Reaktionen auf Neubaupläne

Politik fordert Wettbewerb für Sparkassenneubau in Godesberg

Die Sparkassenfiliale an der Rheinallee. Das Gebäude von 1937 wurde mehrfach umgebaut.

Die Sparkassenfiliale an der Rheinallee. Das Gebäude von 1937 wurde mehrfach umgebaut.

Bad Godesberg. Die einen sehen Chancen für Aufwertung, andere fürchten neue Scheußlichkeit: Die Idee, in einem Sparkassenneubau an der Rheinallee auch Teile der Stadtverwaltung unterzubringen, stößt in der Godesberger Kommunalpolitik auf geteiltes Echo.

„Wir freuen uns, dass die Sparkasse in Bad Godesberg erheblich investieren und ihren Standort an der Rheinallee langfristig erhalten möchte“, sagt Philipp Lerch (CDU). Das trage zur Belebung, Sicherheit und Barrierefreiheit bei. Es gebe aber noch Fragen und Abstimmungsbedarf zur Gestaltung der Rheinallee.

Die Stadtverwaltung werde in den kommenden Jahren ohnehin ihre derzeitige Liegenschaft räumen müssen, „da die kurfürstliche Zeile am Rathaus, für welchen hochwertigen Zweck auch immer, demnächst saniert werden muss und wird“, so Lerch. Er will, dass es dauerhaft ein modernes und bürgernahes Verwaltungshandeln in der Innenstadt von Bad Godesberg gibt – durchaus auch an verschiedenen Standorten.

„Das vorhandene Gebäude der Sparkasse hat ein großes Minus“, meint Hillevi Burmester (SPD). „Für alle Menschen, die nicht die Treppen hochkommen, gibt es keinen würdevollen Zugang. Weiterhin ist der Außenraum noch durch den Zustand vor dem Bau der U-Bahn geprägt.“ In einem Neubau dann auch Verwaltungsstellen unterzubringen, wäre laut Burmester ein Gewinn. „Von der Sparkasse wünschen wir uns ein Wettbewerbsverfahren, um die Qualität der Architektur zu sichern.“

Tom Schmidt, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, sagt: „Dass an der Stelle eine Aufwertung mit einem Neubau gelingen könnte, liegt auf der Hand.“ Das derzeitige Ambiente werde dem, was man sich auf einem solch zentralen Grundstück wünsche, nicht gerecht. Dass Verwaltung und die Sparkasse als Tochter der Stadt gemeinsame über eine Nutzung nachdenken, sollte laut Schmidt Standard sein. „Man muss aber noch einmal darüber nachdenken, wie sich das neue Gebäude in die neue Umgebung einpasst. Man soll es jetzt nicht verschlafen.“

Auch die Bad Godesberger FDP sieht im möglichen Abriss und Neubau des Sparkassengebäudes eine „große und einzigartige Chancen zur städtebaulichen Gestaltung“. Sie fordert wegen der besonderen Bedeutung des Areals als Eingang zum Villenviertel, hier einen städtebaulichen Wettbewerb durchzuführen und hat auch schon einen Antrag für die Sitzung der Bezirksvertretung am 5. September gestellt.

Mithilfe des Wettbewerbs solle unter anderem eine „optische Verbindung“ zur Alten Bahnhofstraße geschaffen, der Busknoten Rheinallee belebt sowie das Parkplatzangebot erhalten werden. Der FDP-Bezirksverordnete Wolfgang Heedt sagt, dass auch die Immobilieneigentümer und Bewohner des Villenviertels zu Wort kommen müssten. Es dürfe kein „trister und einförmiger Zweckbau“ errichtet werden.

Das Wählerbündnis „Die Godesberger“ lehnt einen Umzug städtischer Abteilungen ab und vergleicht den geplanten Abriss der Sparkasse mit dem Abriss der Godesberger Altstadt.

Für den Bürger Bund Bonn (BBB) ist es „völlig unverständlich, wie von der Stadtverwaltung schon der Umbau des Eingangsbereiches des Sparkassengebäudes, eine optische und architektonische Scheußlichkeit, genehmigt werden konnte“, teilt Marcel Schmitt mit. „Eine weitere Veränderung der Fassade, geschweige denn ihr Abriss, scheiden für uns völlig aus.“ Seit 1977 lege eine Satzung fest, dass ein entsprechender Antrag abzulehnen ist, wenn die bauliche Anlage von städtebaulicher, insbesondere geschichtlicher Bedeutung ist. „Das ist hier für uns unstrittig der Fall“, sagt der BBB-Stadtverordnete.

Der Bau von 1937 stamme vom „Stararchitekten des Villenviertels“, Wilhelm Maß. Von ihm seien zahlreiche Bauten in den Straßenzügen unter Denkmalschutz gestellt. „Die vorlegte Neubauplanung ist gesichts- und ideenlos und im Gegensatz zum bestehenden Gebäude jederzeit austauschbar“, so Schmitt.

Die städtischen Dienststellen sollten an der Kurfürstenallee bleiben, um einen weiteren Ausverkauf abzuwenden, findet Ralf Jochen Ehresmann (Linke). In seinen Augen handelt es sich beim Sparkassen-Altbau um ein „baldiges Denkmal“.