aus dem Godesberger Bahnhof getreten sei und nur ein Schild „Kleines Theater“ entdeckt habe. Es führte ihn zur falschen Vorstellung.

Zuschauerraum mit 480 Sitzplätzen

„Wer von auswärts kommt, sieht nicht, wo das Schauspiel ist“, sagt der 59-Jährige. Er wolle kein Understatement: Denn immerhin habe das Theater bei der Bühnentechnik eine Ober- und Untermaschinerie, im ansteigenden Zuschauerraum gebe es 480 Sitzplätze. Weil es früher als Kinosaal genutzt worden sei, gebe es zwei Portalbögen hintereinander, so dass dadurch eine Vorbühne zur Verfügung stehe.

Selbst wenn die Umbenennung mit Emotionen verbunden sei, sei sie für die Marke „Theater Bonn“ wichtig – auch wegen des Wegfalls der Halle Beuel, so Groß.

„Ich begrüße das sehr. Der Name ,Kammerspiele' wirkte immer etwas klein, obwohl hier doch oft große Sachen angeboten werden. Da klingt ,Schauspielhaus' doch treffender“, sagte Rüdiger Brauer vom Verein Bad Godesberg Stadtmarketing, der jeden Tag von seiner Heißen Hütte mit Würstchen und Crêpes aus auf das Theater schaut. Der Buchstabentausch hat komplett 6900 Euro gekostet.

Veränderungen im Foyer

Einher gehen Veränderungen im Foyer, die aus Kostengründen die eigene Theaterwerkstatt in die Hand genommen hat. In einer Art Ringtausch befindet sich die neue Bar nun an der ehemaligen Garderobe, die ist wiederum zur Foyerbühne gewandert. Letztere befindet sich nun dort, wo früher Getränke verkauft wurden.

An den Wänden hängen großformatig in Schwarzweiß die Gesichter der 21 Ensemblemitglieder, die an 14 Produktionen beteiligt sind. „Drei bis fünf Stücke haben die immer gleichzeitig drauf“, sagt Groß. Saisonpremiere ist nach dem Theaterfest am Freitag, 14. September, mit „Candide oder der Optimismus“, eine satirische Novelle von Voltaire (19.30 Uhr).

Das „Stadttheater“ war der erste Theaterneubau der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit. Die Eröffnung fand am 28. März 1952 mit der „Zauberflöte“ statt. Intendant Peter Eschberg schuf 1981 die „Kammerspiele“. Seit 2006 wurde immer wieder über eine Schließung diskutiert.

Groß denkt heute, dass das „wunderbare Haus“ auch in einigen Jahren noch stehen werde – auch weil man dort jetzt investiere. Das gelte auch angesichts der anstehenden Entscheidung, ob das Schauspiel in einen Neubau im Kurpark umziehen muss. Das würde dann aber sicher noch zehn Jahre dauern, vermutet Groß. Er habe seinen Job angenommen, „weil ich mich in dieses Theater verliebt habe“. Er rät, Dinge, die man hat, nicht leichtfertig aufzugeben.

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