Schwelbrand legte Haushalte lahm

So erlebten Menschen in Bad Godesberg den Stromausfall

In einer Umspannanlage in Bad Godesberg hatte es gebrannt. Es kam zum Stromausfall.

In einer Umspannanlage in Bad Godesberg hatte es gebrannt. Es kam zum Stromausfall.

Bad Godesberg. Nach dem großflächigen Stromausfall, der am Sonntagabend 25.000 Haushalte in Bad Godesberg lahmlegte, betreibt BonnNetz weiter Fehleranalyse.

Das Corpus Delicti selbst präsentierte sich 16 Stunden nach dem Vorfall sehr unscheinbar. Nur das rot-weiße Flatterband am Gebäude und provisorisch angebrachte Sperrschilder mit Kontaminierungshinweis kündeten von den Ereignissen am Sonntagabend. In der Umspannanlage im Wendehammer der Riemenschneiderstraße in Hochkreuz gegen 18.30 Uhr einen Schwelbrand gegeben. Der daraus resultierende Stromausfall hatte, teils bis 22.35 Uhr, 25.000 Haushalte vor allem in Plittersdorf, Rüngsdorf, Hochkreuz und im Villenviertel lahmgelegt.

Ein wenig anders als geplant verlief deshalb auch der Abend für Gastronom Tawab Haider. Eigentlich hatte er mit Freunden in der Rolandstraße feiern wollen. Der besorgte Anruf eines Mitarbeiters ließ ihn in die „Rheinzeit“ an der Rheinallee zurückkehren. „Es lief nichts mehr, aber wir haben es in 30 Minuten geschafft, uns alles für das Abendgeschäft zu organisieren“, erzählte Haider am Montag. Die Köche bereiteten das Essen auf Holzkohle- und Gasgrill zu, die Gäste saßen bei Kerzenlicht, ein Notstromaggregat aus der Nachbarschaft versorgte die Kasse und eine Lampe in der Küche.

App "Nina" warnte wegen Stromausfall

Während das Oldschool-Ambiente, wie es Haider nennt, bei den Gästen gut ankam, regt er sich – wie viele andere Bürger – über fehlende Informationen auf. „Bei den Stadtwerken war niemand zu erreichen, Polizei und Feuerwehr wussten auch nicht Bescheid“, so der Gastronom. Pascal Köhn, Fachbereichsleiter Strom-Anlagenservice der SWB, beurteilte die Situation auf Anfrage anders: „Wir informieren unsere Pressestelle erst, wenn wir die Lage kennen.“ 90 Prozent aller Vorfälle seien nämlich schnell geklärt. Michael Henseler von der Pressestelle sagte, er habe zunächst Medienanfragen, darunter auch des General-Anzeigers, bedient und um 19.15 Uhr eine Pressemitteilung auf die Unternehmenshomepage gestellt. Daneben habe es eine Ansage über die Störstelle gegeben.

Um 20.30 Uhr habe die Bonner Feuerwehr eine Warnung über die App Nina herausgegeben, um 1.28 Uhr sei die Entwarnung gekommen, sagte Irina Driesner vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz. „Zu welchen Ereignissen und bei welchem Ausmaß konkret über das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS) und die App gewarnt wird, obliegt der Entscheidung der Länder beziehungsweise der Kommunen und deren Leitstellen der Feuerwehr oder der Polizei“, teilte Driesner zu den Zuständigkeiten mit.

Stromausfall war "außergewöhnliche Störung"

Als „außergewöhnliche Störung“ stufte Köhn das Ereignis ein: „Aber nach dem Kurzschluss im Netz, der zu einer Folgestörung im Umspannwerk geführt hat, haben alle Schutzmechanismen funktioniert.“ BonnNetz setze die Fehleranalyse fort, momentan dürfe das Gebäude wegen der Verrauchung nur eingeschränkt betreten werden. „Wir haben noch am Abend selbst Teile des Umspannwerkes wieder ans Netz genommen“, so der Fachbereichsleiter. Der noch ausgefallene Bereich werde durch Einspeisepunkte an der Weststraße und in Mehlem versorgt.

Mit dem Stromausfall in Bad Godesberg vom 24. Juni , der vor allem Friesdorf und Plittersdorf betraf, hat das neuerliche Ereignis laut SWB nichts zu tun. „Es ist ein anderes Netzgebiet, an der Weststraße war beim Tiefbau ein Mittelspannungskabel getroffen worden“, sagte Köhn. Während in diesem Fall schon klar sei, dass es sich um ein Verschulden Dritter handele, sei die Haftungsfrage diesmal noch unklar.


(Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR.)

Schaden durch Stromausfall gut dokumentieren

Wer durch den Stromausfall einen Schaden erlitten hat, sollte diesen gut dokumentieren, rät Christian Ponzel vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft aus Berlin. Für Privatleute sei in so einem Fall grundsätzlich die Hausratversicherung zuständig. „Ob Betroffene aber tatsächlich Geld von der Versicherung bekommen, hängt vom Vertrag ab. Denn im Basisschutz ist Stromausfall kein versichertes Risiko“, so Ponzel.

Auf Facebook dürfte Roland Karbach der Schnellste gewesen sein, der auf den Stromausfall aufmerksam machte. Auf seine Frage, ob es weitere Betroffene gebe, erhielt er in der Gruppe „Du kommst aus Bad Godesberg, wenn ...“ binnen kürzester Zeit 60 Kommentare. Darunter den einer besorgten Mutter, die Milch für ihr Baby erhitzen musste. Ein Hilfsangebot konnte sie dann doch ablehnen: „Wir haben uns mit Teelichtern und 'nem Stövchen beholfen."

 

Laut Markus Schmitz vom Presseamt der Stadt Bonn riefen 60 Bürger wegen des Stromausfalls bei der Feuerwehr an. Zudem habe es einen Einsatz gegeben, der mit dem Stromausfall in Verbindung stehen könnte. „In der U-Bahnstation Stadthalle haben mehrere Personen in einem Aufzug festgesteckt“, so Schmitz. Diese seien von der Feuerwehr befreit worden.

Auch im Juli 2018 waren viele Haushalte in Bad Godesberg von der Stromversorgung abgeschnitten. Einen weiteren Stromausfall gab es im November, und im Oktober waren mehrere Straßen in Plittersdorf betroffen.