20 Jahre nach Berlin-Umzug

Viele Ex-Botschaften in Bonn stehen leer und verfallen

Bad Godesberg. Auch fast 20 Jahre nach dem Umzug von Bonn nach Berlin stehen im früheren Diplomatenstadtbezirk noch viele Ex-Botschaften leer.

Die Demonstration von Aktivisten und die Besetzung der ehemaligen Iranischen Botschaft an der Godesberger Allee in der vergangenen Woche hat einmal mehr ein Thema zutage gefördert, das den früheren Diplomatenstadtbezirk auch fast 20 Jahre nach dem Umzug nach Berlin immer noch begleitet: der Leerstand ehemaliger Botschaften.

Im Falle der Islamischen Republik Iran hatte die Stadt bereits Tage vor der Besetzung den Fußweg vor der Botschaft wegen herabfallender Fassadenteile gesperrt. Dann stellte sich zwar heraus, dass von dem Gebäude derzeit keine akute Gefahr mehr für die öffentliche Sicherheit ausgeht. Fakt ist aber, dass die Ex-Botschaft sich in einem trostlosen Zustand befindet.

Offiziell heißt es seit Jahren, dass das Gebäude verkauft werden soll, was die Stadt Bonn bestätigt: „Kenntnisstand der Verwaltung ist weiterhin, dass der Eigentümer das Gebäude verkaufen will. Das hat der dafür zuständige Ansprechpartner in der Botschaft des Iran in Berlin jetzt noch einmal bestätigt“, so Markus Schmitz vom Presseamt. Dennoch halten sich in der Nachbarschaft rund um die ehemalige Vertretung hartnäckig Gerüchte, dass der Iran dort ein Generalkonsulat einrichten will. Auch die frühere Residenz der Iraner in Muffendorf an der Elliger Höhe steht weiterhin leer.

Verwaltung liegt Bauvoranfrage vor

Nur wenige Hundert Meter weiter südlich geht es auf dem früheren Gelände der Botschaft von Saudi-Arabien an der Godesberger Allee 40-42 voran. Nach dem Abriss des leer stehenden Gebäudes im vergangenen Jahr soll an der Stelle nun ein mehrgeschossiges Bürogebäude nebst Tiefgarage entstehen. Dafür liegt der Verwaltung eine Bauvoranfrage vor. Darin ist eine vier- bis fünfgeschossige Bebauung entlang der Godesberger Allee beabsichtigt, während rückwärtig dreigeschossige „Finger“ mit Staffelgeschossen geplant werden (der GA berichtete). Die Saudis hatten ihre Botschaft 2008 an einen Bonner Geschäftsmann verkauft. 2015 wechselte der Eigentümer erneut. Vor einem Jahr begann der Abriss.

Kaum Fortschritte gibt es hingegen in zwei besonders komplizierten Fällen: der früheren Botschaft von Syrien an der Rheinaue, Andreas-Hermes-Straße 5, und der Botschaft des ehemaligen Jugoslawien in Mehlem, Schlossallee 5. Im Falle Syriens erhielt die im vergangenen Jahr mit dem Verkauf betraute Bonner Immobilienfirma Limbach insgesamt neun Gebote, von denen knapp die Hälfte bei über drei Millionen Euro liegt, wie Limbach-Chef Wieland Münch bestätigt. Das Problem, so Münch: „Am Ende muss ein rechtssicherer Vertrag stehen.“

Vor dem Hintergrund internationaler Sanktionen gegen Syrien, muss das Geld aus dem Verkauf in Deutschland bleiben und für die Botschaft Syriens in Berlin verwendet werden, erklärte Münch. Das Bonner Gebäude ist innen orientalisch-prächtig ausgestattet und war – 1990 eingeweiht – der vorletzte Botschaftsneubau in der Stadt.

Gebote werden besichtigt

Im vergangenen Jahr erhielt die Immobilienfirma Engel & Völkers in Bonn den Auftrag der Nachfolgestaaten Jugoslawiens, die Ex-Botschaft nebst 5.400 Quadratmetern Grundstücksfläche zu verkaufen. „Mittlerweile wurden auch Besichtigungen durchgeführt“, teilt Dirk Dobat, Geschäftsführer bei Engel & Völkers Commercial, mit. „Die Gebote werden zurzeit gesammelt, wir befinden uns noch in einem laufenden Verfahren“, so Dobat. Ob das frühere Botschaftsgebäude dann abgerissen wird, sei völlig offen.

Neben den Ex-Vertretungen des Iran, Syriens und Jugoslawiens stehen auch noch die ehemaligen Vertretungen beziehungsweise Botschaftsresidenzen von Südafrika (Auf der Hostert 3), Ungarn (Turmstraße 30-34), Nigeria (Vulkanstraße 69), Kamerun (Plittersdorfer Straße 115), Somalia (Hohenzollernstraße 12), Nepal (Im Hag 15) und Algerien (Rheinallee 23-24) als diplomatische Altlasten herum und warten auf Abriss oder Sanierung.