„Der Song ist der König“

Musikszene in Bad Godesberg: Jan Laacks

Jan Laacks in seinem Studio: Im Hintergrund ist eines seiner Vorbilder zu sehen - Jimi Hendrix. Und ein Plakat von einem Konzert der Beatles von 1967 darf natürlich auch nicht fehlen.

Jan Laacks in seinem Studio: Im Hintergrund ist eines seiner Vorbilder zu sehen - Jimi Hendrix. Und ein Plakat von einem Konzert der Beatles von 1967 darf natürlich auch nicht fehlen.

Bad Godesberg. Der Bad Godesberger Jan Laacks ist Gitarrist von Layla Zoe und schreibt Lieder für viele Künstler. Künstlerisch gibt es für ihn keine Grenzen, sein Herz aber schlägt für Jimi Hendrix, Prince und die Beatles.

Jan Laacks startet mit ein paar sauberen Akkorden, lässt sie auf dem Hals seiner E-Gitarre ausklingen, verschiebt sie auf höhere Lagen, variiert sie, bis er ins Spiel einzelner Noten übergeht und sein Solo immer fulminanter wird. Der Gitarrist liebt das Spiel mit der Spannung. Und beim James Brown-Klassiker „It's a Man's World“, das auf dem Live-Album „Live at Spirit of 66“ von Layla Zoe zu hören ist, lässt er seinem kreativen Ausbruch freien Lauf.

„Ich mag das, mich voll auf einen Song einzulassen, die Atmosphäre und Energie auf der Bühne zu spüren“, sagt der 35-Jährige und schaut aus dem Fenster seines Hauses in Bad Godesberg. Der Blick fällt auf die sanften Linien des Siebengebirges. In seinem Studio herrscht Struktur, etliche Effektgeräte und Pedale liegen fein geordnet im Regal, Noten in Mappen, Kabel aufgerollt am Haken oder in der Schublade. Ein Keyboard liegt vor einem großen Computerbildschirm, auf dem digitale Tonspuren zu sehen sind. Ein gutes Dutzend Gitarren lehnt am Ständer, ein paar Stufen geht es in den Nebenraum, vollgestopft mit Verstärkern und Lautsprechern.

Der Bad Godesberger hat seine Passion zum Beruf gemacht. Als Schüler schon spielte er Gitarre, gründete mit Freunden eine Band. „Mein Vater hat immer begeistert Gitarre gespielt, und ich bin zu Hause mit der Musik der Beatles, der Rolling Stones, von Jimi Hendrix und Led Zeppelin groß geworden. Es gibt sicher Schlimmeres“, sagt er und lacht. Der schlanke junge Mann mit dem dunklen Bart lacht überhaupt sehr viel.

Nach dem Abitur am Friedrich-Ebert-Gymnasium stand für Laacks fest, dass er die Musik zum Beruf macht. „Ich habe so viel wie möglich gespielt und gleich von Anfang an auch Gitarrenunterricht gegeben“, erzählt er. In der Band von Elli Erl, der Gewinnerin der zweiten Staffel von DSDS, hat er die Gitarre bedient, und mit seiner eigenen Band, Kamikaze Kid, siegte er sogar bei einem Coca-Cola-Bandcontest. Der melodiöse Poprock mit deutschen Texten kam gut an, und die Jungs durften auf großen Festivals wie Rock am Ring und Hurricane auftreten.

Fünf Jahre lang begleitete er Anne Haigis

Laacks begleitete fast fünf Jahre die Rockröhre Anne Haigis, stand mit Marianne Rosenberg auf der Bühne und schrieb Songs für zahlreiche Künstler, darunter Mary Roos. Musik und Arrangement zu „Ich wünschte Gestern wäre Morgen“ stammen zum Beispiel von ihm. „Künstlerisch gibt es für mich keine Grenzen“, sagt er.

Auf seinem Bildschirm sind Aufnahmen einer jungen Bonner Sängerin zu sehen. Seluna schreibt ihre Songs zwar selbst, Laacks hilft ihr, ihnen den letzten Schliff zu verpassen. „Mir macht es Spaß, mich in die Songs einzufühlen“, sagt er. Aber sein Herz schlägt für Jimi Hendrix, Prince und die Beatles: „Ich denke, dass die Musik, die deine Kindheit geprägt hat, dich dein ganzes Leben lang begleiten wird. Und Abbey Road von den Beatles wird für mich immer das beste Album aller Zeiten bleiben.“

Im August vor fünf Jahren fiel in der Band der kanadischen Bluesrocksängerin Layla Zoe ein Gitarrist aus. Ausgerechnet im Bluestempel „Spirit of 66“ in Verviers musste Laacks sein Debüt geben. Das Publikum tobte. Probe bestanden. An was denkt er, wenn er auf der Bühne steht? „Ich genieße es einfach“, sagt Laacks. „Es ist doch so. Im Jazz und im Blues, wo die Improvisation ein wichtiger Part der Musik ist, lässt du dich von der Energie leiten, so esoterisch sich das jetzt auch anhört. Aber du reagierst dann in der Musik auf die Situation, auf die Spontaneität. Für mich ist wichtig, dass der Song richtig rüberkommt.“ Es gibt Gitarristen, die bei jedem Song zeigen müssen, wie flink sie mit den Fingern sind, was für Techniken sie drauf haben. Das ist bei Laacks anders. Mal gibt er „Vollgas“ auf den Saiten, mal gönnt er dem Stück die nötige Ruhe. Er hat das Talent, die Sängerin so zu unterstützen, dass sie und das Lied im Vordergrund stehen. Und Layla Zoe weiß um die vielen Seiten ihres Gitarristen, lässt ihn sich auch mal ordentlich ausspielen. So wie bei „It's a Man's World“, zu dem er ein fast 15-minütiges Solo spielt – ohne dass es langweilig würde.

Das Kölner Stollwerck ist so voll, dass die Wände zu schwitzen scheinen. Bluesnacht. Walter Trout, Danny Bryant und Layla Zoe stehen auf dem Programm. Der Opener von Layla Zoe ist „Backstage Queen“. Der schleppend-rockige Rhythmus und der eingängige Gitarrenlick, die feinen, geigenden Linien, die Jan Laacks spielt, und natürlich die raue Stimme Zoes ziehen das Publikum gleich in ihren Bann. Zur Zugabe gibt es mit „Highway of Tears“ eine wunderschöne Ballade, bei der Jan auch seine Fähigkeiten als melodiöser Gitarrist zeigen kann. „Der Song ist der König“, sagt Laacks und schlägt auf seiner Gitarre einen Akkord an. Kater Jimi schnurrt. Keine Widerrede.