Kunst von Ute Lennartz-Lembeck

Mit Kunst bestricken und verstricken

Ihr Element ist Wolle: Ute Lennartz-Lembeck bei der Vernissage im Haus der Begegnung auf dem Heiderhof.

Ihr Element ist Wolle: Ute Lennartz-Lembeck bei der Vernissage im Haus der Begegnung auf dem Heiderhof.

HEIDERHOF. Sie ist die Künstlerin, die vor das evangelische Haus der Begegnung unlängst ein von vielen Menschen kunterbunt gestricktes und gehäkeltes Tipi der Inklusion stellen ließ (der GA berichtete): Ute Lennartz-Lembeck, die seit Jahren bundesweit für ihre "sozialen Skulpturen" bekannt ist.

Nun stellt die Frau, die Kunstpädagogik und Sozialwissenschaft studiert hat, bis zum 23. Januar im Haus der Begegnung, Mandelbaumweg 2, neben ihrer Kunst im öffentlichen Raum, auch "Urban Knitting und Street Art" genannt, Malerei und Fotografie aus. Sie will vor allem zu Kooperation und Vernetzung anregen, sagt sie selbst. "Meine Arbeiten entstehen konzeptionell durch die vertiefende Beschäftigung mit Geweben, deren Stabilität, deren Herstellung, im praktischen wie im übertragenen auch theoretischen Sinne."

"Dass sie die Malerei beherrscht, sehen wir an den Bildern, in denen ihre Kinder im Mittelpunkt stehen", erklärte bei der Vernissage der langjährige Leiter des Film-Funk-Fernseh-Zentrums der Evangelischen Kirche im Rheinland, Jürgen Jaissle, nachdem Paul "PR" Rittel mit Jazz-Cello-Stücken auch musikalisch Atmosphäre geschaffen hatte.

Ute Lennartz-Lembeck zeige aber besonders in ihrer sogenannten Straßenkunst, wie auch durchaus analog Vernetzungen entstehen können. "Sie spannt einen Ariadne-Faden, ein Bekenntnis zur Vergänglichkeit. Spielt sie nicht auch darauf an, dass unsere Zukunft im Teilen liegen müsste?", fragte Jaissle mit Blick auf die Straßenstrickaktionen.

So hat Lennartz-Lembeck 2011 eine hohe Trauerweide in Velbert bunt eingekleidet - 20 Kilogramm Wolle, 72 Meter Faden, 400 000 Maschen wurden dabei verhäkelt. Zwei Jahre später verwandelte sich dieselbe Weide in einen Wunschbaum, umhüllt von 360 kleinen gestrickten oder gehäkelten Rechtecken, weichen Graffitis, auf denen Menschen aus vielen verschiedenen Ländern ihre Wünsche eingestrickt oder eingestickt hatten.

2012 erhielten die vier Basler Rheinfähren anlässlich der Aktion "basel farbARTig verstriggt" farbige Wolldächer. Diese Kunst spiegle den Gang des Menschen durch seine Sehnsüchte, erläuterte Jaissle. In Lennartz-Lembecks verdichteter Woll-Kunst sei aber auch immer ein "Gegen" drin, ein Protest. "Ehe wir uns versehen, haben wir uns schon verstrickt. Letztlich gehört auch das Spinnen zu Ihrer Kunst hinzu", meinte er, an die Künstlerin gewandt.

Diesen Faden hatte in seiner Begrüßung auch schon Professor Gotthard Fermor, Direktor des einladenden Pädagogisch-Theologischen Instituts (PTI) der Evangelischen Landeskirche, aufgegriffen. Man verdanke Lennartz-Lembeck den künstlerischen Part des bestrickenden Gesamtprojekts "Wir WOLLEn Vielfalt", mit dem man im ganzen Rheinland gastiere. Jetzt finde die Künstlerin hier im Haus der Begegnung ihr Publikum: die zahlreichen Nutzer des reichen Angebots am PTI und an der Evangelischen Akademie.

Info

Die Ausstellung "Ute Lennartz-Lembeck, Soziale Skulpturen. Foto. Malerei" ist bis zum 23. Januar 2015 im Mandelbaumweg 2 zu sehen: montags bis donnerstags von 9 bis 16.30 Uhr; freitags von 9 bis 13.30 Uhr. Weitere Termine nach Absprache auch am Wochenende. Kontakt unter Telefon 0228/9 52 32 08.