Kiosks in Bad Godesberg

Rheinkilometer 648 mit Biss

Die Kundschaft von Stephan Dolff kommt aus allen Ecken. Meist handelt es sich um Gäste, die am Rhein unterwegs sind.

BAD GODESBERG. Stephan Dolff hat einen besonderen Arbeitsplatz. An 365 Tagen im Jahr schaut der 33-Jährige auf Vater Rhein und den Petersberg. Von der Ladentheke in seinem Kiosk mit dem knackigen Namen "Rheinbiss" genießt er seit vier Jahren den formidablen Blick aufs Wasser, auf die Fähre von Godesberg nach Niederdollendorf und die andere Rheinseite.

"Ab hier fängt der Rhein erst richtig an, schön zu werden", sagt Dolff, der Teil eines Familienbetriebs ist, der Kioske betreibt. Da wäre zum einen Schwiegervater Klaus Dolff, der in der Rheinaue am Langen Eugen einen Kiosk hat. Bevor Stephan Dolff vor vier Jahren den Laden vor der Bastei am Von-Sandt-Ufer übernahm, hatte Schwiegermutter Rita mehr als 20 Jahre lang dort das Sagen.

Vor zwei Jahren eröffnete Ehefrau Jasmin in Remagen-Kripp an der Fähre, auf Rheinkilometer 629, einen weiteren Kiosk. Die Rheinkilometer sind die eigentlichen Namensgeber für die drei Kioske der Familie Dolff: "Rheinbiss Rheinkilometer 652" (der Bonner), "Rheinbiss Rheinkilometer 648" (der Godesberger) und "Rheinbiss Rheinkilometer 629" (der Remagener).

Bereits wenige Jahre nach dem Krieg stand an der Stelle in Godesberg eine kleine Wartehalle für Busse. Es folgten Kiosk, Trinkhalle und Imbiss - sozusagen zu Adenauers Zeiten, als der Alte mit seinem Mercedes die Fähre von Niederdollendorf nach Godesberg nahm. Selige Zeiten.

Vor 21 Jahren hatte Familie Dolff von Familie Knauf den Kiosk übernommen, der der Stadt gehört. Die kleine Terrasse mit drei Tischen wurde komplett verklinkert und ergänzt seither die Bude, die täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist - "mindestens", wie der freundliche Pächter sagt. "Denn im Sommer bleibt der Laden auch oft bis 9 oder 10 Uhr geöffnet, da bin ich flexibel."

Seit Anfang des Jahres betreibt Familie Dolff auch noch einen mobilen Kiosk, den "Rolling Rheinbiss". Eingeweiht wurde er im Karneval zur Rathauserstürmung in Godesberg. Wenn Stephan Dolff mal mobil unterwegs ist oder etwas anderes zu tun hat, unterstützt ihn seine Mutter im Büdchen.

Die Kundschaft ist so bunt wie das pralle Leben am Rhein. Neben Generationen von Päda- und Heboschülern, die dort schon immer gerne "auf ne Pommes" vorbeischauen, sind es heute vor allem die Touristen, Freizeitsuchenden, Radfahrer und Sportler. Vor allem der Radtourismus "hat wirklich stark zugenommen. Und das sind nicht nur Menschen, die von Bonn nach Godesberg fahren, sondern schon mal auf dem Weg von Duisburg nach Budapest bei mir Station machen", sagt Dolff.

Außerdem "viele Holländer, die in Mehlem oder Rolandswerth den Campingplatz ansteuern". Heute konzentriere sich das Hauptgeschäft eher aufs Wochenende. "Als die Diplomaten und Botschaftsangestellten noch da waren, war hier eigentlich ständig viel los."

Torsten Schulz kennt den Kiosk seit Jahren und kommt immer mal wieder mit Hund Elvis auf ein Bierchen vorbei. "Elvis bekommt hier immer frisches Wasser angeboten, und hin und wieder fällt auch mal ein Brötchen oder ne Wurst ab - sehr hundefreundlich hier", sagt der Rüngsdorfer. "Was mir auch sehr gefällt, ist die Tatsache, dass man sehr schnell mit Gästen ins Gespräch kommt. Durch alle Generationen durch. Sehr angenehmes Publikum hier."

Er und Stammgast Frank Bungarz genießen den traumhaften Blick auf das Siebengebirge. "Da ich drüben auf der anderen Rheinseite wohne, kann ich von hier sozusagen nach Hause schauen", sagt Bungarz. Natürlich gibt es immer wieder Ereignisse, die das Geschäft richtig zum Brummen bringen. Rhein in Flammen und die vielen Gruppen, die dort die Schiffe besteigen, gehören dazu. Für Dolff gibt es bislang keinen Grund zu klagen, noch nicht einmal, wenn es ums Hochwasser geht.

Beim Jahrhunderthochwasser Mitte der 90er Jahre stand der Kiosk fast komplett unter Wasser. "In diesem Jahr hatten wir viel Glück. Im Vorjahr waren es 30 Zentimeter, da mussten wir zweimal komplett den Laden räumen. Aber was soll's, wir erfreuen uns 360 Tage im Jahr am Wasser, dann ist es nicht so schlimm, wenn zwei- oder dreimal das Hochwasser zuschlägt", sagt Dolff. Ein echter Rheinländer eben.