Vogelfreundin klagt

Streunen in Bad Godesberg zu viele Katzen herum?

Eine Katze mit einer erlegten Meise.

Eine Katze mit einer erlegten Meise.

Bad Godesberg. Susanne Paus verliert häufig die Jungvögel aus den Brutkästen in ihrem Garten. Sie klagt über die große Anzahl herumstreunender Katzen in Bad Godesberg.

Die Tage, wenn die jungen Meisen flügge werden, kündigen sich lautstark an. Das Gepiepse ist groß, wenn die Elterntiere ihre Jungen mit Futter aus dem Nest locken. Das bekommen auch die Katzen mit. Zu dritt hocken sie sich geduldig neben den Nistkasten unter einem Schuppendach an der Pionierstraße und „warten bis ihr Spielzeug kommt“, sagt Susanne Paus. Sie klagt über die vielen Hauskatzen, die regelmäßig im Viertel auf Beutezug gehen.

„Mittlerweile laufen regelmäßig zwölf verschiedene Katzen durch unseren kleinen Garten. Kohl- und Blaumeisen, die bei uns in Häusern brüten, haben seit fünf Jahren keinerlei Chance auf Nachwuchs“, sagt die Ärztin. Auch die Amselbrut in den Buchenhecken würden geplündert sowie die Vögel im nahe gelegenen Wald gejagt. Den Tieren macht Paus keinen Vorwurf: „Das ist angeborener Jagdinstinkt und normal.“ Es seien aber einfach viel zu viele Katzen unterwegs.

Tierschützer empfehlen Drahtbaumschlingen

In den vergangenen drei Jahren sind laut der Godesbergerin in der Gegend sieben Katzen hinzugekommen. Dazu gehöre auch ein unkastrierter Kater, „der alle Katzen erfreut“, obwohl er es wegen der Kastrationspflicht eigentlich gar nicht können dürfte. Paus hat regelmäßig ein Wasserglas zur Hand, um die Katzen zu verscheuchen. „Ich will ihnen ja nicht weh tun“, sagt die passionierte Hobbybiologin, die früher Wildvögel großgezogen und zum Auswildern in die Eifel gebracht hat. Sie kritisiert, dass das Tierheim die Überbevölkerung unterstützen würde, weil man dort gegen ein nicht artengerechtes Alleinhalten sei. Außerdem würde die Stadt nirgends die Chip- und Kastrationspflicht prüfen. Paus schlägt vor, dass man die Katzen nicht füttern soll und sie alle ermittelt, indem eine Katzengebühr, ähnlich der Hundesteuer, erhoben wird.

„Wir können als Tierschutzverein nicht beeinflussen, welche Menschen sich Katzen zulegen“, sagt Vorstandsmitglied Sabine Reuter, die sich beim Bonner Tierheim um Katzen kümmert. „Sicher vermitteln wir viele Pärchen, gerade wenn es sich um Jungkatzen handelt.“ Das Thema „Katzen gegen Vögel“ werde immer kritisiert. Dabei gibt sie zu bedenken, dass es vielen Menschen wohl nicht bewusst sei, „dass Elstern, Raben oder auch die lieblichen Eichhörnchen sehr gute Jäger sind und auch zu den Nestplünderern gehören“. Für die heimischen Gärten empfiehlt sie Vorrichtungen wie Drahtbaumschlingen, die verhindern, dass Katzen die Bäume hochklettern. Es gebe zudem etwa von Schwegler Bruthäuschen aus Beton mit einem kleinen Einflugloch. „Da kommt keine Katze zum Plündern rein.“

Stadt hat "keine vermehrten Hinweise"

Aber die warten dann halt auch, bis die Jungtiere nach draußen kommen. In diesem Jahr fand die Godesbergerin in ihrem Garten nur noch ein paar Federn von zwei Amseln, drei Kohlmeisen, einem erwachsenen Hausrotschwanz (die Jungen verlieren so ihr Elterntier) und einem Buchfinken. Mittlerweile hat sie ihren Garten vor und hinter dem Haus „wie Alcatraz“ eingezäunt und die Brutkästen mit Netzen abgesichert.

„Der Ordnungsbehörde der Stadt Bonn liegen keine vermehrten Hinweise auf frei herumlaufende Katzen vor“, teilt Markus Schmitz vom Presseamt der Verwaltung mit. Jährlich gebe es etwa drei bis fünf Hinweise auf Verstöße gegen die Kastrationspflicht. Daraufhin ermittele man die Halter, die dann bislang ihre Tiere auch immer kastriert hätten. „Grundsätzlich bestehen Schwierigkeiten bei der Überprüfung von freilaufenden Tieren im Stadtgebiet, da weder die Kennzeichnung per Mikrochip noch die Kastration ohne Einfangen und anschließende Untersuchung ersichtlich ist“, sagt Schmitz. Laut Auskunft des Umweltamtes könne im Zusammenhang mit Fundkatzen im Tierheim aktuell ein minimaler Rückgang verzeichnet werden.