Godesburg

Sanierung dauert wegen Wetterkapriolen länger

Steinmetz Klaus Schillalis bei der Arbeit: Neu (links) und Alt sind gut zu unterscheiden.

Bad Godesberg. Strenger Frost, wochenlanger Dauerregen und Tropenhitze - dieses ausgewogene Witterungsspektrum durften die Handwerker erleben, die seit neun Monaten das Wahrzeichen Bad Godesbergs aufmöbeln.

Nun, da die Bedingungen zum Arbeiten endlich einmal als ideal bezeichnet werden können, biegt die Sanierung des Bergfrieds der Godesburg auf die Zielgerade ein. Eine gute Gelegenheit für Vertreter der Stadtverwaltung, sich ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten zu machen.

Begrüßt werden Friedhelm Brücken, Willi Schmidt und Helga Erwe, alle Vertreter des Städtischen Gebäudemanagements (SGB), auf der Baustelle von Fachplaner Thomas Lehmkuhl, der ihnen nach einem Dreivierteljahr auf der Burg manche Anekdote zu berichten hat - wie das bei einem Altbau eben so ist.

Anschaulich schildert Lehmkuhl etwa, wie sinnvoll offenbar das Schutznetz gewesen ist, das über Jahre um den Turm gespannt war, um Besucher vor herabfallenden Steinen zu schützen: Rund 600 Kilo Zementplomben und Gestein, so Lehmkuhl, hätten sich insgesamt abgelöst, als das Gitternetz peu à peu abgenommen worden sei.

Den Zementergänzungen aus den 1980er Jahren galt zunächst das Augenmerk der Steinmetze. Sie wurden ausnahmslos entfernt, nicht zuletzt weil Zement als Befestigung für darunterliegenden Tuffstein heutzutage als nicht mehr fachgerecht gilt: "Von innen nach außen sollte das Material weicher werden, hier war es genau andersherum", erklärt Lehmkuhl.

In einem zweiten Schritt untersuchten die Steinmetze der Kölner Firma Schwieren jeden Tuffziegel einzeln auf seine Beschaffenheit. Weil die Turmmauer eine Gesamtfläche von 1158 Quadratmetern aufweist, dauerte das einige Zeit. "Manche Steine waren nur äußerlich intakt, vielfach war der Untergrund porös", erzählt Lehmkuhl.

Die Steine wurden entsprechend markiert und über ihr weiteres "Schicksal" in vielen Einzelfallentscheidungen beraten. "In einigen Fällen konnten wir die Steine kleben und mit speziellen Glasfaserkabeln sichern", sagt Lehmkuhl. Wo jedoch der Untergrund bröckelte, mussten teilweise ganze Flächen über mehrere Quadratmeter durch neue Steine ersetzt werden. Insgesamt bestehen nun 300 Quadratmeter, also knapp ein Viertel des Bergfrieds, aus neuen Außenziegeln.

Überrascht sind die Fachleute darüber, wie sich die Schäden am Turm verteilen. Wer nämlich dachte, die gewöhnlich am härtesten von der Witterung betroffene Ost- oder die Nordseite seien besonders schadhaft gewesen, liegt falsch. "Auch das liegt an der Besonderheit des Tuffsteins", erklärt Lehmkuhl.

Dieser könne mit dem "physischen Stress" durch den Wechsel von Nässe, Sonne und Kälte schlechter umgehen als andere Gesteinsarten. Deshalb waren es an der Godesburg die West- und die Südseite, an der es besonders viel auszubessern gab. Wegen der teilweise strengen Witterung wird sich die Sanierung weitere drei Monate noch bis Weihnachten hinziehen. Gute Nachricht für alle Bonner: Der Kostenrahmen von 1,2 Millionen Euro kann weitgehend gehalten werden.