Musiker verlieren ihre Probenräume

Schluss für die Klangstation in Bad Godesberg

Bad Godesberg. Die Bahn verlängert den Mietvertrag für das Musikzentrum Klangstation nicht und will den Brandschutz überprüfen. Die dort probenden Bands müssen bis Samstag die Räume besenrein übergeben.

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Die Deutsche Bahn will den Pachtvertrag für die Klangstation und die Probenräume auf den beiden Geschossen darüber nicht verlängern. Einige der Musiker dort hatten noch gehofft, dass es weitergeht. Doch jetzt steht fest: Die Räume müssen am Samstag besenrein verlassen sein.

„Wir stehen mit unseren Sachen auf der Straße“, sagt Holger Drosdek, der mit zwei Musikern als Taiko AG Bonn/Rhein–Sieg regelmäßig im Bahnhof probt. Dabei handelt es sich um japanisches Trommeln – ein körperbetonter Sport mit Musik und Rhythmus, der auch viel Platz braucht. Nicht nur die Übungsgruppe muss nun zusehen, wo sie und ihre riesigen Trommeln unterkommen.

Die Blütezeit der Gaststätte im Godesberger Bahnhof mit regelmäßigen Auftritten ist längst vorbei. Auch Cyrus Valentine, der Geschäftsführer von „Das Musiknetzwerk“, hat die Räume für Konzerte des Wettbewerbs Toys2Masters schon längst nicht mehr eingeplant, da das Auslaufen des Zehn-Jahres-Pachtvertrags mit Jochen Becker-Grüll seit zwei Jahren bekannt sei.

Toys2Masters nicht auf Raum angewiesen

Man sei nicht mehr auf die Klangstation angewiesen, die Konzerte würden ab kommenden Jahr in den früheren Räumen der Circusschule Don Mehloni stattfinden, so Valentine. „Es bricht nicht unbedingt ein Stück Kultur weg, vielleicht aber Tradition“, sagt er zum Ende der Klangstation. Drosdek hat nun einen offenen Brief an die Bahn geschickt, in dem die Musiker gegen das Aus für die 15 Proben- und Unterrichtsräume protestieren. Die nutzen unter anderem ein Saxophon- und ein Cellolehrer, die Rockin‘ Romeos und Sombrero Skulls. Laut Drosdek ist die Überprüfung des Brandschutzes Grund für den Auszug. Er bittet die Bahn, den vielleicht im laufenden Betrieb zu erneuern.

„Alle Mieter wurden vor Monaten fristgemäß informiert, und die Untermietverhältnisse wurden vorsorglich gekündigt“, teilt Becker-Grüll mit. Um die Probenräume am Leben zu halten, habe er der DB angeboten, dass er für die Obergeschosse einen Nachmieter stellen könne oder sie zur Not auch selbst weiter mieten würde. Die Bahn könne sein schriftliches Angebot dazu aber „bis zur abschließenden brandschutztechnischen Prüfung“ mit dem Wunsch, die Mietbereiche zu trennen, nicht annehmen. Die Bahn werde nun entscheiden, ob sie in Zukunft wieder Probenräume ermöglichen kann. So räumen einige Bands mittlerweile schon aus und verladen die zum Teil sperrigen Instrumente in Lastwagen.

„Einige haben über das Musiknetzwerk Räume woanders in der Stadt gefunden, etwa in Beuel“, sagt Valentine. Er sei in Verhandlung mit der Bahn, um die Proberäume wieder nutzen zu können. „Man kann sich sicherlich Hoffnung machen“, meint er.

Die Bahn recherchiert noch und konnte bis Montagabend noch keine Antworten zu den Wünschen im offenen Brief geben.