Nicolaus-Cusanus-Gymnasium diskutiert gesellschaftspolitische Themen

Peer Steinbrück im grünen Sessel

Schulleiterin Nicole Auen und Peer Steinbrück im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern.

Schulleiterin Nicole Auen und Peer Steinbrück im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern.

Bad Godesberg. Das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium hat sich mit "Demokratiebildung in der offenen Gesellschaft" ein virales Thema ausgesucht und prominente Gäste eingeladen.

Zum Auftakt sprach Peer Steinbrück, Bundesminister a.D. Konrad Beikircher wird zur Abschlussveranstaltung am Freitag Kabarett präsentieren, und der international bekannte Pianist Markus Schinkel gestaltet zusammen mit dem aus Syrien geflohenen Musiker Hani Seydo ein interkulturelles Konzert.

Das Wochenprogramm richtet sich mit Workshops, Filmvorführungen, Diskussionsrunden, Lesungen und Vorträgen altersgerecht an die verschiedenen Klassen. "Sicher im Netz", bedeutet für die fünften Klassen, einerseits zu erkennen, wann die eigene Sicherheit im Netz gefährdet ist.

Andererseits lernen sie Signale einzuschätzen, anhand derer sie erkennen können, dass sie persönlich oder für Meinungsmache missbraucht werden könnten. "Wenn einer komische Fragen stellt, dann kann ich den blockieren", weiß die zehnjährige Nuur seit dem Projekttag. "Und wenn etwas unheimlich ist, dann sage ich einem Erwachsenen Bescheid."

Die sechsten Klassen befassten sich mit alltäglichen Formen von Diskriminierung, während die Siebener den Umgang mit Hassmails und Antisemitismus besprachen. In den achten Klassen stand Suchtprävention und Gendertoleranz im Mittelpunkt der Projektwoche.

Die Schüler im letzten Jahr vor dem Übergang in die G8-Oberstufe stiegen in die Themen "Internet und Demokratie", "Demokratie lernen", "Bedeutung des Grundgesetzes" und in die Vorstellung der verschiedenen Religionen ein.

"Alle großen monotheistischen Religionen in Europa haben dieselben Wurzeln", hob Steinbrück eine Gemeinsamkeit hervor. In einem Impulsvortrag sprach er über die Bedeutung von Demokratie im Leben der Schüler: "Ihr dürft hier auf der Straße eure Meinung sagen, ohne dass ihr dafür verhaftet werdet."

Außerdem gälte in der Demokratie Deutschland Pressefreiheit und Demonstrationsfreiheit. Auch gebe es keine staatlich vorgeschriebene Religion. In einer Demokratie zu leben, bedeute jedoch, sie nicht wie selbstverständlich zu konsumieren, sondern auch Verantwortung zu übernehmen.

In der anschließenden Diskussion stellte er sich den Fragen der Schüler. Auf die Frage, warum die Kirchensteuer nicht abgeschafft würde, erläuterte der Minister a. D., dass die Kirchen viele wertevermittelnde und strukturelle Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen. Könnte die Kirche dies nicht mehr tun, müsste der Staat diese Aufgaben übernehmen.

Ob dies ohne Weiteres machbar sei, stellte er infrage. Ein Oberstufenschüler wollte wissen, worauf der SPD-Politiker die geringe Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund in der Politik zurückführe. Steinbrück entgegnete, es sei eine gesamtgesellschaftlich zu beobachtende Tendenz, dass viele junge Menschen sich weniger als früher für gesellschaftliche Belange engagieren.

Politisches Engagement sei jedoch ein solches Engagement. Seiner Meinung nach sei hier nationalitätenübergreifend viel Reserve.