GA-Interview

Rheinhotel Dreesen und Villa Godesberg in einer Hand

Den runden Geburtstag feiert Friederike Sträter in diesem Monat noch in ihrem Hotel Villa Godesberg. Dann übernimmt Olaf Dreesen den Betrieb des Hauses an der Mirbachstraße. Mit den beiden Hoteliers sprach Bettina Köhl.

In Bonn werden zurzeit mehrere neue Hotels geplant oder gebaut. Wie gehen Sie als Hoteliers mit dieser neuen Konkurrenzsituation um?

Olaf Dreesen: Nach so vielen Jahrzehnten in der Hotellerie und Gastronomie hat sich bisher immer bewahrheitet, dass die Konkurrenz belebt und man sie keinesfalls scheuen, sondern optimistisch und selbstbewusst an die Sache ran gehen sollte. Ich denke, dass insgesamt das Produkt, die Qualität und die Einzigartigkeit enorm wichtig sind. Wenn Sie auf ihr Produkt aufpassen und es pflegen, dann werden Sie auch Gäste behalten. Wir wollen Motel One oder Prizeotel nicht kopieren, sondern bewusst auf das eigene Konzept setzen.

Frau Sträter, was war denn Ihr Konzept, als Sie vor zehn Jahren angetreten sind?

Friederike Sträter: Ich habe mich ganz bewusst dazu entschieden, dass es ein Boutiquehotel sein soll. Was damals dazu geführt hat, dass viele fragten: Gibt es auch eine Boutique? Der Begriff kommt aus dem Amerikanischen, als Unterschied zu den Hotelketten. Es ist immer das individuelle, eigentümergeführte, kleine, feine und dem Gast zugewandte Hotel.

Was war Ihnen bei der Gestaltung der alten Villa wichtig?

Sträter: Als ich das ehemalige Hotel Patrizia übernommen habe, war es in einem sehr düsteren Zustand. Ich habe immer gewusst, dieses Haus hat eine ganz tolle Seele. Und die Seele wieder rauszuarbeiten, war mir wichtig, Licht reinzubringen und die schönen alten Elemente wieder hervorzuholen, kombiniert mit modernem Interieur.

Das Rheinhotel Dreesen ist ja auch so ein Haus mit Seele, das schon seit Generationen im Familienbesitz ist. Wie passen diese beiden Standorte jetzt zusammen?

Dreesen: Sie sind in ihrer jeweiligen Nische absolut einzigartig in der Stadt, beide sehr gut in Schuss, liegen unmittelbar nebeneinander und lassen sich aus einer Hand bestens führen und platzieren. Der Gast kann wählen zwischen einem kleinen Boutiquehotel in Villenlage und dem Rheinhotel in unmittelbarer Nähe zum Fluss.

Wird die Hotelküche hier auch bei Veranstaltungen auftischen?

Dreesen: Natürlich. Der Tagungsraum der Villa Godesberg, die „Bel Etage“, ist ein wichtiger Bestandteil unseres Konzeptes und die Küche für die Tagungsbetreuung wird aus dem Rheinhotel kommen.

Sträter: Das machen wir heute schon. In dem Moment, als wir uns einig waren, habe ich gesagt, es ist sinnvoll, dass die Mitarbeiter frühzeitig zusammenarbeiten.

Werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach dem Verkauf im Hotel Villa Godesberg bleiben?

Dreesen: Ja, jeder Einzelne.

Was war für Sie, Frau Sträter, der Grund, das Ganze nach zehn Jahren abzugeben?

Sträter: Einmal der runde Geburtstag und die Tatsache, dass ich keinen gewachsenen Nachfolger in der Familie habe. Mir ist es wichtig, dass das Hotel in meinem Sinne fortgeführt wird, und da gab es für mich keine andere Option, als es Herrn Dreesen anzubieten. Ich bin im Nachhinein auch von anderen Hoteliers angesprochen worden. Ich habe aber von Anfang an die Synergien gesehen, und dass man mit dem Zusammenschluss auch den Standort Bad Godesberg stärkt.

Sie arbeiten bereits seit 2017 im Netzwerk „Tagen in Bad Godesberg“ (TiBG) zusammen. Trägt diese Plattform Früchte?

Dressen: Man kann das nicht in Heller und Cent sagen. Wichtig war uns zu dokumentieren, dass wir für diese Stadt einstehen und an ihre Schönheit und ihre Vorzüge glauben. Wir werden das auch weiterführen.

Sträter: Die Zusammenarbeit der Akteure in Bad Godesberg ist dadurch enger geworden. Wir bekommen zum Beispiel viele Empfehlungen nicht nur für Tagungen, sondern auch für Gäste von Hochzeiten, Geburtstagen und Feierlichkeiten in der Redoute und auf der Godesburg.

Haben Sie vor, das Hotel weiter zu führen wie bisher?

Dreesen: Das Haus wird „Boutiquehotel Dreesen – Villa Godesberg“ heißen. Selbstverständlich bleiben wir dem Stil treu, weil ja genau das so gut zusammen passt.

Sind am Stammhaus am Rhein noch Veränderungen geplant?

Dreesen: Ein 124 Jahre altes Haus wird jeden Tag renoviert und in Stand gehalten, und so wird es auch bleiben.

Werden Sie in Godesberg präsent bleiben, Frau Sträter, zum Beispiel durch Ihr Engagement in der Bürgerstiftung Rheinviertel?

Sträter: Ich habe der Bürgerstiftung seit Gründung vor zehn Jahren einen Euro pro Übernachtung zur Verfügung gestellt. Zurzeit bin ich Kuratoriumsvorsitzende und werde da auf jeden Fall aktiv bleiben, ebenso wie bei den Godesbürgerinnen. Es gibt ganz viele Menschen, die sich jetzt Gedanken darüber machen, was ich noch alles machen könnte...

Die Bürgerstiftung ist Ihnen ja auch nicht fremd . . .

Dreesen: Wir kochen für den „Suppenhimmel“. Das war im Ursprung für ein halbes Jahr angedacht und läuft inzwischen seit einigen Jahren, was wirklich toll ist. Es macht den Menschen Freude, jeder Teller Suppe, der da serviert wird. Das Engagement wird mit großer Dankbarkeit beantwortet so dass wir ganz viel Spaß dabei haben.

Blicken Sie denn für den Stadtbezirk Bad Godesberg positiv in die Zukunft?

Sträter: Ich bin froh und glücklich, hier zu sein. Es gibt viele tolle Menschen, die sich engagieren, und ich blicke extrem positiv in die Zukunft. Wenn ich nur an das letzte Wochenende mit dem Theater- und Familienfest denke: Das Beethoven Orchester spielt ein Open-Air-Konzert auf dem Theaterplatz. Da dachte ich: Geht doch.

Dressen: Bad Godesberg war schon immer meine Heimat. Der Standort ist wunderschön und hat viele Vorzüge. Der Zusammenhalt, die Internationalität und die zentrale Lage in Europa werden das Image wieder verbessern und in den Vordergrund rücken.