Nach Schließung des Kurfürstenbades

Schwimmunterricht geht baden

Schwimmen lernen: Was früher in den Schulen eine Selbstverständlichkeit war, ist heute mit immer mehr Fragezeichen versehen.

Schwimmen lernen: Was früher in den Schulen eine Selbstverständlichkeit war, ist heute mit immer mehr Fragezeichen versehen.

BAD GODESBERG. Nach Schließung des Kurfürstenbades sind für einige Bad Godesberger Schulen die von der Stadt angebotenen Alternativen nicht realisierbar. Sie haben den Schwimmunterricht vorerst aus dem Stundenplan gestrichen.

Von der Schließung des Kurfürstenbades sind 13 Bad Godesberger Schulen betroffen. Der Schwimmunterricht findet seitdem in anderen Bädern statt – oder auch gar nicht. Das hat zur Folge, dass die Schüler weniger Zeit im Wasser verbringen.

Denn die Alternativangebote der Stadt wurden aus verschiedenen Gründen nicht von allen angenommen. Umfasste der Schwimmunterricht der betroffenen Schulen laut Stadt im Kurfürstenbad früher 22,5 Wochenstunden, kommen die Schulen heute auf 14,5. Das sind immerhin acht Stunden weniger.

100-prozentig kompensiert wird der Ausfall also nicht. Das klang in einem Interview in der vergangenen Woche mit der Stadt noch ganz anders. Dort hatte Sportdezernent Martin Schumacher noch gesagt: „Früher hatten die öffentlichen Schulen 72,5 Wochenstunden im Kurfürstenbad, jetzt woanders 73 Stunden.“ Ein falsche Aussage, wie sich jetzt herausstellte.

Die Verwaltung räumte das am Montag ein. Die Diskrepanz ergebe sich daraus, „dass den im Interview genannten Wochenstunden die Schulschwimmzeiten aller Bad Godesberger Schulen zugrunde liegen und nicht nur diejenigen Schulen, die bis Mai 2016 das Kurfürstenbad genutzt haben“.

Einige Schulen nutzen das Alternativangebot

Sieben Schulen nutzen laut Stadt derzeit die Alternativangebote: Die Elisabeth-Selbert-Gesamtschule nutzt wöchentlich 3,5 Stunden das Frankenbad, dort schwimmen auch die Schüler der Paul-Klee- (vier Stunden), der Beethoven- (1,5 Stunden) und der Siebengebirgsschule (eine Stunde). Diese fahren übrigens auch für eine Stunde pro Woche ins Wachtberger Hallenbad. Außerdem sind drei Schulen im Schwimmbad des Konrad-Adenauer-Gymnasiums untergekommen: GGS Heiderhof (1,5 Stunden), Lyngsberg- und Burgschule (jeweils eine Stunde).

Andere nicht

Clara-Fey-Gymnasium, Otto-Kühne-Schule, Aloisiuskolleg (Ako), Hebo, Johannes-Rau-Schule und Gertrud-Bäumer-Realschule nutzen laut Stadt kein alternatives Hallenbad. „Die freien Belegungszeiten der jeweiligen Schwimmbahnen und -becken konnten nicht immer mit den Stundenplänen der Schulen koordiniert werden“, so die Stadt. Doch wie stehen die betroffenen Schulen dazu, dass derzeit kein Schwimmunterricht erteilt wird?

Ako: Die Alternativangebote der Stadt seien nicht realisierbar, sagt Schulleiter Manfred Sieburg. Die Bäder seien schlecht erreichbar, die Schwimmzeit reduziere sich erheblich. „Wir machen uns große Sorgen um die rückläufige Schwimmfähigkeit unserer Schüler – und das schon seit Jahren. Immer häufiger beobachten wir, dass Kinder nach der Grundschulzeit nicht voll schwimmfähig sind.“ Deshalb sei es umso wichtiger, dass alle Schulen einen Zugang zu einem Schwimmbad erhielten. Die Friesdorfer Traglufthalle wäre fürs Ako möglicherweise eine Alternative, je nachdem, welche Zeiten zur Verfügung stünden. Und der geplante Neubau? „Wir müssen schauen, wie viel an effektiver Schwimmzeit übrig bliebe.“ Das Wachtberger Bad hingegen sei eine interessante Möglichkeit.

Clara-Fey-Gymnasium: Bernhard Boch, stellvertretender Schulleiter, erklärt, man habe die Alternativangebote sorgfältig geprüft. „Entweder waren sie in der zur Verfügung stehenden Zeit aber nicht zu erreichen, oder sie waren von der Kapazität her nicht ausreichend. Deshalb mussten wir das Schwimmen aus dem Plan nehmen.“ Zur Traglufthalle müsste man einen Fahrdienst vom Träger Erzbistum anfragen. Mit dem Neubau käme man aber wie mit dem Wachtberger Bad wohl nicht klar. Die Fahrzeit wäre zu lang. In der Praxis käme bei einer Doppelstunde weniger als eine halbe Stunde im Wasser heraus. „Sollte die Bädersituation für uns keine Lösung bieten, würden wir versuchen, das Schwimmen als AG anzubieten.“

Hebo: Lehrer Volker Klein erklärt, dass man entgegen der Angaben der Verwaltung sehr wohl die alternative Halle der Bodelschwinghschule nutze. Von daher wäre eine dortige Traglufthalle keine Verschlechterung. Schwerer täte man sich, nach Dottendorf zu fahren. „Bevor wir aber gar keine Möglichkeit mehr hätten, würden wir auch das versuchen.“ Das Wachtberger Bad sei definitiv zu schlecht zu erreichen.

Otto-Kühne-Schule: Leiter Willi Mirgartz bedauert, dass mit der Schließung des Kurfürstenbads jeglicher Schwimmunterricht enden musste. „Denn Zeiten für verfügbare Lehrschwimmbecken in anderen städtischen Bädern passten nicht mit unseren Stundenplänen überein.“ Die reinen „Wasserzeiten“ wären auf unter 30 Minuten verkürzt worden. Dies gelte auch für die geplante Traglufthalle und erst recht für einen Neubau in Dottendorf. „Und die Kosten für die Anmietung eines Schulbusses verbleiben bei einer Ersatzschule wie unserer zunächst beim Schulträger.“ Seine Sportfachkonferenz überlege, wie die schulische Aufgabe überhaupt noch ohne regelmäßigen Schwimmunterricht erreicht werden könne.

Johannes-Rau-Schule und Gertrud-Bäumer-Realschule: Fragen zu den städtischen Schulen werden vom Presseamt beantwortet Die Alternativangebote ließen sich für die Gertrud-Bäumer-Realschule laut Andrea Schulte nicht mit dem Stundenplan koordinieren. Von der Johannes-Rau-Schule habe es keine Rückmeldung zu den Gründen gegeben. Man rechne damit, dass zum neuen Schuljahr mehr Alternativangebote angenommen werden würden, da die Stundenpläne noch nicht feststünden und mit Rücksicht auf die Zeiten gestaltet werden könnten. Freie Kapazitäten in anderen Bädern gebe es auf jeden Fall noch.