Mutmaßlicher Missbrauch am Bonner Ako

Polizei bestätigt Anzeige gegen Lehrer

Ako-Haupteingang an der Elisabethstraße.

Ako-Haupteingang an der Elisabethstraße.

Bad Godesberg. Der Betroffenenverein Eckiger Tisch Bonn hat wegen des neuen mutmaßlichen Missbrauchsfalls am Aloisiuskolleg (Ako) in Bad Godesberg den Dialog mit der Schule abgebrochen. Er fordert nun Konsequenzen.

„Wir setzen die Gespräche über die Aufarbeitung der früheren Fälle bis zu einer ausführlichen Darstellung des Kollegs über den Sachverhalt und einer öffentlichen Stellungnahme aus“, erklärte der Vereinsvorstand am Dienstag.

Man fordere, die derzeit bis September vakante Stelle des geschäftsführenden Ako-Rektors für drei Jahre mit einer kirchenfremden Person mit Kompetenzen im Präventionsbereich zu besetzen, „die in der Lage ist, Missstände zu erkennen und Strukturen zu durchbrechen“.

Ein Sprecher der Bezirksregierung Köln hatte am Freitag bestätigt, dass das Ako den Verdacht eines sexuellen Übergriffs auf eine Oberstufenschülerin durch einen Lehrer gemeldet habe. Man habe zudem Kenntnis, dass das Kolleg daraus arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen und eine Strafanzeige gegen den Mann erstattet habe.

Das Ako hatte erklärt, man habe sich mit dem Mitarbeiter darauf verständigt, dass er das Kolleg „zum Schuljahresende verlassen und bis dahin nicht zurückkehren wird“. Am Montag bestätigte die Polizei, dass eine Strafanzeige eingegangen sei. Nach GA-Informationen soll sie aus dem Umfeld des möglichen Opfers kommen.

Schulleiter Manfred Sieburg schrieb am Dienstag auf der Ako-Homepage: „Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen und nur deshalb haben wir uns entschieden, zu den Hintergründen vorerst Stillschweigen zu bewahren.“ Das Kolleg habe alles getan, was zu seinen schulrechtlichen Pflichten gehöre, und in der gebotenen Zeit die erforderlichen Entscheidungen getroffen. „Jede andere Schule hätte in einer vergleichbaren Situation auch handeln müssen.“

Der Verein Eckiger Tisch sieht das anders: „Wir fragen uns, wie es erneut zum Super-Gau für Schutzbefohlene kommen konnte.“ Viele vormals Betroffene schmerze diese aktuelle Nachricht gleichsam körperlich. „Wie lange wollen Elternschaft und Aufsichtsbehörden noch zusehen?“

Schul- und Jugendamt hätten, auch wenn das Ako in Trägerschaft eines Ordens stehe, eine besondere Aufsichtspflicht für eine Einrichtung, in der in der Vergangenheit vielfacher Missbrauch an Schutzbefohlenen geschehen sei. Das Kolleg wiederum möge sich einer externen Überprüfung unterwerfen und die richtigen Schlüsse für eine sichere Schulumgebung ziehen. Zwei unabhängige Kommissionen hatten 2011 und 2013 für das Ako und den ihm nahestehenden vormaligen Verein Ako-pro-Seminar zahlreiche Fälle von Machtmissbrauch, darunter sexuellem Missbrauch, ermittelt, die in die Zeit von 1950 bis 2005 zurückgehen.