Fringe Ensemble in Bad Godesberg

Start des Mehr-Generationen-Projekts "Unheimlich"

Probe im Scheinwerferlicht: Das Ensemble von „Unheimlich“.

Das Ensemble von ,,Unheimlich".

Bad Godesberg. Das Bad Godesberger Fringe Ensemble widmet sich einem besonderen Mehr-Generationen-Theaterprojekt. Auf der Bühne stehen nur Laienschauspieler, die entweder unter 20 oder über 60 Jahre alt sind.

Auf dem Boden sitzt ein Mädchen und spricht einen Monolog ins Mikrofon, um sie herum und an ihr vorbei ziehen lautlos ältere Menschen. Die Szene ist Teil des Mehr-Generationen-Theaterprojekts „Unheimlich. Und irgendwann explodiert die Sonne“, das die beiden Mitglieder des Fringe Ensembles, Andreas Meidinger und Oleg Zhukov, initiiert haben.

Ausgehend von der Bewegung „Fridays for Future“, die derzeit die Welt und vor allem die Jugend bewegt, wollten sie in einem Projekt mit Laiendarstellern der Frage nachgehen, was jungen Menschen unter zwanzig und älteren Menschen über sechzig Jahren unheimlich ist. Was beschäftigt diese Generationen? Sind es dieselben Dinge, und wie gehen die verschiedenen Generationen mit der aktuellen Weltlage um?

„Wir fanden die Idee reizvoll, Jüngere und Ältere zusammenzubringen und dabei ganz bewusst die mittlere Altersspanne zwischen 20 und 59 auszuklammern. Bei der Alterskonstellation war dann schnell klar, dass das Thema Zukunft sein soll“, sagt Regisseur Andreas Meidinger. „Dass in der heutigen Gesellschaft die diversen Ängste stark zunehmen, ist ja auch bekannt“, ergänzt Zhukov.

Für ihr Projekt haben die beiden daher auch kein festes Stück gewählt und nur stellenweise Texte vorgeschrieben. Das meiste geht von den Darstellern aus, hat sich in den vergangenen vier Monaten der gemeinsamen Arbeit entwickelt und stammt aus Interviews, die Meidinger und Zhukov mit den Darstellern, aber diese auch miteinander geführt haben.

Was dabei herauskam, war auch für Meidinger eine neue und bereichernde Erfahrung: „Besonders interessant fand ich, dass die Generation der über Sechzigjährigen Angst vor dem Vergessen, dem Verschwinden hat, diese Angst jedoch schon integriert hat in den Alltag. Sie hat sich damit abgefunden. Die Jungen wehren sich vehement dagegen und finden sich nicht damit ab. Das in diesen Altersgruppen zu erleben – ohne die Mitte – war auch für mich sehr erkenntnisreich.“

Auch für die Darsteller eine ungewöhnliche Erfahrung

Die Art des Arbeitens war auch für die Darsteller eine ungewöhnliche Erfahrung. Ellen Redeker, die zu den Älteren gehört, tanzt sonst im Theater im Ballsaal in der Kompagnie Go.old. „Für mich war das aktuelle Thema sehr reizvoll, das natürlich auch Thema in der Familie und mit meinen Kindern ist. Aber hier arbeiten wir mit noch mal Jüngeren. Es ist eine sehr schöne Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt, und wir haben sehr schnell zusammengefunden. Mir gefällt vor allem die Verbindung von Sprechen und Tanzen sehr gut, das ist für mich etwas Besonderes.“

Tatsächlich erinnern manche Szenenbilder an Familienaufstellungen. Im ersten Teil ist die Performance von Bewegungen dominiert, alltägliche Bewegungen, die gerade auch bei den Älteren ein Thema waren.

Im Monolog von Sinja Schulze Messing, die zu den drei jungen Darstellern gehört, geht es vielmehr um Zukunftsträume und die Bewegung „Fridays for Future“, die als Event vielen wohl auch Spaß macht. Wichtig ist allen Beteiligten, dass die Performance unter der Produktionsleitung von Jennifer Merten auch das Publikum zum Austausch anregen soll. Eingeladen sind übrigens auch alle zwischen 21 und 59 Jahren.

Aufführungen sind am Samstag, 15. Juni, ab 20 Uhr sowie am Sonntag, 16. Juni , ab 18 Uhr. Ort ist das Hansa-Haus, Moltkestraße 41. Karten kosten 10, ermäßigt 6 Euro und sind über 02 28/9 62 94 90 und presse@fringe-ensemble.de zu haben.