Schadstoffe in der Luft?

Reinigung in Bad Godesberg verursacht Schwefelgeruch

SGL Carbon gibt Reinigungs- und Wartungsarbeiten als Grund für Gerüche an.

SGL Carbon gibt Reinigungs- und Wartungsarbeiten als Grund für Gerüche an.

Lannesdorf. Ein Anwohner beschwert sich über Luftverunreinigung durch das Unternehmen SGL Carbon. Die Bezirksregierung hält dagegen, dass keine Schadstoffe in die Umwelt gelangen.

Ein Lannesdorfer, der in der Nähe von SGL Carbon wohnt, fühlt sich dort nicht mehr wohl. Er spricht von Geruchsbelästigungen, die das Industrieunternehmen verschulde. Seit Jahren schon werde ein mehrere Quadratkilometer großes Wohngebiet mit „unerträglichem, schwefelartigem Gestank“ überzogen, beschwert sich der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, in einer E-Mail an den Konzern, die dem General-Anzeiger vorliegt. Außerdem hat der Anlieger die zuständige Kölner Bezirksregierung eingeschaltet.

Besonders betroffen von den Geruchsbelästigungen sei „das umliegende Wohngebiet Mehlem/Lannesdorf“, heißt es in der Mail. „Die familienreichen Anwohner, viele mit Migrationshintergrund, werden massiv und bewusst diesen giftigen Industriedämpfen ausgesetzt.“ Davon betroffen seien auch die SGL-Carbon-Mitarbeiter. Der Chemiegestank sei zeitlich nicht genau einzugrenzen, erklärt der Mann auf Nachfrage: „An manchen Tagen tritt dieser wirklich extrem auf und an manchen Tagen weniger.“ Am schlimmsten sei es rund um die Straße Am Dinaswerk. An manchen Tagen sei es dort „überhaupt nicht auszuhalten“.

Und: Dort würden teilweise Chemiebehälter mit unmissverständlichen Symbolen gelagert, vom Weg nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt. „Totenköpfe, Lungenschäden, leicht entzündlich, alles Mögliche an Gefahrensymbolen ist dort zu sehen“, schreibt der Anwohner. Und behauptet, dass die Behälter teilweise defekt seien – „ein wirklich besorgniserregender Anblick“.

Alle Anlagen würden ganzjährig rund um die Uhr von einer ständig besetzten Messwarte überwacht, sagt Andreas Pütz, Sprecher von SGL Carbon, zu den Vorwürfen. Bei Abweichungen vom Normalbetrieb würden sofort Abstell- und Reparaturmaßnahmen durchgeführt. Dafür sei ein aus erfahrenen Technikern bestehender – ständig erreichbarer – Bereitschaftsdienst eingerichtet.

„Zum Zeitpunkt der Beschwerde wurden an einer Abluftreinigungsanlage routinemäßig Reinigungs- und Wartungsarbeiten durchgeführt.“ Konkret hätten die Arbeiten vom 3. September, 7 Uhr, bis zum 7. September, 15 Uhr, gedauert, und müssten etwa drei- bis viermal jährlich erfolgen. „Während dieser Zeit wird die Abluft der Ringöfen, in denen Kohlenstoffprodukte gebrannt werden, vorübergehend nicht mehr nachverbrannt, sondern über eine im Bypass befindliche Anlage gereinigt.“ Dann seien Geruchemissionen nicht zu vermeiden. Durch eine Vielzahl an Maßnahmen wie eine zweischichtige Reinigung versuche das Unternehmen aber, den Zeitraum der Geruchsemissionen „so kurz wie möglich zu halten“.

Für dieses Vorgehen liege eine behördliche Genehmigung vor, so Pütz: „Nach dieser Genehmigung ist eine relative Geruchhäufigkeit von zehn Prozent in der benachbarten Wohnbebauung zulässig.“ Dieser Wert werde von SGL seit Jahren „nachweislich weit unterschritten“. Auch ergänzt er: „Da wir wissen, dass die Wartungsarbeiten zu Belästigungen führen können, versuchen wir diese nicht im Hochsommer durchzuführen, sondern bevorzugt im Frühling und Herbst.“ Abschließend bedauert Pütz „eine mögliche Belästigung unserer Nachbarn“. Selbstverständlich sei man auch künftig bestrebt, „unsere Emissionen noch weiter zu reduzieren“.

Bezirksregierung: Betrieb erfolgt „gesetzeskonform“

Grundsätzlich attestiert die Kölner Bezirksregierung, dass sich SGL Carbon in Lannesdorf „in einem sehr guten Zustand“ befinde, so Behördensprecher Dirk Schneemann. Dies habe ein aufgrund der Beschwerde aktueller Besuch ergeben. Allerdings könne es wegen besagter Reinigungsarbeiten einmal im Jahr zu Geruchsbelästigungen kommen. „Durch die thermische Nachverbrennung gelangen trotz der Reinigung keinerlei Schadstoffe in die Umwelt“, so Schneemann. „Der Betrieb erfolgt weiter gesetzeskonform.“ Durch die rund um die Uhr besetzte Messwarte würden Abweichungen sofort erkannt. Da sich der Beschwerdeführer in der Vergangenheit schon einmal beschwert habte, habe man dem Mann Gespräche und eine Betriebsbesichtigung angeboten, allerdings bislang ohne Reaktion.

Dazu sagt der Beschwerdeführer: „Was nützt mir, meiner Familie und den Anwohnern dies, wenn wir weiterhin von diesem Gestank betroffen sind?“ Der Gestank sei zwar nach der Beschwerde für etwa eine Woche nicht vernehmbar gewesen, „aber mittlerweile geht es schon wieder los“.