Ausstellung

Villa Friede zeigt zarte Gespinste hinter stilisierten Objekten

Treten mit ihren Werken in einen künstlerischen Dialog: Samo Skoberne und Marian Bijlenga.

Treten mit ihren Werken in einen künstlerischen Dialog: Samo Skoberne und Marian Bijlenga.

Mehlem. Die beiden Künstler Samo Skoberne und Marian Bijlenga „tanzen“ in der Villa Friede einen Pas de deux der Künste. Gemeinsam stellen sie ihre Werke im Kunstraum der Villa Friede aus.

Der eine sägt einen Baumstamm auseinander, begradigt und stilisiert die Einzelteile und holt dadurch die ideale Form heraus. Die andere sammelt Rosshaare oder Fischschuppen, näht sie kunstvoll zusammen und verknüpft die kleinen Teile zu metergroßen Mustern, die auf der Wand zu schweben scheinen. Samo Skoberne und Marian Bijlenga, zwei Künstler, wie sie unterschiedlicher, zwei Verfahrensweisen, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Auf den ersten Blick. Doch bei genauerem Hinsehen ergeben sich auch Gemeinsamkeiten. Da ist das Material, das aus der Natur stammt. Und da ist die Bedeutung des Raums.

Die Niederländerin Bijlenga ziehe den Betrachter „in ein Vexierspiel“ hinein, erläutert Uta Friederike Miksche, Kuratorin der Ausstellung „Pas de deux“ im Kunstraum Villa Friede in Mehlem. Die zahllosen, subtil durch Angelschnur verbundenen Einzelteile umschließen „Leerräume“, die ihrerseits wieder eine Struktur ergeben. Die Textilkünstlerin selbst nennt japanische Kalligraphie als eine ihrer Inspirationen. Gleichzeitig werfen die Werke, die wie zarte Gespinste wirken, dezente Schatten auf die Wand.

Arbeitet Bijlenga mit Hunderten winziger Teile, genügt dem aus Slowenien stammenden, in Grafschaft wirkenden Samo Skoberne ein einziger Baum, um einen Raum der Ausstellung zu füllen. „Das war ein alter, kranker Kirschbaum aus meinem Garten“, sagt er. In der Villa Friede begegnet er als ausgehöhlte Rindenstücke oder als idealisierter Baum, der nun seine „Essenz“ zeigt, wie Skoberne sagt. Doch sind von ihm auch filigrane Objekte zu sehen. „Vibrationen“ etwa, die etwas Pflanzenartiges haben und deren Glieder um eine Symmetrieachse gedreht sind. Blickfang im oberen Raum ist das mehr als mannshohe „Kraftfeld“, bestehend aus acht geschwungenen, vegetativ wirkenden „Ästen“, die zugleich einer subtilen Geometrie gehorchen.

Diese beiden unterschiedlichen künstlerischen Konzepte kreisen in der Ausstellung umeinander, nähern sich, entfernen sich, tanzen also einen „Pas de deux“. Organisiert wird die Schau vom Verein „ArtDialog“, der seit nunmehr 15 Jahren Künstler aus Ost- und Westeuropa gemeinsam präsentiert. „In der Kunst begegnet man sich immer auf Augenhöhe“, erklärt Ludwig Dinkloh, Vorsitzender des Vereins, „unser Ziel ist es außerdem, ein europäisches Wir-Gefühl zu stärken.“ Längst arbeitet „ArtDialog“ schon am nächsten Projekt: „No man is an island“, mit Künstlern aus England, Polen und Deutschland. Und keine Ausstellung ohne Rahmenprogramm: Am Sonntag, 10. Dezember, gastiert der Jazzpianist Markus Schinkel.

„Pas de deux“ – noch bis zum 14. Januar im Kunstraum Villa Friede, Mainzer Straße 141-143. Öffnungszeiten: donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 16 Uhr. Mehr unter www.artdialog-bonn.de