Seelsorge in Bad Godesberg

Plittersdorfer Kirche zum Tag der offenen Tür leer

PLITTERSDORF. Derzeit bietet sich ein imposanter Anblick in der frisch sanierten Kirche Sankt Evergislus in Plittersdorf. Das Gotteshaus ist leer, keine Bänke stören den Blick. Wer möchte, kann sich am Sonntag beim Tag der offenen Tür selbst ein Bild machen.

Es ist ein imposanter Anblick, der sich so in absehbarer Zeit wohl kein zweites Mal bietet: Die Kirche Sankt Evergislus ist leer. Keine Bänke stören den Blick. „Es ist ungewohnt und hat etwas Faszinierendes“, beschreibt Pfarrer Wolfgang Picken. Schon einmal sei er in den Genuss gekommen, eine leere Kirche zu besuchen.

Damals, als eine Kirchenbank im Kölner Dom in Flammen aufgegangen war und das Gotteshaus so verrußt war, dass „alles raus musste, um es zu reinigen“. Damals fuhr er nach Köln und dachte: „Wow, das ist ein ganz anderer Raum“. So sei es ihm auch bei Sankt Evergislus gegangen. Nicht nur, dass es durch die hellen Fenster interessante Lichteffekte gebe. „Die eigentlich kleine Kirche wirkt auf einmal gigantisch.“

Es ist ein Anblick, an dem die Gemeinde die Gläubigen teilhaben möchte. Deshalb wird die frisch renovierte Kirche an diesem Sonntag ab 15 Uhr geöffnet. Außerdem erklingt von 20 bis 21.30 Uhr die Orgel, die während der Sanierungsarbeiten ausgebaut werden musste. Mittlerweile wurde sie gereinigt und wieder an ihrem alten Platz installiert. Es spielen die Kantoren Ludger Brück und Daniel Kirchmann. Offiziell wird die Kirche an Allerheiligen, Donnerstag, 1. November, wieder eröffnet. Und zwar um 11 Uhr mit einer Festmesse.

Seit Anfang Juli ist das Gotteshaus geschlossen. Wie berichtet, musste der Fußboden vollständig ausgetauscht werden. Denn im alten Steinbelag hatten sich Schlaglöcher gebildet. „Die Ursache ist nicht klar“, so Picken. Falsche Reinigung oder auch Hochwasser könnten der Auslöser gewesen sein. Gefährlich sei gewesen, „dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben war“.

Reste des historischen Bodenbelags, die während der Bauarbeiten im Seitenschiff entdeckt wurden, sind nun in die Neugestaltung integriert. Die grauen Holzpodeste, auf denen die Kirchenbänke standen, wurden entfernt. Das Inventar wurde während der Bauarbeiten in Containern auf dem Kirchhof zwischengelagert.

Von der Schließung waren nicht nur die Gottesdienstbesucher betroffen, sondern auch die Trauergemeinden, die während der Bauarbeiten nicht von der Kirche zum benachbarten Friedhof ziehen konnten. Die Sanierung schlug mit 300.100 Euro zu Buche, sagt Markus Kaufmann, Seelsorgebereichsreferent. Der Eigenanteil der Gemeinde liegt bei 90.400 Euro, aus Kirchensteuermitteln kommen 209.700 Euro. Da die finale Abrechnung noch nicht vorliege, könnten sich die Kosten noch „leicht erhöhen – im Wesentlichen werden diese aber so bleiben“, so Kaufmann.

Der Anblick der leeren Kirche ist auch eine Reise in die Vergangenheit. „Früher gab es in gotischen Kirchen keine Bänke, man stand während der Gottesdienste“, berichtet Picken. Doch nicht nur deshalb sollten sich die Gläubigen den Tag der offenen Tür nicht entgehen lassen. „Dass eine Kirche leer geräumt wird, das wird es vielleicht in 50 bis 60 Jahren noch einmal geben.“