Bewohner machen mobil

US-Siedlung in Plittersdorf soll Vorzeigeprojekt werden

Fußwege durchziehen die Grünflächen der Amerikanischen Siedlung. Der Verein RASP möchte hier wieder Treffpunkte schaffen.

Fußwege durchziehen die Grünflächen der Amerikanischen Siedlung. Der Verein RASP möchte hier wieder Treffpunkte schaffen.

Plittersdorf. Eine Arbeitsgruppe aus Bewohnern und Mitgliedern der Initiative „Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf“ (RASP) hat Ideen erarbeitet, wie das Quartier zu einem Vorzeigeprojekt für urbanes Wohnen werden kann.

Die Amerikanische Siedlung Plittersdorf als Mustersiedlung für Kommunikation und Nachhaltigkeit: In dieser Idee für die Zukunft steckt vieles, was die Erbauer schon 1951 eingeplant hatten. Viel Grün, öffentliche Freiräume und Treffpunkte gehörten zum Konzept, als die Siedlung für Mitarbeiter der US-amerikanischen Hochkommission errichtet wurde.

Eine Arbeitsgruppe aus Bewohnern und Mitgliedern der Initiative „Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf“ (RASP) hat ihre Ideen bereits der Wohnungsbaugesellschaft Vebowag vorgestellt, der große Teile der Siedlung gehören. „Wir möchten kein Museum daraus machen, sondern zeigen, wie wertvoll diese Art des Wohnens ist“, sagte Rolf Fischer von RASP.

Ein Anliegen der Initiatoren sind zum Beispiel die von den Amerikanern angelegten Kommunikations- und Begegnungsmöglichkeiten, die allerdings über die Jahre vernachlässigt worden seien. So zeigen Pläne des Parks, dass es dort Laubengänge und hölzernes Mobiliar gab, das zum Verweilen einlud. Zum Erhalt der denkmalgeschützten Siedlung gehört für die Bewohner deshalb auch, ihre typische Gartenstruktur mit Wegekreuzungen, Baumgruppen und öffentlichen Freiflächen zu bewahren.

Parkplätze in Abstellanlagen für Fahrräder geplant

„Neue Bewohner wundern sich oft, dass ihre Kinder hier überall auf den Wiesen spielen dürfen“, sagte Fischer. Ein Reaktivierung der Plätze könne auch die Kommunikation innerhalb der internationalen Nachbarschaft fördern, sagte Bewohner Klaus Roggenthin. „Es gibt viele Möglichkeiten, aus dieser Siedlung mehr zu machen“, findet auch Sebastian Kelbling. Er schätzt die Großzügigkeit der Wohnungen, die zugleich solide und überhaupt nicht protzig seien. Die Bewohner haben sich inzwischen Expertisen angeeignet, wenn es um Denkmalschutz und Grünkonzept geht. Für die Amerikanische Siedlung ist zum Beispiel der nordamerikanische Ahorn typisch, der nicht durch beliebige Nachpflanzungen ersetzt werden sollte, meinen sie. „Gerade das Potenzial der besonderen Gestaltung verkümmert“, so Kelbling.

Eine weitere Idee der Initiative ist, in Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde einzelne Parkplätze in Abstellanlagen für Fahrräder umzuwandeln, um den „Wildwuchs an Fahrrädern vor den denkmalgeschützten Häusern zu lindern“.

Die RASP-Initiative begleitet auch die Diskussion über Abriss und Neubau des Kindergartens in der Siedlung kritisch. „Wir verstehen uns nicht als Verhinderer von Entwicklung, aber dem kreativen Potenzial der Bewohner müsste mehr Raum gegeben werden“, findet Roggenthin.

Die Vebowag hat die Anregungen zur Kenntnis genommen. Laut Vorstand Michael Kleine-Hartlage will sie sich aber zunächst auf eine Lösung für den leer stehenden Kindergarten konzentrieren. „In dem Zusammenhang werden wir erheblich investieren. Dann schauen wir weiter“, so der Vebowag-Chef.