Bundestagsabgeordneter im Ako

Paul Schäfer (Die Linke) stellt sich den Fragen der Schüler

Beim Kamingespräch: Paul Schäfer diskutiert mit den Ako-Schülern.

BAD GODESBERG. Was passiert, wenn Jesuitenschüler mit einem Bundestagsabgeordneten der Linken diskutieren? Es kann eitel Sonnenschein herrschen wie im Aloisiuskolleg (Ako), wo Paul Schäfer sich am Freitagabend den Fragen der Schüler stellte. Als "gemäßigten Linken" hatte Ulrich Kelber (SPD) das ehemalige Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei angekündigt.

"Das ist ja eine Beschimpfung", witzelte Schäfer. Vielleicht habe Kelber ausdrücken wollen, dass "dieser Linke pragmatisch ist". Er habe keine abenteuerlichen Vorstellungen darüber, wie das Ziel seiner Partei (DKP), die Gesellschaft zu verändern, umzusetzen sei. "Ich will das mit den Menschen machen, und nicht durch Indoktrination Veränderungen herbeiführen", betonte Schäfer. Er sei also eigentlich "ganz umgänglich".

Und dann ging der Abgeordnete in geschickter Argumentation auf fast alle Anliegen von Casimir Rob, Peter Peill, Maximilian Brendle, Andras von Habsburg und Bernhard Blum ein. Ja, er habe eine Parteienkarriere hinter sich, die mit ihren Wechseln wie ein Schlingern wirken könne, gab er zu.

"Trotz aller Brüche sehe ich darin aber eine Kontinuität, die zu den Linken führte." Als Berufsrevolutionär, wie er sich selbst mal genannt habe, laufe er schon lange nicht mehr herum. "Ich bin nicht mehr für den Sturm aufs Winterpalais bereit." Und schon in den 70ern habe er sich nicht nur auf die Politik konzentrieren wollen. Er sei immer mit seiner Gitarre auch in eine andere Welt abgetaucht.

Ob die DKP überhaupt verfassungskonform sei, hakten die Ako-Schüler nach. Ach, das sei doch "nur noch eine linke Sekte und nichts sonst", konterte Schäfer. Eine Bedrohung für die Gesellschaft gehe von seinen Ex-Parteigenossen nicht aus. Vielmehr sei "auf der anderen Seite" höchste Vorsicht geboten. Man möge doch angesichts der braunen Mordserie die NPD-Querverbindungen in die politische Mitte ins Auge nehmen. Da sei ein bürgerlicher Resonanzboden für Ausländerhass da. An dieser Stelle setzte einer der Schüler entgegen, die Fehler der einen Seite sollten nicht mit denen der anderen aufgerechnet werden.

Wie geht Schäfer als Mitglied im Verteidigungsausschuss mit der Bundeswehr um, war die nächste Frage. Bei der habe er natürlich kein Heimspiel, seufzte der Linke, der noch einmal seine Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes betonte. "Aber ich setze mich im Gegensatz zu einigen meiner Parteigenossen mit Soldaten an einen Tisch. Ich versetze mich in sie hinein."

Apropos Heimspiel. Schäfer kicke doch im Fußball-Bundestagsteam, wussten die Schüler. "Etwa links außen?" Der Interviewpartner lachte. Nein, er spiele linkes Mittelfeld. Die Position links außen sei von einem CDU-Kollegen besetzt.