Kriminalität im Stadtteil

Straftaten in Bad Godesberg gehen zurück

Bad Godesberg. Im ersten Halbjahr 2018 registriert die Bonner Polizei weniger Diebstähle und Einbrüche, aber mehr Körperverletzungen. Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stiegen in Bad Godesberg von 13 im Vorjahr auf 26 Fälle.

Über die Sicherheit in Bad Godesberg wollte Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa am Mittwochmorgen im Jahresgespräch bei Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke Auskunft geben. Gerade dieses Thema brenne den Bürgern im Stadtteil ja besonders auf den Nägeln, erklärte Stein-Lücke zum Auftakt. Zumal Bürger ihrem Gefühl nach einen Anstieg an Straftaten vermuteten.

Genau das konnte Brohl-Sowa mit Zahlen und Daten widerlegen. „Die Gesamtkriminalität ist in Bad Godesberg auch im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 um 13 Prozent und damit noch weiter als in den Vorjahren zurückgegangen“, sagte die Polizeipräsidentin. Bad Godesberg liege damit völlig im Durchschnitt vergleichbarer Städte und Stadtteile. Sie sei sehr zufrieden mit dieser Entwicklung. Mit Blick auf das Sicherheitsgefühl mancher Godesberger erklärte sie: Sie würde jederzeit auch ohne Bedenken abends im luftigen Kleid über den Theaterplatz gehen. „Ich hoffe, wir können mit unseren Zahlen weiteren Godesbergern ihre Ängste nehmen.“

Kein Tötungsdelikt, kein Verkehrstoter

Es sei im ersten Halbjahr 2018 kein Tötungsdelikt vorgefallen, es habe keinen Verkehrstoten zu beklagen gegeben, und die Personenschäden im Straßenverkehr seien in Godesberg im Vergleich auch deutlich geringer, führte Brohl-Sowa aus. Godesberg sei weiterhin ein Stadtteil mit Konsum leichter Drogen, aber ohne harte Drogen und ohne Dealerszene. Zudem liege auch im Jugendbereich keine Bandenbildung vor, ergänzte Ralf Rheidt, Leiter der Polizeiwache Bad Godesberg. „Wir treffen im Kurpark, an der Rheinallee oder auf dem Mehlemer Marktplatz lockere Grüppchen Jugendlicher an, die wir alle im Blick haben.“

Das inzwischen stark verjüngte Godesberger Polizeiteam erfülle auch zwei Jahre nach der tödlichen Attacke auf Niklas Pöhler an der Rheinallee sein Interventionskonzept, so Rheidt: Tagsüber zeige die Polizei Präsenz im Stadtbezirk, und ab dem späten Nachmittag überprüfe man bei Einsätzen Personen und Fahrzeuge. Rheidt sagte: „Im ersten Halbjahr war wieder alles unauffällig in Bad Godesberg.“

Beim Diebstahl habe es im Stadtbezirk im ersten Halbjahr 157 Fälle weniger als im Vorjahr gegeben, listete die Polizeipräsidentin weiter auf. Die Zahl der Wohnungseinbrüche wiederum habe sich seit der „Hochphase“ 2013 und 2014 in ganz Bonn Jahr für Jahr verringert und pendele sich für Godesberg auf dem gleichen Wert wie 2017 ein. Aber mehr als die Hälfte dieser gezählten Delikte seien dank intensiver Präventionsarbeit der Polizei solche, die erfolglos abgebrochen wurden.

Neue Rechtsprechung

„Wir sind also auch hier als Bürgerpolizei weiter auf die Mitarbeit der Godesberger angewiesen“, so Brohl-Sowa. Einen leichten Anstieg stelle sie für Godesberg nur in zwei Deliktbereichen fest: Einmal betreffe das Körperverletzungen, von denen im Vergleich 20 Fälle mehr ermittelt wurden. Sie stünden aber meist im Zusammenhang mit den gerade 2018 zahlreichen Großveranstaltungen in der Rheinaue, die zum Stadtbezirk zähle, so Brohl-Sowa. „Und das Wetter spielt sicher auch eine Rolle: Bei heißen Temperaturen erhitzen sich auch die Gemüter.“

Die Steigerung der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von 13 auf 26 Fälle in Bad Godesberg ist laut Polizeipräsidentin auf neue Rechtsprechung zurückzuführen. Der Tatbestand des Grapschens an Po und Busen werde neuerdings hinzugerechnet, und der mache einen Großteil der Fälle aus, so Brohl-Sowa.

Reichsbürger mit Waffen

Und inwieweit sind in Bad Godesberg extremistische Gruppen im Visier? Man beobachte – wie bundesweit auch – in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis ein Anwachsen von Salafisten und Reichsbürgern, antwortete die Polizeipräsidentin. „Wir haben, wie auch die Landesbehörden, beide Szenen gut im Blick. Wobei man plötzliche Einzelradikalisierungen natürlich nie ausschließen kann.“ In Bad Godesberg gebe es keinen höheren Salafistenanteil als in anderen Bonner Stadtbezirken, betonte die Polizeipräsidentin. Auch hier stimme die gefühlte Wahrnehmung einiger Bürger nicht mit den Zahlen überein.

Was die Reichsbürgerszene betreffe, so gehe man in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis von „einer niedrigen dreistelligen Zahl“ aus. Sobald diese Menschen, die sich gegen die Regeln des Staates wendeten, Waffen besäßen, werde man tätig. „Ja, wir haben schon hiesigen Reichsbürgern Waffen entzogen“, bestätigte Brohl-Sowa.