Flüchtlingshilfe

Notunterkunft geöffnet

BAD GODESBERG. Die Betten sind vorbereitet, die Kühltruhen und Vorratsregale gefüllt, der Sanitätsraum eingerichtet: Am Donnerstag wird die Flüchtlings-Notunterkunft im ehemaligen Landesvermessungsamt zur Belegung freigegeben.

Ob gleich die ersten Bewohner einziehen, wissen die Betreiber vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) noch nicht. "Wir bekommen die Nachricht erst im Laufe des Tages", berichtete Jürgen Hecker, Leiter Migration beim DRK-Landesverband Westfalen-Lippe, gestern bei einer Pressekonferenz. Wenn die Erstaufnahmeeinrichtung Dortmund heute an ihre Kapazitätsgrenze kommt, werden die Hilfesuchenden weitergeleitet.

Die Notunterkunft ist schlicht und zweckmäßig eingerichtet. Man sieht den Räumen an der Deutschherrenstraße an, dass sie zu einer Maschinenhalle gehörten. Zwar sind die Wände frisch weiß gestrichen, doch Stahltüren, Kacheln und Treppen tragen deutliche Gebrauchsspuren.

Zunächst können 75 Flüchtlinge untergebracht werden, später 200, wenn weitere Räume fertig sind. Der Umbau der ehemaligen Druckerei hat wesentlich länger gedauert, als zunächst geplant. "Wir mussten hier aus Brandschutzgründen viele Altlasten entfernen und die gesamten Decken abnehmen. Das hat zu Bauverzögerungen geführt", berichtete Hecker.

Das 20-köpfige Team um Einrichtungsleiterin Jana Biesenbach ist inzwischen komplett, die Mitarbeiter sprechen insgesamt 13 Sprachen. Sozialbetreuer, Küchenmannschaft, Hausmeister und Verwaltung sind einsatzbereit. Das DRK Bonn hält in der ersten Woche zusätzlich 20 ehrenamtliche Helfer vor, die bei Bedarf einspringen könne.

Die rund 800 Quadratmeter große Maschinenhalle wurde in Speisesaal, Aufenthaltsbereich und Spielzimmer unterteilt. In den Schlafräumen werden jeweils vier Personen in Stockbetten untergebracht, Familien gemeinsam, alleinreisende Frauen oder Männer jeweils getrennt. Die Sanitäranlagen befinden sich in einem Containerbau draußen vor dem Gebäude, allerdings durch einen Sichtschutz eingezäunt.

"Einige liebevolle Details fehlen noch, wie zum Beispiel die Pflanzen", sagte Jana Biesenbach. Im Aufenthaltsraum hängt bereits eine Deutschlandkarte, damit die Neuankömmlinge sehen können, wo sie gelandet sind. Schilder zu Essenszeiten und Hausregeln geben Orientierung, natürlich in mehreren Sprachen.

Die Regale in der Kleiderkammer sind gut gefüllt. Stapelweise warme Pullover, Jacken und Kindermützen liegen hier. "Einige werden sicherlich von der Witterung hier überrascht", sagte DRK-Bereitschaftsleiter Hassan D. Yücelli. Neue Kleiderspenden werden zurzeit nicht benötigt, denn nicht nur die Regale der Notunterkunft sind voll.

"Was Sie hier sehen, sind fünf bis zehn Prozent dessen, was insgesamt vorliegt. Die Spendenfreudigkeit ist sehr hoch", sagte Yücelli. Für die Einrichtungsleiterin ist es eine "Luxussituation", jederzeit Spielzeug oder Kleidung für die Flüchtlinge zur Verfügung zu haben.

"Wir brauchen noch Kinderhochstühle, möglichst abwaschbar, und zwei Tischkicker, die wir gerne hier aufstellen würden", sagte Biesenbach. Auch bekannte Gesellschaftsspiele für Erwachsene wie Backgammon, die ohne deutsche Sprachkenntnisse funktionieren, sind beim DRK willkommen (siehe Text unten). Die ehrenamtlichen Helfer aus Bonn werden außerdem dauerhaft den Betrieb des Sanitätsraumes unterstützen und Rettungsassistenten stellen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange bleibt die Notunterkunft in Betrieb?

Bei der ersten Bürgerversammlung Anfang Oktober hatte der Hauptdezernent der Bezirksregierung Arnsberg "maximal März 2015" als Termin genannt. Das gilt nicht mehr: Die für die Aufnahme der Flüchtlinge landesweit zuständige Bezirksregierung lässt die Dauer des Provisoriums mit Blick auf die Lage in den Krisengebieten offen. Die Zahl der Flüchtlinge sei derzeit nicht vorherzusagen.

Steht schon fest, aus welchen Ländern die Flüchtlinge kommen?

Die Godesberger Notunterkunft ist ein "Überlauf" für die überlastete Erstaufnahmeeinrichtung in Dortmund. Wer dort ankommt und ein Bett braucht, wird weitergeschickt, völlig unabhängig von der Nationalität.

Wie lange bleibt der Einzelne in Muffendorf?

Nur für die Dauer der Erstaufnahme, was bis zu zwei Wochen sein kann.

Ist die Notunterkunft frei zugänglich?

Die Bewohner können das Haus jederzeit verlassen. Gäste müssen sich anmelden, der Zugang wird zum Schutz der Flüchtlinge von einem Sicherheitsdienst kontrolliert, der rund um die Uhr anwesend ist.

An wen kann man sich wenden, wenn man Hilfe anbieten möchte?

In Godesberg haben sich bereits diverse Flüchtlingsinitiativen formiert. Hilfe für die Bewohner der Notunterkunft koordiniert das Deutsche Rote Kreuz Bonn, Tel. 0228/98 31 41, E-Mail an fluechtlingshilfe@drk-bonn.de.