Amerikanische Siedlung

Sanierung oder Neubau des Kindergartens in Plittersdorf

Plittersdorf. Die Bürgerinitiative „Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf“ hat über die Pläne für das denkmalgeschützte Kindergartengebäude in der Siedlung diskutiert. Marc Dittmann von der Vebowag stellte Varianten für ein mögliches neues Gebäude vor.

Eine verblasste Sonne lächelt dem Betrachter des Kindergartengebäudes in der Plittersdorfer Amerikanischen Siedlung von einem der Fenster entgegen. Die Hüpfkästchen auf dem Boden des Außengeländes sind kaum noch zu erkennen, die Spielgeräte marode. Das Bauwerk mit seiner Holzverkleidung und den markanten Fensterpartien, denkmalgeschützt wie die ganze Siedlung, ist dem Zahn der Zeit ausgeliefert – noch. Geht es nach der Vereinigten Wohnungsbau Gesellschaft (Vebowag) wird es abgerissen und neu gebaut. Am Freitag stellte Marc Dittmann von der Vebowag bei der Jahresabschluss-Veranstaltung der Bürgerinitiative „Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf“ (R.A.S.P.) Varianten für ein neues Gebäude vor.

Zu der Veranstaltung im Raum unter der Stimson Memorial Chapel war auch ein Anwohner gekommen, der von seiner Wohnung aus auf den Kindergarten schaut. Sein Fazit am Tag danach: Er war verwundert, und zwar darüber, dass das eigentlich zentrale Thema, der Denkmalschutz, mangels Experten nicht diskutiert werden konnte. Zur Versammlung waren neben Vebowag-Vertretern auch einige Kommunalpolitiker gekommen sowie Sabine Lukas vom Jugendamt, aber niemand von der Unteren Denkmalbehörde. Laut dem R.A.S.P.-Vorsitzenden Rolf Fischer, weil man auf inoffiziellen, also nichtstädtischen Veranstaltungen keine Stellung beziehen wolle oder dürfe.

So wurden Fragesteller zu diesem Thema immer wieder vertröstet. Diskutiert wurden die Neubauvarianten, von denen zwei – ein futuristischer „Magic Carpet“ mit Glasdach und Staffelgeschoss für fünf Kindergruppen, und Variante vier, ein viergruppiges Gebäude, das an die alte Baustruktur angelehnt ist – von der Stadt eine Baugenehmigung erhalten würden. Anwohner sorgten sich um den angrenzenden Spielplatz, der solle durch einen Neubau nicht beeinträchtigt werden.

Bedarf für Kindergarten fragwürdig

Alleine Bewohner Constantin Herbert mahnte, dass Denkmalschutz keine Option, sondern eine Verpflichtung sei, und las aus einer Mail des Landschaftsverbandes Rheinland vor, dass dieser mit dem Thema noch nicht abgeschlossen habe, was die Kita angeht. Politiker von CDU, SPD, FDP und Grünen betonten, dass ihnen der Denkmalschutz wichtig sei, schienen sich aber mit Abriss und Neubau in diesem Fall abgefunden zu haben. Sie favorisierten Variante vier. Einzig Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn wollte sich da nicht festlegen.

Es seien ja auch andere Nutzungsmöglichkeiten denkbar, sagte er. Etwa eine Offene Ganztagsbetreuung, für die der Grundschule in der Donatusstraße die Räumlichkeiten fehlen, oder auch ein Ortsteilzentrum. Im Neubaukomplex an der Ludwig-Erhard-Allee gegenüber dem Forschungszentrum Caesar könne doch auch ein größerer Kindergarten eingeplant werden. Von Lukas, die sich ebenfalls für Variante vier aussprach, wollte Schmitt Bedarfszahlen für die Siedlung erfahren, die einen neuen Kindergarten rechtfertigen würden. Die Jugendamt-Vertreterin betonte, dass Bedarf bestehe, hatte aber keine Zahlen parat.

Die hätten auch den Anwohner interessiert. Schmitt verwies auf die private Kita an der Bonn International School, auf die ohnehin viele der Kinder aus der Siedlung geschickt würden – auch der vor zweieinhalb Jahren geschlossene Kindergarten in der Siedlung war privat.

Und nur ein Stück weiter die Kennedyallee entlang gebe es ebenfalls eine Einrichtung, unter Trägerschaft der Gemeinnützigen Evangelischen Gesellschaft für Kind, Jugendliche und Familie. Braucht man zwischen diesen beiden überhaupt einen weiteren Kindergarten? Er würde sich stattdessen einen Rückbau zur Struktur von 1951 wünschen: Das Bauwerk wurde schon einmal verändert, ihm gefiel das ursprüngliche aber besser.