Amos-Comenius-Gymnasium

Schulaktion zum Reformationsjubiläum in Bad Godesberg

Bei der Vorbereitung des Jubiläumsfestes bemalen Schüler eine große Luther-Büste mit Kontrastfarben.

Bei der Vorbereitung des Jubiläumsfestes bemalen Schüler eine große Luther-Büste mit Kontrastfarben.

Bad Godesberg. Das Amos-Comenius-Gymnasium hat sich mit Aktionen und Diskussionen auf das Reformationsjubiläum vorbereitet. Der GA wollte dabei erfahren, was die Schüler über Martin Luther denken und wie sie Reformation heute erleben.

„Jugendliche sind von Natur aus kleine Reformatoren, also Luthers, Melanchtons oder Bucers“, sagt der evangelische Pfarrer Jan Gruzlak. Widerspruch einzulegen, Ideale zu leben, das wünschten sie doch auch für sich selbst. „Ich sehe eine ungebremste Aktualität von Reformation für Jugendliche. Das muss nur richtig vermittelt werden“, meint Gruzlak. Er ist mit seiner Johannes-Kirchengemeinde, dem Pädagogisch-Theologischen Institut (PTI) und dem Amos-Comenius-Gymnasium (ACG), beides Einrichtungen der Evangelischen Landeskirche, Veranstalter eines Jubiläumstags am ACG.

Der beginnt mit einem Gottesdienst in der Johanneskirche und soll zu „geistigen und materiellen Ergebnissen“ führen. „Lust am Thema entsteht ohnehin, denn Jugendliche merken, dass es da vor 500 Jahren Personen gab, die sich von keinen Autoritäten einschüchtern ließen“, meint Gruzlak und freut sich mit allen Referenten auf 270 springlebendige Teilnehmer.

An Bonns einzigem evangelischen Gymnasium ist im laufenden Reformationsjahr schon einiges an Aktionen und Diskussionen gelaufen. Dabei bemalten die Schüler eine große Luther-Büste deutlich mit Kontrastfarben. Und in einer Installation setzten sie eine Schaufensterpuppe in Pfarrerskleidung in ein Ruderboot: Richtung ungewiss. Man müsse wie damals heute Dinge neu denken, also Gottes Schöpfung bewahren und Konsequenzen aus dem Klimawandel ziehen, meinen Schüler ganz konkret. Und sie fordern, Konsequenzen zu ziehen, etwa nur Fairtrade-Kleidung zu kaufen und damit die Hungerlohn-Fabrikarbeit in armen Ländern zu drosseln. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass das Leid in anderen Ländern immer mehr auch auf uns zukommen wird“, meint ein Mädchen aus einer Einwandererfamilie.

„Reformation ist für mich auch das Wissen, dass jede Religion oder Glaubensrichtung gleichwertig ist“, betont ein Junge. „Und auch ich muss bereit sein, mir selbst neue Ziele zu stellen“, sagt ein anderer. Die Evangelische Kirche sollte über Reformen für sich selbst nachdenken, fordert ein Mädchen. Langweilige Gottesdienste müssten passé sein. Natürlich müssten einige Dinge in Deutschland reformiert werden, aber das sei Aufgabe des Staates, gibt ein Schüler zu bedenken. Es gebe auch hierzulande zu viele Hilfsbedürftige, betonen andere. „Und für die sollte sich die Kirche stärker einsetzen.“

Und dann kommen auch Gedanken zutage, die die Veranstalter wohl nicht so gerne hören werden: Für viele Jugendliche habe Religion doch nur noch historischen Wert, argumentiert ein Junge. „Ich wurde getauft und dann konfirmiert. Aber brauchen wir die Religion?“ Was eine Klassenkameradin mit einer anderen Perspektive kontert. Sie finde, Reformation passiere doch laufend, weil Menschen und Konstellationen sich veränderten, weil nichts still stehe. „Auch in meiner Familie wurde alles reformiert: als nämlich mein kleiner Bruder geboren wurde.“