Sicher mit dem Rollator unterwegs

27.10.2011 BAD GODESBERG. Cornelia Brodesser führt vor, wie man beinahe eine Bruchlandung mit dem Rollator hingelegt. "Was habe ich falsch gemacht?", fragt die Beraterin der Bonner Verkehrswacht in die Runde. 20 Bewohner des Evangelischen Seniorenzentrums Haus am Redoutenpark haben sich an diesem Nachmittag zum Bewegungstraining um die Expertin versammelt.

"Sie haben die Bremse nicht eingesetzt", bringt eine Dame Brodessers Fehler auf den Punkt. Der Rollator, die fahrbare Gehhilfe mit vier Rädern und einer Ablage, die bei Senioren für mehr Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit sorgt, steht für mehrere Kurseinheiten im Mittelpunkt. Alle Teilnehmer haben ihr Exemplar startbereit vor sich stehen.

"Ja, die Bremse habe ich nicht gedrückt. Aber ich bin auch schon völlig falsch mit dem Rollator gegangen", erklärt Brodesser. Zum Amüsement der Bewohner imitiert sie jetzt nochmals den falschen, den Schubkarrengang. "Nein, wir müssen den Rollator nah an uns dranhalten. Wir müssen aufrecht an ihm gehen. Dann rutschen wir auch nicht weg."

In der Runde wird genickt. Gleich wollen alle selbst probieren. Zuvor werden ihre Geräte aber noch von dem Mitarbeiter eines Sanitätshauses individuell eingestellt. Das Justieren steckt im Kursangebot der Begegnungsstätte mit drin. Jedes zweite Modell passe nicht richtig zum Nutzer, sagen Statistiken.

"Sie wollen aber doch auch noch abends rausgehen können, zur Bar. Da muss alles am Rollator stimmen", scherzt Begegnungsstätten-Leiterin Cornelia Nicolaus. Schon in der Dämmerung würde sie mit der Gehhilfe doch gar nicht gesehen, wirft eine Frau ein. "Das muss nicht sein", gibt Fachfrau Brodesser zurück.

Sie demonstriert, wie der Fahrer sich in Dunkelheit schützt. Sie rate in der dunklen Jahreszeit zu hellen Tüchern, weißen Handtaschen, Schals, Mützen und Handschuhen. Außerdem kann man an der Kleidung Reflexbändern und kleinen Blinklichter anbringen. Die Senioren staunen, mit welch einfachen Tricks man bis auf 150 Meter gesehen werden kann.

Schließlich kommen die Senioren zum Üben in den Kreis. Cornelia Brodesser hat kleine Stufen als Hindernisse aufgebaut. "Arbeiten Sie mehr mit der Bremse", fordert die Übungsleiterin bei den schon fortgeschrittenen Teilnehmern. Anderen rät sie: "Einen Schritt zurück und noch einmal ansetzen."

Mit dem Rollator übt Brodesser in einer anderen Kurseinheit draußen auch das Ein- und Aussteigen in Busse und Bahnen. Einige Senioren sind erst mal verschreckt, wollen sich das nicht mehr zutrauen. Andere schieben mit ihrem Rollator im Übungsraum schon weiter Probe. Und eine alte Dame sagt: "Ich freue mich drauf."

 

Tipps für Rollator-Fahrer (Ebba Hagenberg-Miliu)

  • Die Handtasche gehört nicht an den Rollator gebunden und nicht ins Körbchen gelegt, sondern über die Schulter gehängt. Das Portemonnaie sicher an Körper tragen, nicht in den Korb legen.
  • Die Griffe müssen immer frei bleiben. Deshalb sollte auch der Schirm nicht am Rollator hängen.
  • Wer eine Bordsteinkante überwinden möchte, sollte erst bremsen, dann das Gerät leicht anheben und möglichst über eine abgesenkte Stelle gleiten. Den Frontalaufprall mit den Vorderrädern unbedingt vermeiden. Jetzt die Bremse lösen und den Rollator nach vorne über die Bordsteinkante schieben.
  • Über Türschwellen und anderen niedrigen Hindernissen fährt man am besten etwas schräg versetzt.
  • Der Korb verträgt nur eine Füllmenge von fünf Kilogramm. Deshalb besser öfter kleinere Mengen einkaufen.