"Das Wohnzimmer Bad Godesbergs"

So steht es um die Zukunft der Stadthalle

Die Stadthalle Bad Godesberg: Wenn es nach den Gutachtern geht, soll sie zu einem Tagungszentrum ausgebaut werden.

Die Stadthalle Bad Godesberg: Wenn es nach den Gutachtern geht, soll sie zu einem Tagungszentrum ausgebaut werden.

Bad Godesberg. 2022 steht die Sanierung Bad Godesberger Stadthalle für geschätzte 25 Millionen Euro an. Von einem Abriss des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes redet mittlerweile niemand mehr.

Die Beratungsfirma Cima, die die Entwicklungschancen von 55 Veranstaltungsstätten in Bonn bewertet hat, rät in ihrem Gutachten zu einer Neuausrichtung der Bad Godesberger Stadthalle mit Ausbau des Tagungsbetriebs. Außerdem soll das Schauspielhaus am Theaterplatz instand gesetzt werden.

Und was sagt die Bad Godesberger Kommunalpolitik dazu? „Über der Stadthalle müssen sich unmittelbar nach dem Ablauf des Pachtvertrags im Jahr 2022 die Kräne drehen, damit das Wohnzimmer Bad Godesbergs nahtlos denkmalgerecht saniert und zeitnah wiedereröffnet wird“, fordert Philipp Lerch (CDU).

Das Cima-Gutachen unterstreiche nicht nur die Bedeutung der Halle, sondern auch die des Schauspielhauses, das sich zu einem „Kulturzentrum im weiteren Sinne“ entwickeln könne. Die CDU schlägt vor, in dem Zusammenhang die Straßenbahn-Haltestelle „Bahnhof Bad Godesberg“ in „Bahnhof Bad Godesberg – Schauspielhaus“ umzubenennen.

Über ein Konzept für die Stadthalle müssen laut Hillevi Burmester (SPD) alle Beteiligten diskutieren: Verwaltung, Politik, Bürger, mögliche Nutzer und „diejenigen, die im weiteren Sinne in ihrer Tätigkeit von dieser Ausrichtung betroffen sind“, sagt sie. Sie denkt, die Halle solle Kongressen, aber auch Vereinen und Gruppen einen Raum für ihre Veranstaltungen bieten – ähnlich wie jetzt. Auf Termine will sich die SPD noch nicht festlegen: „Lasst uns doch erst einmal den ersten Schritt machen“, sagt Burmester.

Halle für Vereine wichtig

Für die FDP ist „zunächst verhaltene Freude angesagt“. Die gutachterlichen Empfehlungen seien derzeit nicht Teil des anstehenden Beschlusses zum Veranstaltungsstättenkonzept, so Bezirksverordneter Wolfgang Heedt. Die gewonnene Zeit durch die Verlängerung des Pachtvertrags mit Monika und Thomas Weiermann solle für eine sorgfältige Erkundung der Bausubstanz und generalstabsmäßige Planung der Sanierung genutzt werden. Heedt will so Kostenexplosionen wie bei der Beethovenhalle vermeiden.

Die erneuerte Stadthalle soll „mit einem modernen Management an den Start gehen“, findet Monika Heinzel (Grüne). „Ein zeitgemäßer Tagungsbetrieb, aber auch ausreichende Versammlungsstätten für das rege Vereinsleben sollen die Grundlage der Neuausrichtung sein. Dabei sollte auch überlegt werden, ob die Stadthalle noch eine eigene Restaurantküche benötigt oder wie das WCCB von einem Caterer beliefert wird.“ Liegenschaftsverwaltung und Städtisches Gebäudemanagement (SGB) müssten nun detailliert planen, damit direkt 2022 mit dem Umbau begonnen werden könne. Heinzel hält die Instandsetzung des Schauspielhauses mit einer Interimsspielstätte für eine gute Lösung.

Die Halle sei für die Vereine eine wichtige Heimstatt, betont Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn (BBB). „Sie ist für den Stadtteil identitätsstiftend und deckt mit ihrem mittelpreisigen Angebot ein wichtiges Marktsegment in Bonn ab.“ Er möchte nicht, dass sie – wie vom Experten empfohlen – von der Bonn Conference Center Management GmbH weitergeführt wird. „Wir wollen nicht, dass die für Bad Godesberg wichtige Halle zum Anhängsel des WCCB wird und nennenswerte Veranstaltungen dort nur noch dann stattfinden, wenn in Bonn gerade Raumnot herrscht.“ Der Publikumsmagnet Schauspielhaus stellt aus BBB-Sicht „ein unverzichtbares Angebot für Kulturbegeisterte aus ganz Bonn und Umgebung dar“. Jürgen Repschläger (Linke) geht davon aus, „dass der Abriss der Stadthalle und die Idee eines Mehrspartenhauses vom Tisch sind“. Die Idee, das Schauspielhaus in der City für die Bürger und andere Formate auch tagsüber zu öffnen, sei reizvoll.