Protestaktion

Paar macht Kunst gegen die Südtangente in Friesdorf

Marie-Luise und Wolfgang Dauer stehen dort, wo ihr Garten im Falle der Realisierung der Südtangente zuende wäre

Marie-Luise und Wolfgang Dauer stehen dort, wo ihr Garten im Falle der Realisierung der Südtangente zuende wäre

Friesdorf. Ein Künstlerpaar setzt sich mit seinen Werken kritisch mit der geplanten Schnellstraße auseinander. Bei deren Bau müsste ein Teil ihres Gartens weichen.

„Natürlich sind wir nicht erleichtert, wenn die Südtangente nicht vor 2030 gebaut werden soll. Wir wollen jetzt schon unsere Meinung gegen den Bau äußern“, sagte Marie-Luise Dauer. Sie und ihr Ehemann Wolfgang Dauer sind Künstler, die von dem Bau der umstrittenen Südtangente direkt betroffen wären: Ein Großteil ihres Gartens müsste dann abgerissen werden. Am Sonntagnachmittag hatte das Künstlerpaar in seinen Garten, Atelier und Galerie eingeladen, um nicht nur ihre Kunst auszustellen, sondern auch um darzustellen welche Folgen die Südtangente auf die Lebensqualität der Anwohner hätte.

„Wir hoffen zwar, dass die Planung doch eingestellt wird, aber wir wissen, dass unsere Kunstprojekte dies nicht aufhalten kann“, so Marie-Luise Dauer. Die gemeinsame Ausstellung kritisiert den Bau der Südtangente und soll zwischen den Anwohnern, die an diesem Nachmittag zahlreich erschienen ist, einen Dialog eröffnen. Die Anwohner wären nämlich vom Lärm betroffen, dem CO2-Ausstoß der vorbeifahrenden Autos und der verloren gegangenen Natur. „Ich denke, dass viele Menschen aufgrund der Folgen auch wegziehen würden,“ meinte sie.

Dass das Projekt der Südtangente mit gespaltenen Meinungen diskutiert wird, ist auch dem NRW Verkehrsminister Hendrik Wüst bewusst. Er äußerte nun in einem GA-Interview, dass die Südtangente nicht vor 2030 gebaut werden werde, da sie nicht in der Kategorie des Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgeführt wird. Anfragen vom Verkehrsamt oder anderen Behörden zur Prüfung der Trasse erhielt das Ehepaar nicht.

Nachbildungen von Basaltsäulen

Demonstrativ stellte es zwei Nachbildungen von Basaltsäulen an der Stelle auf, wo der Garten enden wird. Mehr als die Hälfte des Gartens würde damit verschwinden. Die Installation spielt mit Bildern, die einen Vulkanausbruch darstellen soll, auch auf das Siebengebirge an, das als ursprünglicher Vulkan ebenfalls von der Südtangente betroffen wäre. Die Kunst des Ehepaars weist somit auf die Bedeutsamkeit und dem Essenziellen der Natur hin. Neben dem Motiv der Vulkane thematisiert Wolfgang Dauers Kunst auch Wasser.

Seine Arbeit betitelte er „WasserWerke“. „Ich beschäftige mich mit den Strukturen des Wassers. Wasser durchläuft alle Organismen, ist aber auch in fossilen Stoffen vorhanden“, sagte er. Für seine Werke braucht er selber viel Wasser. So nutzt er zum Beispiel eine Gießkanne, um die Erosionsstrukturen der Erde darzustellen oder das Fließen von heißer Lava, wie auf seiner Säuleninstallation.

Marie-Luise Dauers betitelte ihre Installationen und Fotografien „LuftGeister“. Häufig ließ sie sich durch Mythologien inspirieren. An Wurzeln oder Ästen befestigte sie zartes, buntes Papiermaschee mit abstrakten Formen. Auf dem ersten Blick wirken diese wie längliche Blätter, die sich durch Wind und Luft formen ließen. Eine Installation stellte einen Raben dar, und mit dem Titel „Kafkas dunkle Gedanken“ steckt eine raffinierte Idee dahinter.

Wolfgang Dauer ist in seinem Haus geboren und seine Ehefrau lebt seit 30 Jahren dort. Bereits 1975 kaufte Wolfgang Dauer das Grundstück, aber informierte sich vorher beim Düsseldorfer Verkehrsamt, ob der Kauf sinnvoll wäre. Das Verkehrsamt sicherte ihm damals zu, dass das Bauprojekt nicht realisiert werden würde. Als Friesdorfer fühlen sie sich in der naturnahen Umgebung mit schneller Stadtanbindung noch wohl. „Über einen Umzug wegen der Südtangente möchte ich erst gar nicht nachdenken. Meiner Meinung nach braucht die Verkehrsbehörde einen Anstoß, anders und auf die Natur bezogen zu denken“, sagte Marie-Luise Dauer, die früher Kunstlehrerin war.