Zeichen des Friedens in Bonn

Schweigen gegen den Terror

14.01.2015 Bad Godesberg. Ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern der islamistischen Terroranschläge von Paris und für ein friedfertiges Miteinander der Kulturen und Religionen haben am Mittwoch auch in Bonn zahlreiche Menschen gesetzt.

In Bad Godesberg reihten sich am Abend einige tausend Menschen mit ihren Kerzen auf der etwa 850 Meter langen Strecke von der katholischen Marienkirche und der Al-Ansar-Moschee aneinander. Dort wurde es um 20 Uhr totenstill, kaum dass die Ordner das Zeichen für den Beginn der Schweigeminuten gegeben hatten.

 "Wir haben die Geschehnisse mit einer Mischung aus Trauer, Wut und Unverständnis verfolgt. Sofern diese Taten pauschal dem Islam zugeschoben werden, trifft und ärgert uns das sehr. Aber wir sehen es auch als Gelegenheit, ein klares Zeichen auszusenden. Ich stehe auch in Kontakt zu anderen Moscheevereinen und habe noch niemanden getroffen, der das anders sieht", sagte Mohammed Haddouti vom marokkanischen Kulturverein als dem Träger der Moschee.

Wichtig seien Menschen, die im Dialog der Religionen und Kulturen eine "Scharnierfunktion" einzunehmen bereit seien. "Aber von diesen", so Haddouti, "gibt es noch immer zu wenige." Neben weiteren islamischen Einrichtungen hatten auch die christlichen Kirchen und die Bonner Synagogengemeinde zur Beteiligung an dem Friedenssymbol aufgerufen. "Wir gedenken heute nicht nur der Opfer von Paris, sondern aller Opfer von Terror in der Welt", sagte Bad Godesbergs Dechant Wolfgang Picken.

Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke betonte: "Wir sind eine so internationale Stadt. Wer, wenn nicht wir, kann ein Zeichen für die Toleranz setzen?" Besonders lobte Stein-Lücke, dass "alle dabei sind". Gemeint waren damit nicht nur Christen, Muslime und Juden, sondern auch Unternehmen, Verbände und Vereine. So waren innerhalb der Menschenkette beispielsweise auch Mitglieder von Sport- und Karnevalsvereinen erkennbar. "Auch wir beobachten natürlich die Integrationsdebatte in Bad Godesberg und möchten zumindest unseren Teil dazu beitragen, dass Integration gelingt", sagte beispielsweise Katharina von der Kall von der Karnevalsgesellschaft Fidele Burggrafen.

Fünf Minuten herrschte auf den beiden Straßen im Zentrum von Bad Godesberg annähernd vollkommene Stille, bis das Geläut der Marienkirche die Aktion beendete. Um 20.20 Uhr stimmten alle Godesberger Kirchenglocken in das Geläut ein. Während sich danach ein Teil der Menschenmenge verlief, fanden sich zahlreiche Teilnehmer anschließend in der Marienkirche ein, wo Kantor Joachim Sarwas meditative Orgelmusik spielte. Nach dem Eindruck, den man vor Ort von der Veranstaltung gewinnen konnte, beteiligten sich etwa 2.000 Menschen an der Aktion. Der Veranstalter und die Polizei sprachen im Nachgang von etwa 8.000 Teilnehmern.

In Bonn, genauer in der evangelischen Lukaskirche, nahmen am frühen Abend gut 150 Gläubige der evangelischen und katholischen Kirche sowie der jüdischen und muslimischen Gemeinden, darunter Margaret Traub, Vorsitzende der Synagogengemeinde, Mahmoud Kharrat, Vorsitzender der Al-Muhajirin-Moschee an der Brühler Straße und Mehmet Aksar von der Ditib-Moschee am Hochstadenring am interreligiösen Friedensgebet teil. Es war eine Veranstaltung der leisen Töne, begleitet von Orgelmusik und Gebeten, die die Geistlichen der verschiedenen Religionsgemeinschaften mit den Menschen in der in helles Kerzenlicht getauchten Kirche sprechen. "Wir haben die Einladung dankbar angenommen und grenzen uns ab von den Leuten, die im Namen unserer Religion solche furchtbare Taten verüben", sagte Mehmet Aksar.

Auch der Gastgeber ergriff das Wort: "Wir stehen hier zusammen als Menschen, die an den einen Gott glauben, der die Gewalt ablehnt", sagte Pfarrer Michael Schäfer. Er nannte auch Ursachen für diese Entwicklung: Es seien Armut und Perspektivlosigkeit, die vor allem junge Menschen zu Gewalttätern werden lassen. "Wir können zum Beispiel in unserer Jugendarbeit Vorbilder für sie sein", sagte er.

Schäfer warnte davor, gerade im Jugend- und Schulbereich zu sparen und erinnerte an die vielen sozialen Probleme im Einzugsbereich seiner Gemeinde. "Allein in den offenen Ganztagsschulen haben wir eine Warteliste mit mehr als 100 Kindern. Dabei benötigen viele von ihnen so dringend einen Platz", sagte er. Schäfer weiter: "Der gesellschaftliche Zusammenhalt kann nur gesichert werden durch Rücksicht, Solidarität, Akzeptanz und gegenseitigen Respekt".

Im Anschluss bewegte sich die Schar zu Fuß mit Kerzen in der Hand zur Ditib-Moschee am Hochstadenring, wo sie mit warmen Tee und Gebäck empfangen wurde. Viele von ihnen setzten zum ersten Mal einen Fuß in den Gemeinderaum. Eyup Akman vom Moscheevorstand begrüßte die vielen Gäste, für die noch eiligst zusätzlich Bänke aufgestellt wurden. "Der Dialog ist der Weg, den wir gehen müssen", sagte er, "nur so können wir den Menschen, die solche Taten verüben, den Wind aus den Segeln nehmen." (Lisa Inhoffen, Rüdiger Franz und Katrin Puvogel)