Joachim Sarwas in der Marienkirche

Orgelmusik bei Kerzenschein

Imposante Kulisse: Umfassend überholt, sorgt die Klais-Orgel und die gute Akustik in der Bad Godesberger Marienkirche für zarte, aber auch mächtige Orgelklänge.

Imposante Kulisse: Umfassend überholt, sorgt die Klais-Orgel und die gute Akustik in der Bad Godesberger Marienkirche für zarte, aber auch mächtige Orgelklänge.

BAD GODESBERG. Ein wundervolles Ambiente für ein variationsreiches und meisterhaftes Orgelkonzert: hinter dem Altar ein großer, im Lichterglanz leuchtender Weihnachtsbaum, rechts daneben die fast lebensgroße Krippe und unzählbar viele weiße Kerzen, die das dunkle Kirchenschiff in ein weiches, stimmungsvolles Licht tauchten.

Zum bereits 18. Mal hatte Organist Joachim Sarwas am Sonntag zu dem von ihm selbst initiierten und sehr beliebten "Candellight"-Orgelkonzert in die St.-Marien-Kirche an der Burgstraße eingeladen. Vor genau 30 Jahren, 1985, trat er in eben dieser katholischen Kirchengemeinde seinen Dienst als hauptamtlicher Kirchenmusiker an. "Heitere und besinnliche Orgelmusik" war angesagt, und es wurde tatsächlich ein Abend reich an den unterschiedlichsten Adaptationen und Kompositionen aus drei Jahrhunderten und vielen Ländern.

Als Eröffnung erklang aus der Klassik die Sonata per Organo von Guiseppe Gherardeschi, ein Militärmarsch, dessen dunkle Trommeltöne mit den Pedalen erzeugt werden und der den Zuschauer unvermittelt in den Bann der Kraft, Klangtiefe und -breite der "Königin der Instrumente" zog. Es folgte "Klassik meets Jazz" von Zsolt Gádonyi, die Adaptation eines Klavierkonzerts von Mozart, das allmählich von der klassischen Komposition zum jazzigen Stil gleitet. Zurück zur Klassik folgten ein Kleines Oboekonzert von Justin Heinrich Knecht und zwei italiniesch-opernhafte Stücke, Elevazione und Suonatine, von Padre Davide da Bergamo, die an bekannte Kompositionen von Donizetti und Rossini erinnern.

Jazz und Swing waren mit Stücken von Nehls, Opitz, Nagel, Kunkel, Lane & Lerner dabei, und die englische Orgelromantik mit einem bezaubernden, zarten und melodischen Werk von Edward Edgar. Den Abschluss stellte eine mitreißende Hommage an die amerikanische Orgelromantik, vertreten hier durch Silver, Lewis, Thayer und Matthews, letzterer mit einer meditativen, feinsinnigen Cantilena.

"Kriegsorgel" nennt Joachim Sarwas liebevoll "seine" Klais-Orgel in der Marienkirche, die er virtuos beherrscht. 1941 sei sie, dem damaligen Mangel und der Not der Kriegsjahre geschuldet, aus eher minderwertigen Materialien gebaut, inzwischen jedoch umfassend überholt worden, ergänzt der Musiker. Mit stehendem Applaus bedankten sich die begeisterten Zuhörer für ein faszinierendes Konzert und eine vollendete Darbietung.