Missbrauch am Aloisiuskolleg

Neue Leitung zieht zwei Jahre nach Aufdeckung des Skandals Bilanz

BAD GODESBERG. Mit seinen Präventionsmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt sieht sich das Aloisiuskolleg (Ako) gut zwei Jahre nach der Aufdeckung des Missbrauchsskandals auf einem guten Weg. "Aber wir wissen, dass wir lange noch nicht am Ziel sind", erklärte Rektor Pater Johannes Siebner am Dienstag dem GA.

Noch am Montag hatte er mit Betroffenheit auf die "konkreten Vorfälle" in der Vergangenheit reagiert, die zwei Missbrauchsopfer zur laufenden Klage gegen die Schulaufsicht der Bezirksregierung bewogen (der GA berichtete).

"Wir sind nicht Manager des Aufklärungs- und Aufarbeitungsprozesses, sondern selbst im Prozess mit drin", sagte Siebner gestern. Die Aufklärung laufe selbstverständlich weiter. "Wir müssen den Opfern noch weiter zuhören und sie verstehen." Internatsleiter Christopher Haep, der Ende 2010 einen Präventionsleitfaden erstellen ließ, ergänzte, dass es durch diesen Verhaltenskodex klare Verfahren der Prävention gebe. "Und keine Angst vor der Wahrheit, sondern ständige Wachsamkeit und wachsende Achtsamkeit."

Die Sensibilisierung für jegliche Form von Grenzüberschreitung finde inzwischen bei Mitarbeitern, Schülern, Eltern und der Leitung statt. Transparente Verfahren, die die Schüler als Subjekte würdigten, seien auch in die neue Kollegsordnung eingeflossen, so Siebner. Man übe weiter ein, dass Schüler Nein sagen könnten. Aufklärung heiße, im Alltag über alle Dinge reden zu dürfen.

"Jeder hat bei uns jetzt die Möglichkeit, das sogenannte doofe Gefühl bei einem professionellen Ratgeber loszuwerden und nicht im Schweigen zu verharren." Man arbeite nun mit Information und Fortbildung, pädagogischen Maßnahmen, einem Beschwerdemanagement sowie der Kooperation mit Beratungsstellen. Übrigens: Die verfängliche Skulptur Kirschkernspucker, die zwei nackte Jungen zeigt, hat das Kolleg inzwischen vom Gelände entfernt

Die Präventionsmaßnahmen beinhalten unter anderem:

  • Seit Juni ist als Kooperationspartner die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Anlaufstelle für Schüler, Eltern, Mitarbeiter und Leitung. Auch anonyme Meldungen sind möglich. Die Beratungsstelle sowie die Jesuitenbeauftragte Ursula Raue garantieren ein internes und externes Beschwerdemanagement für Mitarbeiter.
  • Alle pädagogischen Mitarbeiter sowie die Leitung erhalten durch die Kinderschutzorganisation "Innocence in Danger" eine jährliche Fortbildung sowie eine spezielle Schulung zu "Medien und sexualisierte Gewalt".
  • Zu jedem Schuljahrsbeginn führt Innocence in Danger einen Ako-Informationsabend für Eltern durch.
  • Von neuen Mitarbeitern wird ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis verlangt.
  • Unterstufenschülerinnen profitieren vom Gewaltpräventionskurs "Nein sagen". Im Mädcheninternat läuft das sexualpädagogische Programm "Teen Star".

Jetzt fehlt dem Ako noch ein Partner, der den regelmäßigen Blick von außen vornimmt. Dazu hatte sich das 800-Schüler-Kolleg im Präventionskonzept verpflichtet. "Da gibt es noch kaum Erfahrungswerte für Schulen", gibt Pater Siebner zu bedenken.

Positiv bewertet wird das Präventionskonzept von Wilma Wirtz-Weinrich, Psychotherapeutin der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Sie bestätigt, dass das Ako strenge Maßnahmen zur Ahndung und vor allem zur Prävention grenzüberschreitenden Verhaltens umgesetzt hat. "Da kann sich manche staatliche Schule eine Scheibe von abschneiden."

Als besonders wichtig sieht sie die Möglichkeit an, dass Ako-Schüler und -Mitarbeiter auch anonym bei der Beratungsstelle Hilfe erhalten können. Julia von Weiler, Geschäftsführerin von Innocence in Danger, lobt, dass das Ako eine der ersten Einrichtungen sei, die mit Unterstützung mehrerer Fachberatungsstellen ein umfassendes Präventionskonzept vorlegte und mit klaren Handlungsanweisungen arbeitet.