Ausschreitungen in Bonn

Salafisten beschäftigen Justiz

5. Mai in Lannesdorf: Erst fliegen Steine, dann sticht ein 25-Jähriger auf zwei Polizisten ein. Beamte stellen den Messerstecher.

BONN. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen von Salafisten gegen Polizisten während der Pro-NRW-Demo am 5. Mai in Lannesdorf rollt auf Bonns Gerichte eine Prozesslawine zu: Die erste Anklage ist nach GA-Informationen fertig gestellt und wird gegen den 25-jährigen gebürtigen Türken erhoben, der drei Polizeibeamte mit dem Messer attackierte und zwei schwer verletzte.

Gegen ihn wurde damals Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen. Angeklagt aber wird er nun nur wegen gefährlicher Körperverletzung.

Wie die Anklagebehörde auf Anfrage bestätigte, wurde dieser Fall von der Abteilung für Tötungsdelikte abgegeben an die Kollegen, die auch alle anderen Verfahren gegen die damals agierenden Salafisten bearbeiten. Nach GA-Informationen reichten die Beweise gegen den 25-Jährigen angeblich nicht aus, um ihm einen direkten oder bedingten Tötungsvorsatz vorzuwerfen.

Der Mann hatte, so hieß es damals aus Polizeikreisen, mit dem Messer gezielt auf die ungeschützten Oberschenkel der Beamten eingestochen und dort auch Schnitte angesetzt.

Die 30-jährige Beamtin ist laut Polizeisprecherin Daniela Lindemann wieder im Dienst, ihr 35-jähriger Kollege, noch nicht wieder einsatzfähig, "befindet sich aber auf dem Weg der Genesung". Sowohl diese beiden Beamten als auch andere durch die Attacken seelisch belastete Kollegen seien von Fachleuten betreut worden.

Und nach wie vor, so Lindemann, arbeite eine speziell ausgebildete Truppe an der Nachbereitung des Einsatzes, um mögliche Fehler zu erkennen und bei künftigen Einsätzen zu vermeiden. Nach dem 5. Mai war von Seiten der Polizisten massive Kritik an der Einsatzleitung geübt worden.

Mittlerweile hat die Polizei auch umfangreiches Videomaterial von den Ereignissen gesichtet, und bei der Staatsanwaltschaft gehen immer mehr Verfahren gegen die Salafisten ein. Wie viele es bisher sind und insgesamt werden, konnte Behördensprecherin Vanessa Weber am Mittwoch nicht sagen.

"Wie viele es sind, ist noch nicht abzusehen", erklärte Weber. "Am Anfang war die Rede von über 100 Verfahren." Sie weiß nur soviel: "Es ist auf jeden Fall eine Vielzahl von Verfahren, und eine ganze Abteilung der Staatsanwaltschaft wird sie bearbeiten."