Katholisches Dekanat Bad Godesberg

Soziale Arbeit bleibt der Schwerpunkt

Soll Verstärkung bekommen: Palliativschwester Claudia Reifenberg vor der Pfarrkirche Herz Jesu an der Beethovenallee.

BAD GODESBERG. Die soziale Arbeit soll auch in den kommenden Monaten den Schwerpunkt der Arbeit im katholischen Seelsorgebereich Bad Godesberg bilden. Das kündigt Bad Godesbergs Dechant Wolfgang Picken an.

So werde man die ambulante Palliativversorgung der daheim Sterbenden erweitern und die Unterstützung von Kindern mit Förderbedarf in den Kindertagesstätten weiter ausbauen. Nach den Erfahrungen von einem Jahr Soziallotsenpunkt in der Innenstadt zeige sich aber auch, wie vielfältig die Not vieler anderer Bürger sei: Wirtschaftliche Probleme, Arbeitslosigkeit sowie körperliche und seelische Erkrankungen ließen viele in Lebenssituationen geraten, aus denen nur noch schwer mit eigener Kraft herauszukommen sei.

Hinzu kämen Einsamkeit und soziale Angst. Um ihnen Hilfe anzubieten, hatte das Projekt Soziallotsenpunkt nach einer halbjährigen Vorbereitungszeit im Foyer des neuen Pfarrzentrums von Sankt Marien seine Türen geöffnet. Seitdem stehen zu täglichen Sprechzeiten ehrenamtliche Soziallotsen den Hilfesuchenden als Erstansprechpartner zur Verfügung und greifen dabei auf ein organisiertes Netzwerk von Hilfsorganisationen und sozialen Institutionen zurück. Nun soll es einen neuen Ausbildungskurs für ehrenamtliche Soziallotsen geben. Die Sprechzeiten sollen ausgebaut und perspektivisch weitere Soziallotsenpunkte im Stadtbezirk eröffnet werden.

Mit den Erfahrungen im Soziallotsenpunkt werde auch klar, dass die Not vieler Menschen in Bad Godesberg größer sei, als man angenommen habe. "Wir sind deshalb herausgefordert, uns Themen zu stellen, die wir vorher so nicht im Blick hatten", sagt Picken. Beispielsweise sei auffällig, dass eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen sich schwer damit tue, sich selbst zu verpflegen - sei es aus finanziellen oder anderen Gründen. Der Caritasausschuss des Godesberger Pfarrgemeinderates denke deshalb über die Gründung eines Mittagstisches nach.

In welcher Regelmäßigkeit ein solches Angebot auf die Beine gestellt werden könne, hänge davon ab, wie viele ehrenamtliche Helfer sich zur Unterstützung des Projektes bereitfinden werden. Auch müsse darüber nachgedacht werden, wie man das Essen organisiere. "Wir hoffen dabei auf die Unterstützung von großen Firmen und Institutionen, die in Godesberg ansässig sind und über eine eigene Kantine verfügen. Vielleicht wird es möglich, mit ihnen gemeinsam ein solches Hilfsangebot für den Stadtbezirk zu organisieren", sagt Picken.

Ein wichtiges soziales Thema für die kommenden Monate werde zudem die Flüchtlingshilfe bleiben. Nachdem der "Runde Tisch für Flüchtlingshilfe in Bad Godesberg" seit fast einem Jahr tätig sei, zeichne sich ab, wie groß hier der Hilfsbedarf sei. Katholische und evangelische Kirche hatten gemeinsam mit der Bezirksbürgermeisterin diese Initiative gestartet. "Perspektivisch ist uns allen klar, dass die Herausforderung durch die Flüchtlinge nicht kleiner werden wird", sagt Picken.

Es sei bemerkenswert, wie viele Organisationen und Akteure in Bad Godesberg professionelle Flüchtlingsarbeit leisten. So habe der "Runde Tisch" Gelder für zahlreiche Sprachkurse gesammelt, Ferienmaßnahmen für Flüchtlingskinder unterstützt, ehrenamtliche Helfer vermittelt und werbe gegenwärtig für privaten Wohnraum, in dem anerkannte Flüchtlinge als Mieter unterkommen können.