Bad Godesberger Burgfriedhof

Rainer Selmann erzählte Anekdoten und Historisches

BAD GODESBERG. Auch nach seinem Tod hat der SPD-Politiker Herbert Wehner keine Ruhe vor dem Journalisten Ernst Dieter Lueg. Beide verbindet eine Hassliebe, ausgelöst durch ein denkwürdiges Interview. Wehner hätte sich aber wohl nicht träumen lassen, dass "Herr Lüg", wie er ihn einst nannte, auf dem gleichen Friedhof beigesetzt würde, nämlich auf dem Bad Godesberger Burgfriedhof.

Mit Geschichten dieser Art würzte der Historiker Rainer Selmann seine Sonntagsführung, die gestern vom Friedhof an der Godesburg bis zum Aennchenplatz ging und sehr unterhaltsam war. Zum Beispiel bei den Mausoleen in der Friedhofsmitte: Dort wollte Albert Künne 1894, um Geld zu sparen, ein Mausoleum aus Wellblech für sich und seine Familie errichten lassen.

Die Stadt habe das aber mit der Begründung abgelehnt, es würde "allen ästhetischen Gefühlen Hohn sprechen", so Selmann. Stattdessen hatte Künne dann ein Grabmal aus Backstein in Auftrag gegeben, was ihn auch nicht viel mehr gekostet haben dürfte.

Weitaus imposanter ist das Grab des Amerikaners George Guier. Er hatte viel Geld an der Börse verdient und sich in Barcelona eine Altersresidenz gekauft. Von dort aus tourte er durch Europa. "Er fand diesen Friedhof so schön, das er hier beerdigt werden wollte", so der Fachmann.

Also hatte sich Guier für 500 000 Reichsmark eine kleine Alhambra bauen lassen. Bis zu seinem Tod 1904 kam er nicht nach Bad Godesberg zurück, jetzt liegt er im größten Grabmal des Friedhofs begraben. Heute wird es bei Beerdigungen als Kapelle genutzt. Der Friedhof wurde laut Selmann 1805 angelegt, kurz nachdem Godesberg eine eigenständige Pfarrei geworden war.

"Bis dahin gehörte es zur Pfarrei Rüngsdorf." Das änderte sich, als das Heilwasser der Draitschquelle entdeckt wurde. Daraufhin wuchs die Badestadt. Der Friedhof an der Michaelskapelle wurde mehrmals über Terrassen erweitert und 1924 geschlossen, weshalb dort auch keine Soldatengräber aus dem Zweiten Weltkrieg zu finden sind.

Sehr wohl gibt es aber ein Soldatenfeld aus dem Ersten Weltkrieg und sogar ein Soldatengrab von 1870/71, das von Kanonen und gusseisernen Kugeln eingerahmt wird. Freigewordene Gräber werden neu belegt. Seine letzte Ruhe fand hier 1912 auch der "Trompeter von Köln": Reinhold Fellenberg war als Musiksoldat bei den Kürassieren und hat so manches Karnevalslied komponiert, darunter "Ritsch ratsch, de Botz kapott".

Info: Am Dienstag geht es mit Rainer Selmann ab 11.30 Uhr durch Poppelsdorf. Treffpunkt ist an der Poppelsdorfer Allee, gegenüber der Fußgängerunterführung. Die Teilnahme kostet acht Euro.