Denise Pöhler wird Diebstahl vorgeworfen

Niklas Mutter sitzt seit Juli in türkischem Gefängnis

Vor dem Saal: Niklas' Mutter Denise Pöhler im Gespräch mit Seelsorger Wolfgang Picken.

Niklas' Mutter Denise Pöhler mit Pfarrer Wolfgang Picken während des Prozesses zum Tod von Niklas.

Bad Godesberg. Die Mutter des 2016 ums Leben gekommenen Niklas Pöhler wurde während ihres Türkeiurlaubs verhaftet. Denise Pöhler spricht bei dem Vorfall von einer Verwechslung.

Für die türkischen Medien ist es nicht mal eine Meldung wert, in Bonn und der Region indes erschüttert die Nachricht: Denise Pöhler, die Mutter des im Mai 2016 in Bad Godesberg nach einem Schlag tragisch ums Leben gekommenen Niklas, sitzt seit dem 15. Juli in türkischer Haft. Wie ihr Seelsorger, der Bad Godesberger Pfarrer Wolfgang Picken verlautete, wird der 48-Jährigen der Diebstahl eines Gepäckstücks vorgeworfen. Sie wurde beim Transfer von ihrem Urlaubsort zum Flughafen gemeinsam mit ihrem Partner verhaftet.

In diesen Tagen erst soll der Haftprüfungstermin feststehen. Seitdem sitzt Pöhler in Untersuchungshaft in Antalya, wo sie einen zweiwöchigen Urlaub verbracht hatte – in der türkischen Justiz eine durchaus übliche Zeit auch bei solchen Delikten.

Nach ihrer eigenen Schilderung handelte es sich bei dem Vorfall um eine Verwechslung. Aus Versehen habe sie nach dem Auschecken in der Hotellobby eine Gürteltasche an sich genommen, die markengleich mit ihrer eigenen Tasche war. Kurz nachdem sie während des Transfers feststellte, dass es sich nicht um ihre eigene Tasche handelt, wurde der Bus bereits von der Polizei angehalten. In der fremden Tasche befanden sich zwei Handys des eigentlichen Besitzers.

Die türkischen Ermittlungsbeamten hätten ihr gleich mitgeteilt, dass sie mindestens mit einer Untersuchungshaft bis Mitte September rechnen müsse. Das seien die gängigen Bearbeitungsfristen bei vergleichbaren Fällen. Picken: „Der türkische Rechtsanwalt von Frau Pöhler hat bisher vergeblich versucht, unter Hinweis auf die besondere Situation von Frau Pöhler eine Beschleunigung des Verfahrens zu erreichen.“ Aufgrund der Gerichtsferien in der Türkei und die zwischenzeitig erfolgte Verlegung des Gerichtsortes und damit die Zuständigkeit einer anderen Staatsanwaltschaft habe das aber zu keinem Erfolg geführt.

Picken betont, dass die Haft in keinem Zusammenhang mit den gegenwärtigen politischen Spannungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei stehe. Politische Gründe gebe es für die Festnahme nicht. In Regierungskreisen ist der Fall aber bekannt. Die 48-Jährige werde konsularisch betreut, hieß es nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag aus Berlin.

Die Haftbedingungen seien landesüblich. Die Behandlung durch das Gefängnispersonal sei nicht zu beanstanden, hieß es. „Frau Pöhler war in den Urlaub gefahren, um sich von den Anstrengungen zu erholen, die der Prozess zum Tod ihre Sohnes Niklas gefordert hatte. Sie hatte sich dafür die Türkei ausgesucht, weil sie das Land liebt,“ so Picken. Dass sie sich jetzt aufgrund einer Verwechslung seit neun Wochen in Untersuchungshaft in einem türkischen Gefängnis befinde, sei eine Tragödie. Picken: „Man kann sich nicht vorstellen, was die Haft seelisch und physisch für Frau Pöhler und ihren Partner bedeutet.“