Flüchtlingshilfe

Mit dem Rad zum Sprachkurs

Fahrräder für Flüchtlinge: Karl Lesieur (links) vom Fahrradladen Drahtesel unterhält sich mit Mussie Aron aus Eritrea.

Fahrräder für Flüchtlinge: Karl Lesieur (links) vom Fahrradladen Drahtesel unterhält sich mit Mussie Aron aus Eritrea.

Bad Godesberg. Der runde Tisch Flüchtlingshilfe Bad Godesberg stellt mit dem Fahrradgeschäft Drahtesel Flüchtlingen 40 Räder zur Verfügung.

Seit acht Monaten ist Mussie Aron in Bonn. Untergekommen ist er in der Michaelschule. Der Flüchtling aus Eritrea war in Bonn bislang meistens zu Fuß unterwegs. Seit Sonntag kann er mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren – dank der Aktion „Fahrräder für Flüchtlinge“, die der runde Tisch Flüchtlingshilfe Bad Godesberg gemeinsam mit dem Fahrradfachgeschäft Drahtesel auf die Beine gestellt hat. „Ich freue mich, dass ich mich jetzt sportlich betätigen kann, dass ich weitere Strecken zurücklegen kann und mobil bin“, sagte er mit Hilfe eines Dolmetschers.

Auch in seiner Heimat sei er mit dem Fahrrad gefahren. So wie der erst vierjährige Abdul Rachman aus Tadschikistan, der ohne Probleme seine ersten Runden im Innenhof des Lindeblocks dreht. „Es gibt viele Angebote für Flüchtlinge in Bonn“, sagte Benjamin Kalkum, Koordinator des Runden Tisches, „aber nicht immer um die Ecke. Das Budget von Flüchtlingen reicht oft nicht aus, um sich Tickets für den öffentlichen Personennahverkehr zu kaufen. Mit dem Fahrrad können die Betroffenen jetzt zum Beispiel auch ihre Angelegenheiten auf verschiedenen Ämtern schneller erledigen.“

Ähnlich sieht das auch Lilo Franzen vom Drahtesel: „Ein Fahrrad bedeutet für geflüchtete Menschen ein großes Stück Mobilität und Unabhängigkeit. In einem Alltag, der oft eintönig und von massiven Einschränkungen geprägt ist, eröffnet es Möglichkeiten, kostenlos und unkompliziert etwa zum Sprachkurs, zum Arzt oder zu Behörden zu gelangen. Nach der Verlegung von der Erstaufnahmeeinrichtung in eine längerfristige Unterkunft müssen sich Flüchtlinge beispielsweise selbst um den Transfer zu ihren Kursen kümmern. Ein Fahrrad bedeutet hier eine immense organisatorische Erleichterung und Einsparmöglichkeit.“

Für die Aktion hatten viele Godesberger Kinder- und Erwachsenenräder gespendet, die dann im Innenhof des Lindeblocks angeliefert, kategorisiert und von den Mitarbeitern des Drahtesels, die an diesem Tag ehrenamtlich im Einsatz waren, fachkundig instand gesetzt wurden.

Sämtliche Reparaturen der rund 40 Räder übernahmen die Drahtesel-Mechaniker selbst. Notwendige Ersatzteile stellten die Fahrrad-Experten ebenfalls zur Verfügung, es wurde fleißig gedreht und geschraubt. Für einen Eigenanteil von 25 Euro konnten die angemeldeten Flüchtlinge dann ein für sie passendes Rad erwerben. Die angefallenen Materialkosten in Höhe von rund 1000 Euro wurden zu gleichen Teilen vom Runden Tisch sowie als Spende von Jean und Lilo Franzen übernommen.