Chaos bei der Post

Paketpanne in Bad Godesberg größer als gedacht

Die Postfiliale an der Wurzerstraße: Hier haben zahlreiche Kunden am 28. November Pakete und Päckchen aufgegeben, die alle tagelang verschwunden waren. Die Ersten sind mittlerweile aufgetaucht.

Die Postfiliale an der Wurzerstraße: Hier haben zahlreiche Kunden am 28. November Pakete und Päckchen aufgegeben, die alle tagelang verschwunden waren. Die Ersten sind mittlerweile aufgetaucht.

Plittersdorf. Eine 90-Jährige aus Bad Godesberg vermisst ihre Geschenkpäckchen, die sie bereits im November zur Post gebracht hat. Es sind nicht die einzigen, die in der Postfiliale an der Wurzerstraße spurlos verschwanden.

Die verschwundenen Pakete von Wanda Menke-Glückert sind nicht die einzigen, die am Mittwoch, 28. November, in der Postfiliale an der Wurzerstraße spurlos verschwunden sind. Mindestens sechs weitere haben ihre Empfänger bislang nicht erreicht. Ein Teil der verschollenen Päckchen ist nun auf dem Bonner Konsolidierungsgelände der Deutschen Post, wo alles zwischengelagert wird, gefunden worden.

Nach dem Bericht über die 90-jährige Menke-Glückert hatten sich am Dienstag fünf weitere Kunden beim GA gemeldet. Sie alle hatten am besagten 28. November Pakete an der Wurzerstraße abgegeben und warteten seitdem vergeblich auf deren Zustellung. Laut Sendungsverfolgung wurden die Pakete nur vom Absender in der Filiale eingeliefert – dort waren sie aber schon nicht mehr.

Wie Postsprecher Dieter Pietruck auf GA-Anfrage mitteilte, tauchte am Montag einer der gelben Rollbehälter auf, in dem sich auch die Pakete von Menke-Glückert befanden. „Wir haben uns der Sache natürlich angenommen und nachgesehen, wo die Sendungen sind“, sagte er. Nach Überprüfung der von den Filialmitarbeitern geführten Listen habe man den Suchbereich eingrenzen können und fand letztlich einen der wohl vergessenen Rollbehälter.

Auch Ingo Schelhaas gab Ende November ein fürsorglich verschnürtes Paket mit Weihnachtsgeschenken für eine „hilfsbereite Familie in der Slowakei“ auf, wie er sagte. „Die Tochter des Hauses hatte meine Mutter bis zu ihrem Tod liebevoll gepflegt, und nun wollte ich dieser Familie eine Weihnachtsüberraschung machen.“ Schelhaas suchte Geschenke aus und besorgte nötige Medikamente. Das Paket war am Ende 18 Kilo schwer. Er kann sich nicht vorstellen, dass sich das in Luft auflöst. „Das schleppt man ja auch nicht mal eben so unterm Arm weg. Da ist etwas super faul“, meinte er.

Schelhaas und viele weitere Kunden hatten in der Postfiliale nachgefragt. Dort erklärten ihnen die Angestellten, dass es sich nicht um einen Einzelfall handele. „Die haben dort die Einlieferungsbelege kopiert und gesammelt. Mir sagten sie, sie hatten bereits acht bis zehn vorliegen und auch bereits die interne Security eingeschaltet“, teilte eine Friesdorferin mit.

Die Post gab allen als einzigen Ratschlag, einen Nachforschungsantrag zu stellen. Das ist allerdings recht kompliziert und aufwendig, wie es eine Plittersdorferin erklärte. Man brauche dafür den Einlieferungsschein, Inhaltsnachweise inklusive Kaufbelege und die eigene Kontonummer. Eine Kundin schrieb an den DHL-Vorstand, die Reklamationsstelle und die Bundesnetzagentur, bekam aber keine zufriedenstellende Antwort. „Man fühlt sich hilflos, überhaupt nicht ernst genommen. Fehler kann man machen, die muss man dann aber auch eingestehen“, findet sie.

Die Deutsche Post hat sich nun für die aufgetretene Panne und die damit verbundene Verzögerung entschuldigt. Pietruck rät auf jedem Fall jedem Kunden, das Paketverfolgungssystem zu nutzen. Die aufgetauchten Sendungen können mittlerweile über die Sendungsnummer geortet werden. Sie sollen noch an diesem Mittwoch zugestellt werden.

Übrigens: Am vergangenen Freitag wusste die Post noch nichts von eingereichten Nachforschungsanträgen. Es liege nichts vor, sagte ein Sprecher. Laut Pietruck ist noch unklar, ob in dem Rollbehälter tatsächlich alle verschwundenen Pakete lagen.