Nach zehn Jahren Leerstand

Syrien verkauft seine ehemalige Botschaft in Bonn

Bad Godesberg. Der kleine orientalische Palast, der von seiner inneren Pracht nach außen hin nur wenig verrät, war die mit Abstand exotischste Botschaft, die zu Hauptstadtzeiten am Rhein gebaut wurde.

Mit der Architektur und der aufwendigen Innengestaltung ihrer Botschaft an der Andreas-Hermes-Straße, schräg gegenüber dem Forschungszentrum Caesar, setzten sich die Syrer 1990 am Rande der Rheinaue ein Denkmal. „2003 war ich das erste Mal im Gebäude“, erzählt Wieland Münch, Geschäftsführer des Bonner Maklerhauses R. Dieter Limbach Immobilien. „Immer wieder habe ich versucht, den Auftrag zu bekommen. Erst im vergangenen Sommer haben sich dann die Kontakte zur Botschaft Syriens in Berlin intensiviert, im Mai haben wir grünes Licht vom Geschäftsträger der Botschaft Bashar Alassaed persönlich bekommen.“

Einbringen soll die Liegenschaft, die im Rahmen eines Bieterverfahrens in den nächsten zwei Monaten verkauft werden soll, mindestens 2,5 Millionen Euro. „Ein Betrag, der im Bereich des Marktwertes liegt“, so Münch. Immerhin gibt es trotz des langen Leerstands „keine großen Schäden“, sagt Münch. Die Botschaftsliegenschaft verfügt über ein rund 4000 Quadratmeter großes Grundstück und eine Nutzfläche von rund 3700 Quadratmetern.

40 Syrische Künstler arbeiteten an dem Bau

Neben den üblichen Verwaltungs-, Repräsentations- und Empfangsräumen sowie einer Tiefgarage hat das Gebäude auch einen Wellnessbereich, der dem Botschafter zusätzlich zu seinen Privaträumen vorbehalten war. Bauherr dieser Schöpfung war Seine Exzellenz Suleyman Haddad, der damals bereits neun Jahre lang als Botschafter in Bonn weilte. Erbaut wurde das Haus im Damazenerstil, wie es in der Ära der omaijadischen Kalifen Usus war, die von 661 bis 744 nach Christus in Syrien herrschten.

Für den Diplomaten aus dem Orient war das Gebäude „eine Verbeugung vor der Geschichte und Kultur seines Landes“, wie er damals öffentlich bekannte. Lichtdurchflutete Innenhöfe, kunstvoll gestaltete Marmorböden und reich verzierte Wand- und Deckenintarsien aus Holz ließen die Besucher das alte Damaskus entdecken. Jedes Detail kunstvolle Handarbeit, für die 1989/90 eigens 40 syrische Künstler nach Bonn kamen. Nach nur elfmonatiger Bauzeit eröffneten die Syrer ihre neue Botschaft – die alte befand sich bis dahin am Kurpark 2 im Bad Godesberger Zentrum – im Frühjahr 1990.

In den 1980er Jahren hatte die Stadt Bonn Pläne entwickelt, auf dem Gelände gegenüber der Rheinaue repräsentative „bundeshauptstädtische Institutionen“ unterzubringen. Im Schatten des Langen Eugen sollte hier das neue Bonner Botschafts- und Diplomatenviertel entstehen. Da die Botschaft sozusagen aus der syrischen Hauptstadt importiert worden war, ließ sich auch nachvollziehen, warum der Prachtbau „nur“ 14 Millionen Mark kostete.

Büros könnten an dieser Stelle entstehen

Die Bonner Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe freute sich am Dienstag über die Nachricht: „Die Stadt Bonn begrüßt ausdrücklich, dass das seit vielen Jahren ungenutzte Gebäude in einer so exponierten Lage einer dem Standort angemessenen neuen Nutzung zugeführt werden kann. Der Bonner Wirtschaftsförderung liegen mehrere Gesuche nach Immobilien von ansässigen Unternehmen und Institutionen vor, für die das Objekt von Interesse sein könnte.“

Der Bebauungsplan sieht an dieser Stelle Verwaltung und Büros vor, das Areal könnte sogar für medizinische Zwecke genutzt werden. Unter Denkmalschutz steht das Objekt nicht. „Theoretisch könnte es abgerissen werden“, so Münch. Möglicherweise wird es am Ende ein Projektentwickler erwerben, der das Grundstück neu bebauen wird. Fest steht für Münch: „Am Ende wird es wohl ein Profi erwerben.“