Aufzüge funktionieren nicht

Sanierung des Bahnhofs in Bad Godesberg nimmt kein Ende

Derzeit wird in der Schalterhalle gearbeitet. Bahnkunden müssen ihre Fahrräder wohl noch bis September die Treppen hinab tragen.

Derzeit wird in der Schalterhalle gearbeitet. Bahnkunden müssen ihre Fahrräder wohl noch bis September die Treppen hinab tragen.

Bas Godesberg. Die Aufzüge am Godesberger Bahnhof funktionieren immer noch nicht. Die Sanierung dauert mittlerweile mehr als drei Jahre, eigentlich sollte Ende 2016 schon alles fertig sein.

Die Verzögerungen bei der Sanierung des Bad Godesberger Bahnhofs nehmen kein Ende. Ende 2016 sollte eigentlich alles fertig sein, doch der Termin wurde immer wieder verschoben. Meist blieb die Deutsche Bahn (DB) eine konkrete Begründung dafür schuldig. So sind bis heute die schon seit Monaten eingebauten Aufzüge nicht in Betrieb, in der Schalterhalle steht jetzt ein Gerüst. Das Problem: Solange die Bahn noch arbeitet, kann die Stadt nicht mit dem Umbau und der Verschönerung des Ria-Maternus-Platzes beginnen.

Immer wieder melden sich entnervte Fahrgäste beim General-Anzeiger und beklagen, dass Gehbehinderte und Familien mit Kinderwagen im Bahnhof andere um Hilfe bitten müssen, um die Treppen zu überwinden. Wie berichtet, meidet eine Mehlemerin den Ausstieg ganz, weil sie mit ihrem Rollator alleine nicht die Stufen hinauf- oder hinunterkommt. Nun ist die DB zuversichtlich, dass die Barrierefreiheit bald hergestellt ist. Der erste Aufzug soll noch im Juni in Betrieb gehen.

Andere Leser wünschen sich, dass Kommunalpolitiker mehr Druck auf die die Bahn ausüben. Darauf angesprochen, überlegen einige, wie es am Bahnhof weitergehen kann. Es sei nicht nachvollziehbar, dass sich die Sanierung des Bahnhofs um zwei Jahre verzögert, sagt Philipp Lerch (CDU) und findet das Ganze mysteriös.

„Dass die Arbeiten inzwischen deutlich länger als die Errichtung des komplett neuen Haltepunktes UN-Campus dauern, ist kaum vermittelbar. Die DB AG muss endlich mit offenen Karten spielen“, fordert er. Hillevi Burmester (SPD) denkt vor allem an alle, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder schwer zu tragen haben: „Es ist eine Missachtung, die die Bahn ihren Kunden entgegenbringt“, sagt sie. Sie hat alle Fraktionen informiert, um einen gemeinsamen Brief an die Bahn zu verfassen, in dem die Politiker ihren Unmut äußern und Erklärungen verlangen.

„Ich finde es auch sehr ärgerlich, dass die Restarbeiten in der Endrunde der Sanierung nicht abgeschlossen werden“, sagt Monika Heinzel. Parteifreund und Ratsherr Rolf Beu erklärt, dass er sich Anfang Mai an den zuständigen Bahnhofsmanager in Köln gewandt habe, woraufhin nun wenigstens die Schalterhalle eingerüstet sei. Doch er schränkt ein: Kein Bürger und kein Kommunalpolitiker hätten Druckmittel auf die Bahn. „Oftmalige Beschwerden können dort leider auch das Gegenteil bewirken“, sagt Beu.

Baucontainer der DB im Weg

„In Zeiten, in denen Hochhäuser mit Hochleistungsaufzügen gebaut werden, ist es nicht akzeptabel, dass es die Bahn nicht hinbekommt, eine etablierte Technik für die Überwindung von nur einer Ebene ans Laufen zu bringen“, meint Wolfgang Heedt (FDP). Von einem „beklagenswerten Zustand“ spricht Marcel Schmitt (Bürger Bund Bonn). In seinen Augen üben der Oberbürgermeister und die Bonner Ratsherren im Zweckverband Nahverkehr Rheinland zu wenig Druck auf die Bahn aus. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine so unvollständige Sanierung vor über einem Jahr freigegeben wurde, ohne dass offenkundige Mängel behoben wurden“, meint Ralf Jochen Ehresmann (Linke).

Die Stadt scharrt seit Frühjahr mit dem Hufen, um den Bahnhofsvorplatz samt Fläche um den Pavillon vom Verein Stadtmarketing Bad Godesberg zu verschönern, und will laut Stefanie Zießnitz vom Presseamt nun voraussichtlich Ende September damit beginnen – Bauzeit ein halbes Jahr. Man sei dabei vom Abschluss der DB-Arbeiten abhängig, da deren Baucontainer im Weg stünden.

Abnahmeprozess am Aufzug zu Gleis 1

Auf Nachfrage geht ein Bahnsprecher erstmals ins Detail: Für den Aufzug in der Schalterhalle müssten die Stadtwerke Bonn noch an der Stromversorgung arbeiten, was bis Ende September dauern werde. Wenig später solle der Lift funktionieren. Am Aufzug zu Gleis 1 laufe derzeit der Abnahmeprozess. Er und der andere Fahrstuhl zum Bahnsteig sollen im Juni in Betrieb genommen werden.

„Abnahmen erfolgen in mehreren Schritten und mit unterschiedlichen Beteiligten und können daher in einzelnen Fällen auch längere Zeit in Anspruch nehmen“, erklärt der Sprecher. Erster in der Reihe sei der Hersteller, danach kämen Tüv und dann die Bahn selbst.

Zwischenzeitlich musste der Hersteller am Lift Gleis 1 Teile austauschen, „was dazu führt, dass der gesamte Abnahmeprozess neu terminiert und abgestimmt werden muss“, so der Sprecher. „Wir wissen, dass die Barrierefreiheit für Fahrgäste und Besucher sehr wichtig ist, und entschuldigen uns für die Verzögerungen.“ Die Eingangshalle werde derzeit in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde saniert. Im Zuge dessen werde auch eine neue Automatiktür eingebaut und die Treppe zum Empfangsgebäude mit einem Geländer ausgestattet. Auch das dauere bis Herbst.