Fantasy-Fans in Bad Godesberg

Reisen in imaginäre Welten

BAD GODESBERG. Cowboy und Indianer war gestern. Der moderne Rollenspieler bevorzugt andere Szenarien. Die Zombiecalypse etwa. Ähnliches Spielprinzip wie der Klassiker aus Kinderzeiten, aber cooler. Und so sind die Untoten am vergangenen Wochenende auch durch den Bad Godesberger Stadtpark geschlurft, wo sich viele Teilnehmer der alljährlichen FeenCon tummelten.

Das Treffen der Fantasy-Fans in und um die Stadthalle, das 2014 immerhin sein 25-jähriges Bestehen feiern konnte und damit die dienstälteste Veranstaltung seiner Art in der Region ist, lebt von derartigen Ereignissen, von diesen mitunter leicht albernen, aber sehr unterhaltsamen Abenteuern, an denen jeder ohne Vorkenntnisse teilnehmen kann. Und ohne die bei anderen Conventions üblichen Kostümierungen.

Ohnehin steht die Präsentation des neuesten in mühsamer Handarbeit gefertigten Outfits - bei Großereignissen wie der Role Play Convention (RPC) in Köln ein zentrales Element - auf der FeenCon nicht im Mittelpunkt. Die meisten Besucher kommen in Alltagskleidung und überlassen alles andere der Fantasie. Ihnen geht es ums Kopfkino: Unter einem Zeltdach sitzen sie auf Bierbänken und folgen einem Spielleiter in imaginäre Welten, während einige feste Gruppen ihre eigenen Areale aufgebaut haben.

Zumindest am Samstag hält sich der Bewegungsdrang in Grenzen, den meisten genügt tatsächlich ein Zombie-Tempo. Nur einige geben auf der Wiese beim Jugger Gas, einem Mannschaftssport mit gepolsterten Ketten- und Stabwaffen, der weitaus martialischer aussieht als er letztlich ist. Auch die Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes spielen vorübergehend mit und haben sichtlich Spaß an den Kampfaktionen.

Im Inneren der Stadthalle sieht es dagegen eher leer aus. Hier und da gibt es Runden für Karten-, Tabletop- und natürlich Rollenspiele (insgesamt mehr als 100 stehen auf dem Programm, die mitunter bis tief in die Nacht angesetzt sind), der Andrang hält sich in diesem Jahr aber in Grenzen.

So schwitzen denn vor allem die Aussteller diverser Spielehersteller und Verlage, ein paar Händler und einige Künstler, die wie etwa Martin Schmitz die Zeit nutzen, um ein paar fantasievolle Skizzen anzufertigen.

Auch Autoren sind zur FeenCon gekommen, viele von ihnen Hobby-Literaten, dazwischen aber auch Profis wie Hohlbein-Tochter Rebecca. Die entsprechenden Lesungen haben sich schon längst etabliert, gehören genau so zur FeenCon wie das lockere und friedvolle Miteinander. Es macht eben doch etwas aus, ob eine große Organisation mit kommerziellem Anspruch eine derartige Veranstaltung organisiert oder, wie in Bad Godesberg, ein Pulk von Freiwilligen rund um die ausrichtende Gilde der Fantasy-Rollenspieler. Das wird dementsprechend honoriert - und lässt hoffen, dass auch im kommenden Jahr wieder in fantastische Reiche abgetaucht werden kann. Mit oder ohne Zombies.

FeenCon

Die FeenCon findet seit 1992 in der Stadthalle Bad Godesberg statt und kann jährlich rund 2500 Besucher verzeichnen. Im Gegensatz zu anderen Conventions kann hier rund um die Uhr gespielt werden. Ausrichter ist die Gilde der Fantasy-Rollenspieler, die sich die Förderung des

Rollenspiels zum Ziel gesetzt hat. Weitere Infos: www.feencon.de.