Preisverleihung in Bad Godesberg

Parkbuchhandlung vergibt Godesberger Literaturpreis

Literatur ist ihr Leben: Barbara Ter-Nedden und Norbert Oellers in der Parkbuchhandlung.

Literatur ist ihr Leben: Barbara Ter-Nedden und Norbert Oellers in der Parkbuchhandlung.

Bad Godesberg. Die Bad Godesberger Parkbuchhandlung vergibt seit 2011 den Godesberger Literaturpreis. Neben Chefin Barbara Ter-Nedden entscheidet auch Germanist Norbert Oellers dieses Jahr mit.

Gemeinsam blättern Barbara Ter-Nedden und Professor Norbert Oellers in der gerade im Bonner Kid Verlag erschienenen Anthologie zum letztjährigen Bad Godesberger Literaturpreis. „Das Taschentuch“ heißt der Band nach der Gewinner-Kurzgeschichte von Céline Bernadot. Rund 500 Einsendungen habe es 2018 gegeben, von denen 440 die geforderten Kriterien erfüllt hätten, erläutert Ter-Nedden als Chefin der den Wettbewerb ausrichtenden Parkbuchhandlung. „Wir geben ein Limit des Umfangs. Und der Text muss unveröffentlicht und anonymisiert sein.“ Bei der ersten Ausschreibung 2011 hätten sich 72 Autoren der Region beworben, blickt Oellers zurück. Inzwischen kämen Kurzgeschichten, Theaterszenen, Romansequenzen und auch immer wieder einmal Gedichte aus dem gesamten Bundesgebiet und dem deutschsprachigen Ausland herein. Der Preis hat inzwischen Erfolgsgeschichte geschrieben.

Oellers kommt gerade wieder einmal von Vorträgen und Gesprächen aus Weimar zurück. Dort betreut der bekannte Bonner Germanist seit Jahrzehnten die Nationalausgabe der Werke Friedrich Schillers. In das 1940 begonnene Mammutprojekt war Oellers 1965 von seinem Doktorvater, dem legendären Bonner Germanisten Benno von Wiese, geholt worden. „Aber nicht ohne dass Benno von Wiese, der regelrecht sternenhörig war, zuvor noch einmal ausgiebig mein Sternbild geprüft hatte“, erinnert sich Oellers lächelnd an die weitgehend unbekannte Leidenschaft der Koryphäe.

Zehnjähriges Jubiläum im Mai

„Brav zitternd“ habe er sich als junger Absolvent damals an den ersten von ihm verantworteten Band mit Schiller-Briefen gemacht. „Und dieses Jahr bringe ich hoffentlich die allerletzten beiden Bände heraus.“ Dann folge noch sein Nachtragsband. Der heute 82-Jährige steckt also weiterhin in wichtigen Arbeiten. Und warum entscheidet der Professor seit 2011 beim Godesberger Literaturpreis mit? Weil er seit vielen Jahren mit Barbara Ter-Nedden und ihrem inzwischen verstorbenen Mann Gisbert, ebenfalls Germanistikprofessor, befreundet sei, antwortet Oellers. Selbstverständlich habe er, als Barbara Ter-Nedden 2009 die Parkbuchhandlung übernommen habe, bei ihr im damaligen „Keller“ unter dem Hotel Park die erste Lesung bestritten.

Anfang Mai feiert die Buchhandlung unter neuer Leitung mit spannenden Veranstaltungen ihr Zehnjähriges. „Dazu war ich natürlich neugierig, wer sich heute auf Literaturpreise bewirbt“, fügt Oellers als weiteren Grund für sein Engagement hinzu. Natürlich kämen Texte quer durch den Gemüsegarten herein. „Und da ist kaum ein Bertold Brecht oder Thomas Mann dabei“, so Oellers. Dennoch gebe es immer wieder Autoren von Format, über deren Beiträge die Jury dann intensiv diskutiere.

„Jeder der fünf Juroren liest natürlich nicht über 400 Texte“, erklärt Ter-Nedden. In der ersten Runde teile man die Beiträge auf. Und über den 20 letzten brüte man dann gemeinsam bei Rotwein und Käse. Bei guten Texten müssten unbedingt die Sprache, die Form und die Metaphern stimmen, ergänzt Oellers. „In der Beurteilung geht es aber durchaus kontrovers in der Jury zu.“ Separat werde auch ein Publikumspreis vergeben, der meist einen „kolossalen Vortrag“ belohne. Das alles ergebe also ein durchaus spannendes Verfahren.

Auf die Frage, ob er auch selbst Literarisches verfasse, antwortet der Germanist: „Ach nein.“ Als Junge habe er sich an historischen Dramen versucht. An der Universität habe er dann eigentlich in Richtung Geschichte weitergehen wollen. Bis eben der große Benno von Wiese ihn auf die Schiller-Nationalausgabe angesetzt habe. „Aber vorher musste ihm, wie gesagt, noch mein Sternbild zusagen“, fügt Oellers lachend hinzu.