Festakt auf der Godesburg

Sigfridia feiert 25 Jahre deutsche Einheit

Rittersaal der Godesburg statt Wartburg: In diesem Jahr feierte die Burschenschaft Sigfridia erstmals in Bonn. FOTO: RONALD FRIESE

Rittersaal der Godesburg statt Wartburg: In diesem Jahr feierte die Burschenschaft Sigfridia erstmals in Bonn.

BAD GODESBERG. Der Festakt der katholischen deutschen Burschenschaft Sigfridia fand nach 20 Jahren erstmals nicht auf der Wartburg, sondern im Rittersaal der Godesburg statt.

Zu den traditionellen "Wartburggesprächen" waren zum Tag der Deutschen Einheit Redner aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kirche geladen. Die politischen, wirtschaftlichen und ethischen Aspekte der Wiedervereinigung standen bei den Vorträgen im Vordergrund.

Das diesjährige Motto war "Verantwortung für Deutschland, Europa und die Welt", das die Burschenschaft Sigfridia, die seit über 100 Jahren besteht, zu leben versucht. "Wir bekennen uns zum christlichen Glauben, zur aktiven Ökumene. Wir setzen uns für unser Land, unsere Gesellschaft, unser Grundgesetz und für die in ihm enthaltenen Menschenrechte ein", sagte Philistersenior Stephan Kern in seiner Eröffnungsrede.

Die Flüchtlingssituation sei derzeit humanistisch und christlich herausfordernd, die Mitglieder der Burschenschaft strengten sich an, "als Christen zu helfen, wo dies möglich und wo es nötig ist", so Kern. Die Burschenschaft Sigfridia lehne Gedanken, Worte und Handlungen ab, die dem christlichen Menschenbild widersprechen.

Es waren viele Bundesbrüder anwesend, auch aus Erfurt und Eisenach. Der Umzug von der Wartburg zur Godesburg wurde thematisiert und an die besondere Verbundenheit zur Wartburg erinnert, nicht nur für die Burschenschaft, sondern auch in Bezug auf Martin Luther und die Heilige Elisabeth von Thüringen.

Die Verlagerung der Gespräche nach Bonn zeige, dass die Stadt "wie kaum eine andere in Deutschland verbunden ist mit allen politischen Prozessen rund um die deutsche Einheit", sagte Kern. In Bad Godesberg sei lange Zeit Politik für Völkerverständigung gemacht und gelebt worden.

Dem Leitwort der diesjährigen Deutschen Bischofskonferenz "Nächstenliebe ist unser Auftrag aus dem Evangelium" schließt sich die Burschenschaft Sigfridia an. Bürgermeister Reinhard Limbach, der Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch vertrat, sagte in seiner Rede: "Der Bruderschaft Sigfridia gelingt es, Traditionen zu wahren und neu umzusetzen, ohne ihren Werten und Prinzipien untreu zu werden."

Das Programm, das mit einem Gottesdienst im Bonner Münster begonnen hatte, wurde von drei Festvorträgen abgerundet. Es sprachen der ehemalige Rektor der Universität Jena, Professor Klaus Dicke, der Geschäftsführende Direktor des Ifo Instituts Dresden, Professor Joachim Ragnitz, und Professor Hermann Schäfer, erster Präsident der Stiftung Haus der Geschichte.